
Konzept
Es wurde ein Konzept gesucht, mit dem "Critical & Creative Thinking (CCT) Skills" Studierenden im 5. Semester Bachelor (BWL-Managementstudiengänge) effektiv vermittelt werden können. Folgende Merkmale beschreiben das letztlich in zwei Semestern mit kleinen Studierendengruppen (ca. 10-12 Personen) eingesetzte Konzept: - Definition der konkreten CCT-Inhalte und benötigter Materialien - Lehr-Grundmodell (Kombination aus "Inverted Classroom" und Seminar) - Definition fachlicher Rahmenszenarien, innerhalb derer die CCT-Skills angewendet werden - Konkrete Aktivitäten in den Lehrveranstaltungen - Definition und Organisation von ergänzenden "Specials" wie thematisch passenden Seminaren mit externen Expertinnen/Experten und Exkursionen - Zeitliche Abfolge / logischer Aufbau aller Aktivitäten - Charakter Leistungsnachweis und Form der Erbringung (sukzessive Projektarbeit) - Erhebung von Studierenden-Feedback - Rückkopplung mit Fachbereichsverantwortlichen.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Die Maßnahme griff das Problem auf, dass kritisches und kreatives Denken zwar als wichtig gilt, im normalen Lehrbetrieb aber nur begrenzt gefördert wird. Klassische Formate bieten dafür zu wenig Aktivierung und Bezüge zu praktischen Fragestellungen. Zugleich zeigt sich eine Lücke zwischen hoher Relevanz und geringer Methodenerfahrung der Studierenden. Deshalb brauchte es ein anderes, anwendungsnahes und stärker aktivierendes Lehrformat.
Herangehensweise
1) Die Studierenden arbeiteten sich zunächst selbständig in Inhalte und Methoden mit über OLAT zur Verfügung gestellte Ressourcen ein:
Kritische Informationsbeschaffung: Quellen auf Qualität, Glaubwürdigkeit und Relevanz systematisch und effizient prüfen
Problemstrukturierung und -analyse: Komplexe Probleme systematisch zerlegen und Zusammenhänge sichtbar machen
Kreativitätstechniken: Strukturierte Methoden zur Gewinnung neuer Ideen und Lösungsansätze anwenden
Lösungsargumentation: Gefundene Lösungen logisch, klar und überzeugend darstellen
Metakognition: In der Lage sein, das eigene Denken systematisch zu reflektieren und zu verbessern
2) Sukzessives Anwenden in Gruppenprojekten zu realen, gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanten Fragestellungen – etwa zu Inklusion im Mittelstand oder Sustainable Entrepreneurship.
Durchgehender Dreischritt: Grundlagen – Übung – Anwendung.
Zusammenhang
Der Lehrkontext war die Lehrveranstaltung "Fachwissenschaftliche Veranstaltung", 7. Semester Bachelor Internationales Management sowie Bachelor Management, Controlling und Information, an der HWG Ludwigshafen am Rhein. Sie befähigt die Studierenden, ihr Fachwissen (...) auf praktische, theoretische sowie studien- und berufsrelevante Problemstellungen anzuwenden (...). Sie können ( ...) fundierte Lösungsansätze für reale, komplexe und betriebswirtschaftliche Aufgabenstellungen erarbeiten.
Voraussetzung
Zentral war eine geeignete Gruppengröße, da das Konzept stark auf Interaktion, Diskussion und Gruppenarbeit basiert und in großen Formaten wahrscheinlich schwer umsetzbar ist. Ebenso wichtig war ausreichend Zeit für aktive Arbeitsphasen, da die Methoden nicht nur vermittelt, sondern eingeübt und angewendet werden mussten. Zudem brauchte es eine klare Struktur und Zielkommunikation, damit Studierende den roten Faden nachvollziehen konnten. Eine weitere Voraussetzung war die Bereitschaft zur Eigenverantwortung auf Seiten der Studierenden, kombiniert mit gezielter Begleitung durch die Lehrperson. Schließlich erwiesen sich auch praxisnahe Aufgabenstellungen (s.o.) sowie ergänzende externe Impulse (z. B. Vorträge, Exkursionen) als wichtige Bedingungen für den Erfolg des Formats.
Eignung
Nachnutzende können die Eignung der Maßnahme an drei klaren Nachweisen erkennen. Erstens an den strukturierten Studierendenfeedbacks aus zwei Semestern: Dort wurde das Format konsistent als sinnvoll, praxisnah und lernwirksam beschrieben; besonders genannt wurden der rote Faden, der Dreischritt Theorie–Übung–Anwendung und der spürbare Zugewinn an strukturierter Problembearbeitung. Zweitens an den Umfrageresultaten (n=54): 74 % halten diese Themen im Studium für "sehr wichtig", der Rest für "eher wichtig"; zugleich wollen z.B. 74 % bei Problemstrukturierung und 67 % bei Metakognition besser werden. Drittens an den Arbeitsergebnissen selbst: Die Studierenden entwickelten zu den Praxisfragen differenzierte, begründete Lösungen – in einer Qualität, die ohne das methodisch strukturierte Konzept kaum so entstanden wäre.
Vorgehen/Schritte
Es ist in jedem Fall zu empfehlen, nicht einzelne Inhalte oder Methodenverwendungen zu übernehmen, sondern die Logik des Formats in Gänze. Tragfähig war vor allem der Dreischritt Theorie – Übung – Anwendung: Studierende arbeiten sich zunächst in ein Thema ein, erproben Denk- und Arbeitsweisen und wenden diese dann direkt auf eine reale, anspruchsvolle Aufgabenstellung an. Genau diese Verbindung erwies sich als wirksam und übertragbar.
Die Erfahrungen zeigen, dass das Konzept besonders gut in kleineren Gruppen und eher in fortgeschrittenen Studienphasen funktioniert. Für große Anfängergruppen zum Beispiel wären evtl. größere Anpassungen nötig.
Ein zweiter zentraler Punkt ist ein sehr klares Framing von Anfang an. Andere sollten zu Beginn transparent machen, worauf das Format hinausläuft: Was ist das Endprodukt, also welches Resultat soll durch die sukzessive Anwendung kennengelernter "Critical & Creative Thinking Skills" auf eine Fragestellung erreicht werden? Wie hängen die einzelnen Schritte zusammen? „Warum“ machen wir das, inwiefern nützt es dem „Humankapital“ der Studierenden?
Empfehlen würde ich außerdem, mit einer realitätsnahen Projektfrage zu arbeiten, an der kritisches und kreatives Denken tatsächlich gebraucht wird und die motivierend wirkt. Die Studierenden haben besonders dann profitiert, wenn sie nicht abstrakt über Skills gesprochen, sondern mit ihnen praktisch Probleme bearbeitet haben. In unserem Fall lief es auf systematisch hergeleitete Lösungsvorschläge bei den Fragestellungen „Inklusion im Mittelstand“ und „Sustainable Entrpreneurship Konzepte“ hinaus. Wichtig ist auch die passende Perspektive, nicht etwa „wir machen eine Übung als Studierende“, sondern z.B. “wir sind ein junges Beraterteam“ oder „wir sind ein Social business Startup“. Externe Vorträge oder Exkursionen können das sinnvoll ergänzen, wenn sie inhaltlich gut angebunden sind.
Schließlich sollte man für die Adaption genug gemeinsame Arbeitszeit einplanen und Methoden flexibel einsetzen. Die Rückmeldungen zeigen klar: Zu enge Taktung schwächt das Format, und nicht jede Methode passt in jeder Phase gleich gut. Besser ist ein überschaubares, gut begründetes Set an Methoden, das zum Ziel und zur Aufgabe passt. Wer so vorgeht, hat gute Chancen, das Konzept gewinnbringend in den eigenen Kontext zu übertragen.
Hinweise
Effekte
Erwartet war, dass die Studierenden die Inhalte aktiver, praxisnäher und nachhaltiger bearbeiten als in klassischen Formaten. Das hat sich bestätigt: In den Feedbacks wurden vor allem der rote Faden, die Verbindung aus Theorie, Übung und Anwendung sowie der Zugewinn an strukturierter Problembearbeitung hervorgehoben. Auch Methodenkompetenz, reflektierteres Vorgehen und tragfähigere Ideenentwicklung wurden als klare Effekte sichtbar. Unerwartet war, wie deutlich (bei der Online-Umfrage unter einer größeren Anzahl von Bachelorstudierenden) die Lücke zwischen hoher Relevanz und geringer Vorerfahrung ausfiel: Die Themen werden von den Studierenden als sehr wichtig eingeschätzt, viele Methoden waren ihnen aber kaum bekannt. Überraschend deutlich waren laut Feedbacks der Studierenden in den beiden Projektsemestern zudem die überfachlichen Effekte, etwa bei Teamarbeit, Selbstorganisation, Metakognition und beruflicher Anschlussfähigkeit.
Learnings
Bei der Durchführung habe ich vor allem gelernt, dass die Förderung von Critical & Creative Thinking weniger an einzelnen Methoden hängt als an der Gesamtarchitektur des Formats: reale Problemstellung, aktive Bearbeitung, Gruppenarbeit und Reflexion. Strategisch wichtig war die Erkenntnis, dass diese Kompetenzen nicht völlig voraussetzungslos vermittelt werden können. Ein gewisses Maß an bereits mitgebrachter Fähigkeit zu eigenständigem, kritischem Denken scheint ein wichtiges Fundament zu sein. Studierende können sich darin klar weiterentwickeln, aber nicht alle in gleichem Maß und Tempo. Gerade deshalb sollten solche Fähigkeiten im Studium bewusst aufgebaut und nicht stillschweigend vorausgesetzt werden. Hinzu kommt, dass sie im Kontext zunehmender KI-Nutzung eher noch wichtiger werden, weil eigenständiges Urteilen und Reflektieren sonst leicht an Systeme ausgelagert wird.
Empfehlung
/
Tipps
Teilweise bereits an anderen Stellen genannt: Für die Adaption würde ich empfehlen, die Grundlogik zu übernehmen, nicht bloß einzelne Methoden: Theorie – Übung – Anwendung anhand einer realen Praxisfrage. Wichtig sind kleine Gruppen und tendenziell eher fortgeschrittene Studierende. Zentral ist klare Struktur zu Beginn: Ziel, angestrebtes Endprodukt (nicht critical & creative thinking Methoden an sich sondern mit Zweckbezug/Anwendungsgebiet), Rolle der Methoden etc. früh klären. Außerdem genug gemeinsame Arbeitszeit einplanen und Methoden flexibel einsetzen lassen (den Studierenden Tipps und Anleitung geben, ihnen aber auch - wie realen Projektteams - Freiheiten für Entscheidungen lassen - die sie dann auch begründen müssen).
Sonstiges
/
Methoden
Empfohlen
Nicht empfohlen
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