
Online Lernplattform fürs externe Rechnungswesen
Studierende bringen aufgrund unterschiedlicher Bildungswege heterogene Vorkenntnisse mit, insbesondere in Grundlagenveranstaltungen wie Buchführung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurde eine Website entwickelt, die individuelle Lernpfade ermöglicht und durch interaktive Aufgaben das eigenständige Üben von Buchungssätzen fördert, da genau diese eine Herausforderung darstellen. Ziel ist es, das Verständnis der Studierenden durch direktes Feedback und praxisorientiertes Arbeiten zu verbessern.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Die betriebswirtschaftlichen Lehrveranstaltungen, wie Buchführung, stellen die Lehrenden aufgrund ihrer hohen Anzahl sowie der Diversität der Teilnehmer*innen vor große Herausforderungen. Durch Diversifizierung von Bildungswegen verfügen Studierende über unterschiedliche Voraussetzungen. Logik und Fachsprache der Buchführung ist für Studierende anfangs schwer verständlich. Um diese zu verstehen, braucht es aktives Üben, was herkömmliche Lernplattformen wie Moodle jedoch nur schwer umsetzbar.
Herangehensweise
Um die Herausforderungen der Studierenden besser zu verstehen, wurde untersucht, welche Schwierigkeiten im Fach Buchführung auftreten und welche Anforderungen an eine unterstützende Lernumgebung bestehen. In einer Diskussionsrunde mit Studierenden des Moduls Financial Accounting zeigte sich insbesondere der Wunsch nach mehr praktischen Übungsaufgaben und nachvollziehbarem Feedback zu Fehlern und deren Auswirkungen auf das Hauptbuch. Da komplexe, zusammenhängende Aufgaben in Moodle nur eingeschränkt umsetzbar sind, wurde eine eigene Website entwickelt, auf der Studierende Buchungssätze erstellen, das Hauptbuch einsehen und individuelles Feedback zu ihren Eingaben erhalten können. Dabei übernehmen sie die Rolle von Gründer*innen eines fiktiven Startups, bearbeiten verschiedene Geschäftsvorfälle und erhalten Mails mit realitätsnahen Belegen, wie z. B. Rechnungen.
Zusammenhang
Die Anwendung wurde in Rahmen verschiedener Veranstaltungen an der HTW getestet. Mithilfe von Studierenden wurden zunächst die grundlegenden Funktionen getestet und ausgebessert. Des Weiteren wurden die Anwendung bei HTW-Veranstaltungen (Tag der Lehre, Lange Nacht der Wissenschaften) vorgestellt und weiter erprobt. Darüber hinaus wurde die Anwendung umfassend mit Studierenden aus einem Business-Administration Kurs im Sommersemester 2025 getestet.
Voraussetzung
Eine enge Zusammenarbeit mit den Lehrbeauftragten im Bereich Rechnungswesen war entscheidend für die Umsetzung. Da die Erstellung praxisnaher Aufgaben zeitaufwendig ist und viele Lehrende eigene didaktische Ansätze verfolgen, musste das Konzept flexibel an bestehende Lehrpläne angepasst werden. Zudem war eine fachliche Überprüfung der Aufgaben durch die Lehrpersonen notwendig, um die inhaltliche Qualität und Richtigkeit sicherzustellen.
Eignung
Zur Auswertung der Maßnahme wurde ein Feedback-Fragebogen entwickelt, der erfasst, wie die Studierenden die Lernumgebung sowohl in fachlicher als auch persönlicher Hinsicht wahrnehmen. Die Rückmeldungen geben Aufschluss darüber, inwieweit die Maßnahme das Verständnis fördert und die Lernmotivation unterstützt.
Schritte
Zunächst wurden betroffene Module sowie die jeweiligen Lehrpersonen identifiziert, kontaktiert und die genutzten Plattformen für Lehrmaterialien ermittelt. Besonders in Grundlagenveranstaltungen wie Buchführung sind oft mehrere Studiengänge und Fachbereiche betroffen. Die Lehrpersonen sollten über geplante Maß-nahmen informiert und um Feedback gebeten werden. Rückmeldungen helfen nicht nur bei der Optimierung, sondern zeigen auch Lehrpersonen auf, die sich für eine engere Zusammenarbeit und künftige Evaluationen eignen.
Ebenso empfiehlt es sich, frühzeitig mit Studierenden ins Gespräch zu kommen, etwa in Diskussionsrunden. So können deren Perspektiven besser erfasst und bestehende Herausforderungen präzise identifiziert wer-den. Diese Informationen bilden die Grundlage für Konzepte, die gezielt auf Schwierigkeiten eingehen.
Im Bereich Buchführung zeigt sich, dass viele Studierende Probleme beim Aufstellen von Buchungssätzen haben. Oft bleibt unklar, warum eine Lösung falsch ist und wie sich Fehler auf Bilanz, Hauptbuch oder GuV auswirken. Daraus ergibt sich das Ziel, aktives Üben in den Vordergrund zu stellen und zusätzliches Feedback bereitzustellen. Da viele Studierende Buchführung als abstrakt empfinden, ist eine möglichst realitätsnahe Gestaltung der Aufgaben wichtig.
Das daraus entwickelte Konzept stellt realitätsnahe Aufgaben zum Aufstellen von Buchungssätzen bereit. Studierende sollen ihre Buchungssätze im Hauptbuch einsehen können. Falsche Buchungen enthalten gezieltes Feedback, damit Fehler nachvollziehbar werden. Die Studierenden übernehmen dabei die Rolle von Gründer*innen eines fiktiven Startups und bearbeiten buchhalterisch die anfallenden Geschäftsvorfälle.
Auf Basis dieses Konzepts muss entschieden werden, wie die technische Umsetzung erfolgt: Nutzung beste-hender Systeme wie Moodle oder Entwicklung einer eigenständigen Anwendung. Nach der Entscheidung sollte ein Prototyp, z. B. in Form von Mockups, erstellt werden. Dieser wird Lehrenden vorgestellt, um frühzeitig Rückmeldungen einzuholen. Eine fachliche Überprüfung der Aufgaben ist notwendig, um die inhaltliche Kor-rektheit sicherzustellen. Das Feedback fließt in die Weiterentwicklung ein. Auch während der Entwicklungs-phase sind regelmäßige Abstimmungen mit Lehrpersonen sinnvoll, da konkrete Zwischenstände zu wertvollen Rückmeldungen führen.
Vor der endgültigen Einführung empfiehlt sich eine Testphase mit Studierenden. Diese wird gemeinsam mit Lehrpersonen geplant, um Feedback systematisch zu erheben. Dazu werden Testtermine abgestimmt und ein Feedbackfragebogen entwickelt, der Rückmeldungen von Studierenden und Lehrenden erfasst. Auf Basis dieser Ergebnisse wird die Anwendung weiter verbessert, Fehler korrigiert und Unklarheiten beseitigt.
Hinweise
Effekte
Auf der einen Seite stellt die Entwicklung einer eigenen Lernplattform einen großen Aufwand da. Darüber hinaus ist die Akzeptanz der Lehrenden er dann gegeben, wenn die Maßnahme auf die Module und Bedürfnisse der Lehrenden zugeschnitten ist. Außerdem sind viele Ressourcen und Zeit für das Testing einzuplanen.
Learnings
Moodle wird in fast jedem Modul verwendet, also haben Lehrende auch Erfahrungen im Umgang mit dieser Plattform. Alternative Lösungen müssen sorgfältig erklärt werden, wenn diese vorgestellt werden. Es muss auch genau erklärt werden, warum eine entwickelte Lösung einen Mehrwert für die Lehrenden darstellt.
Darüber hinaus spielt bei selbst entwickelten Anwendungen die Nutzerfreundlichkeit eine zentrale Rolle. Ist das Design nicht intuitiv gestaltet, sinkt die Bereitschaft zur Nutzung erheblich, und die Wahrscheinlichkeit, dass die Anwendung tatsächlich verwendet wird, verringert sich deutlich.
Darüber hinaus ist es wichtig regelmäßig mit den Lehrpersonen während der Entwicklung in den Austausch zu gehen, da nur dann aktiv Feedback gesammelt werden kann.
Empfehlung
Eine eigenständige Entwicklung kann mehr zeitliche Ressourcen kosten, als erwartet, sodass die Durchführung von Testphasen sorgfältig geplant werden muss. Eine Testphase mit Studierenden muss vorher geplant werden, damit zum richtigen Zeitpunkt im Semester (entweder semesterbegleitend oder vor der Klau-surenphase) wichtiges Feedback der Studierenden eingeholt werden kann.
Zusätzlich kann eine weitere Person für die Erstellung von Designkonzepten und Umsetzungen herangezogen werden (z.B.: eine studentische Hilfskraft), um effizient zu arbeiten.
Tipps
Hervorzuheben ist der regelmäßige Austausch mit Lehrenden und Studierenden. Mit Studierenden kann vor der Entwicklung ein Austausch in einer offenen Diskussionsrunden stattfinden. Die Lehrenden können mithilfe von Einzel-Gesprächen über die Maßnahme aufgeklärt werden. Somit können Fortschritte gezeigt werden und die Lehrenden sind bereits vertraut mit der Maßnahme.
Methoden
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