
Sprachlernberatung im schulischen Kontext
Sprachlernberatung ist ein Konzept der Erwachsenenbildung und wurde bisher nicht im schulischen Kon-text erprobt. Es ist notwendig, angehende Lehrkräfte gezielt auf Beratungsaufgaben vorzubereiten. Die Maßnahme umfasste die Konzeption, Pilotierung und Weiterentwicklung eines interdisziplinären Theorie-Praxis-Seminars zu diesem Thema. Die dafür entwickelte virtuelle Gesprächssimulation fand zusätzlich Einsatz in Lehrkräftefortbildungen sowie der Ausbildung schulischer Lerntutor:innen.
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Beschreibung
Herausforderung
Bisher fehlte ein Konzept im Lehramtsstudium, das Studierende darauf vorbereitet, Lernende im schulischen Kontext beim Fremdsprachenlernen zu beraten. Zwar gibt es Theorie-Praxis-Ansätze, die darauf abzielen, allgemeine Beratungskompetenzen auszubilden, jedoch fehlte bisher weitgehend der fachspezifische Fokus. Studierende wünschten sich über Rollenspiele und Fallarbeit hinaus eine konkrete Vorbereitung auf die ‚echten‘ Beratungsgespräche und den Umgang mit herausfordernden Situationen.
Herangehensweise
Es wurde erörtert, wie das Konzept der Sprachlernberatung (SLB) aus der Erwachsenenbildung im schulischen Kontext anschlussfähig sein könnte. Das vorhandene Theorie-Praxis-Seminarkonzept wurde um eine fremdsprachendidaktische Komponente erweitert. Durch ein Blended Learning-Format konnte die theoretische Wissensvermittlung ausgelagert und die Präsenzzeiten für die Vertiefung durch Übung/Reflexion genutzt werden. Mittels eines H5P-Branching-Scenarios wurde eine Gesprächssimulation entwickelt, die Studierenden ermöglicht, in eine videografierte SLB einzutauchen und punktuell aus einer Auswahl an Alternativen zu entscheiden, wie sie als Beraterin handeln würden. Durch den daraus resultierenden Gesprächsverlauf können Hypothesen über (un)geeignete Gesprächstechniken aufgestellt sowie Gesprächsphasen kennengelernt werden. Nach echten SLB mit Schüler:innen besteht in einer Weiterentwicklung die Praxisphase nun aus einer Multiplikatorenschulung von Studierenden für schulische Lerntutor:innen.
Zusammenhang
Die Maßnahmen bzw. einzelne Elemente wurde innerhalb von zwölf Seminardurchläufen (6x Sprachlernberatung, 6x Lernberatung), einem Tagungsworkshop, einer dreiteiligen Lehrkräftefortbildung, drei Multiplikatorenschulungen sowie zwei Seminarworkshops erprobt bzw. durchgeführt.
Voraussetzung
Für die Durchführung des Seminarkonzepts war es relevant, die Verbindlichkeit bei den Studierenden zu fördern, da nur eine aktive Seminarteilnahme eine erfolgreiche Anwendung bzw. Weitervermittlung der Sprachlernberatungskompetenzen ermöglicht. Auch musste eine Schulkooperation angebahnt werden für die Multiplikatorenschulung. Dabei ist eine gleichgroße Zahl an Schüler:innen und Studierenden empfehlenswert. Für die Durchführung der Gesprächssimulation ist es für die Lehrperson relevant, selbst die Inhalte der Videos zu kennen, um mit den Studierenden im Sinne eines problem solving prior to instruction im Anschluss an die Bearbeitung der Einheit diskutieren zu können, welche Gesprächstechniken wieso (un-)geeignet waren und den Studierenden so deklaratives Wissen zum Beratungsgeschehen zu vermitteln.
Eignung
Seminarevaluationen konnten zeigen, dass die Studierenden insgesamt sehr zufrieden mit der Lehrveran-staltung waren und vor allem den Praxisbezug positiv hervorhoben (Herrmann et al., im Erscheinen (a)).
Die Simulation schätzten verschiedene schulische Akteur:innen dabei nicht nur als benutzerfreundlich ein, sondern nahmen auch subjektiv einen Nutzen für ihren Lernerfolg wahr (Herrmann et al., 2025; Herrmann & Drechsel, 2024).
Die Hypothese, dass Studierende sich durch die Teilnahme am Theorie-Praxis-Seminar selbstwirksamer für bevorstehende Beratungen von Schüler:innen fühlen als Studierende, die sich nur theoriebasiert oder gar nicht mit der Beratungsaufgabe auseinandersetzen, konnte bestätigt werden. (Herrmann et al., im Erscheinen (b); Hübner & Herrmann, under review).
Vorgehen/Schritte
Überblick über zu fördernde Kompetenzen verschaffen
Theoretische Inhalte als asynchrone Lernvideos/Podcasts etc. aufbereiten & Lernquizzes zur Selbstüberprüfung anbieten; Abschlussverfolgung aktivieren
Geeignete praktische Methoden zur Vertiefung und Anwendung theoretischer Inhalte auswählen für Präsenzphasen
E-Portfolio als prozessbegleitende Prüfungsleistung vorstrukturieren
Verlässlichen Kooperationspartner finden
Raumgestaltung: Sitzkreis; Rückzugsecken für Übungen im Tandem, bequeme Sitzmöglichkeiten und Potluck-Bar für angenehme Seminaratmosphäre
Anfangsmotivation und Beziehung aufbauen, Transparenz schaffen (auch über unsichere Faktoren)
Raum für Reflexion und Feedback geben, Abwechslung und Erholung ermöglichen an langen Blockter-minen, deutliche Struktur über Seminarverlauf geben
Multiplikatorenschulung gut vorbereiten, gegenseitige Vorstellung der Ausarbeitungen der Workshopphasen durch Studierende
Puffer bei Workshop einbauen, Unsicherheit zulassen
Leistung der Studierenden durch individuelles Feedback im Nachgang wertschätzen
Evaluation des Seminars durchführen und besprechen
Transparente Bewertung der Prüfungsleistung mit konstruktivem Feedbackbogen
Hinweise
Effekte
Unerwartet war, wie stark die Studierenden in den Übungsphasen sich an den im Video gezeigten Ge-sprächsstrategien orientierten. Ursprünglich sollte die Beratungssimulation in erster Linie als Diskussionsgrundlage und zum Kennenlernen verschiedener Gesprächsphasen und –techniken dienen. Scheinbar war es zudem als stellvertretende Erfahrung der beratungsbezogenen Selbstwirksamkeit zuträglich.
Unerwartet war auch, dass die H5P-Simulation nicht nur für Studierende eine attraktive Lehrmethode darstellte, sondern gleichermaßen auch von schulischen Lerntutor:innen und Lehrkräften auf Fortbildungen gerne genutzt wurde.
Learnings
Lernende schätzen eine innovative Seminargestaltung und sind bereit, sich zu engagieren und viel zu leis-ten, wenn sie sich im Seminarrahmen autonom, kompetent und sozial eingebunden fühlen. Es lohnt sich, zu Beginn des Seminars einen Fokus auf den Beziehungsaufbau mit und zwischen den Studierenden zu legen, um das Verpflichtungsgefühl für die Seminargruppe zu steigern. Auch sollten gerade Lehramtsstudierende auch immer über die Wahl der angewandten (digitalen) Methoden aufgeklärt werden, um den didaktischen Mehrwert nachvollziehen zu können.
Lehrende können durch das Konzept entlastet werden, da sie die asynchronen Inhalte nachhaltig wieder-verwenden können. Umso besser können Ressourcen für individuelle Anliegen aufgewandt werden.
Empfehlung
Im Nachhinein würde ich eine geringfügige Reduzierung des Umfangs des E-Portfolios (Prüfungsleistung im Seminar) empfehlen und stattdessen noch mehr Vorbereitungszeit für den Workshop mit Schüler:innen und Schülern einräumen. Auch sollte im Kontakt mit dem Kooperationspartner an der Schule genau geklärt werden, um welches Ausbildungsangebot es sich handelt (Nachhilfe vs. Lerncoaching).
Tipps
1. Flipped Classroom: Theorien/Texte, Quizze asynchron im Selbststudium; in Präsenzphasen: Diskutieren und Üben
2. Einsatz virtueller Spielsimulationen: Macht Spaß, nähert sich der Praxis und ist nachhaltig einsetzbar (via VHB bereitgestellte Lerneinheit „Eintauchen ins Lerncoaching“ dafür nutzen)
3. Praktische Selbsterfahrung ermöglichen: Höhere Verarbeitungstiefe der Inhalte
4. Brücke zwischen Theorie und Praxis schlagen: Verlässliche Kooperationspartner:innen für die Universität suchen
5. Studierende fördern und fordern gemäß Motivationsfaktoren Autonomie, Kompetenzerleben und sozialer Zugehörigkeit
Methoden
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Nicht empfohlen
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