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Perspektiven Sozialer Nachhaltigkeit im und durch Wohnen (PerSoNa Wohnen)

Im Rahmen des Projekts entwickelte und erprobte ein interdisziplinäres Lehrteam gemeinsam mit und für Studierende der Sozialen Arbeit und des Nachhaltigen Immobilienmanagements der Hochschule Mittweida ein innovatives Lehrformat zur Sozialen Nachhaltigkeit im Wohnen. Ziel des Projektseminars war es, unterschiedliche Perspektiven relevanter Akteursgruppen – etwa aus der Projektentwicklung, Stadtverwaltung, Kommunalpolitik, Immobilienwirtschaft und Soziale Träger – sichtbar und erfahrbar zu machen. In Zusammenarbeit mit Praxispartner:innen entwickelten Studierende in fächerübergreifenden Arbeitsgruppen ein Nutzungskonzept zur Reaktivierung einer Immobilie der Stadt Mittweida, das an den Bedürfnissen marginalisierter Gruppen auf dem Wohnungsmarkt ausgerichtet ist.

Kategorien

Bitte nennen Sie bis zu fünf Stichwörter, die den Inhalt Ihrer Maßnahme aussagekräftig beschreiben.
Interdisziplinarität
Perspektivwechsel
Praxisorientierung
Nachhaltigkeit
Simulation
Zielgruppe(n)
Akteur:innen außerhalb der Hochschule
(Fach-)Öffentlichkeit
Hochschul-, Fachbereichs-/Fakultätsleitung
Lehrbeauftragte
Handlungsfeld & Aktivität(en)
Projektkoordination
Bedarfs-/Wirkungsanalysen entwickeln
Supportangebote
Angebote für Austausch und Kollaboration entwickeln

Beschreibung

Herausforderung

Eine Schwierigkeit in der Hochschullehre ist es, komplexe gesellschaftliche Herausforderungen wie soziale Nachhaltigkeit im Wohnen so zu vermitteln, dass Studierende unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und reflektiert einnehmen können. Insbesondere fehlt es an interdisziplinären und praxisnahen Formaten, in denen Zielkonflikte zwischen baulichen, sozialen, wirtschaftlichen, politischen oder auch ökologischen Interessen sichtbar und anhand eines konkreten Beispiels erfahrbar werden.

Herangehensweise

Der Herausforderung wurde durch die kollaborative Entwicklung eines interdisziplinären Projektseminars begegnet, das gemeinsam mit und für Studierende der Sozialen Arbeit und des Nachhaltigen Immobilienmanagements konzipiert wurde. Ein vierköpfiges Lehrteam mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen ermöglichte die multiperspektivische Konzeption und Begleitung des Seminars. Zusätzlich wurden Praxispartner:innen aus Projektentwicklung sowie Stadtverwaltung und ‑politik in die Gestaltung der Lehrinhalte eingebunden. Die thematische Fokussierung auf soziale Nachhaltigkeit im Bereich des Wohnens fungierte dabei als fächerverbindender Rahmen, innerhalb dessen unterschiedliche Perspektiven, Zielstellungen und Konfliktlagen aus der späteren Berufspraxis der Studierenden sichtbar wurden. Die Arbeit an einem realen Wohngebäude erlaubte es den Seminarteilnehmer:innen, Chancen und Herausforderungen unterschiedlicher Herangehensweisen im Rahmen simulationsbasierter Formate zu erproben.               

Zusammenhang

Anhand der Modulhandbücher der Studiengänge Soziale Arbeit und des Nachhaltiges Immobilienmanagement wurde zunächst analysiert, welches Semester, welches Modul, und welche Lehrveranstaltung sich für die Durchführung eines Projektseminars eignet. In einem nächsten Schritt wurden erste Erprobungen in beiden Studiengängen durchgeführt. Auf dieser Grundlage wurde schließlich ein fächerübergreifendes Blockseminar konzipiert und im Wintersemester 2025/2026 umgesetzt.

Voraussetzung

Zentrale Voraussetzung für die Durchführung der Maßnahme war die Bereitschaft mehrerer Lehrender, gemeinsam ein interdisziplinäres und praxisorientiertes Lehrformat zu entwickeln. Inhaltlich konnte an bestehenden Schnittstellen der Studiengänge Soziale Arbeit und Nachhaltiges Immobilienmanagement im Themenfeld Wohnen angeknüpft werden, etwa im Hinblick auf Lebenszyklusoptimierung, Gemeinwesenarbeit oder marginalisierte Lebenslagen. Zentrale Rahmenbedingung war zudem eine finanzielle Förderung, die eine kontinuierliche Projektkoordination und -begleitung durch eine wissenschaftliche Mitarbeiterin ermöglichte. Weitere relevante Voraussetzungen waren flexible Stundenplanungen, die Zusammenarbeit eines interdisziplinären Lehrteams sowie der Ausbau bestehender Kooperationen zwischen Hochschule und Stadt Mittweida. Das Interesse der Stadt an wissenschaftlichen Impulsen zur Stadtentwicklung ermöglichte darüber hinaus die Einbindung eines Bestandsgebäudes in das Lehrformat.

Eignung

Die Eignung der Maßnahme zur Begegnung der genannten Herausforderung zeigt sich in mehreren Punkten. Bereits in der Vorbereitungsphase bestand ein großes Interesse seitens deutschlandweit bestehender, sozial nachhaltiger Wohnprojekte und Praxispartner:innen aus verschiedenen Bereichen, die aktiv in die Entwicklung des Projektseminars eingebunden waren. Auch in Pilotveranstaltungen wurde das Lehrformat von Studierenden positiv aufgenommen, sowohl in Bezug auf die thematische Ausrichtung als auch auf die gewählten didaktischen Methoden. Die Rückmeldungen aus begleitenden Feedbackrunden und der strukturierten Evaluation verweisen auf einen hohen Erkenntnisgewinn, insbesondere hinsichtlich des Perspektivwechsels und der Auseinandersetzung mit Zielkonflikten. Darüber hinaus stieß das Lehrformat bei der Abschlussveranstaltung auf breites Interesse aus dem Fachpublikum, was auf eine hohe Relevanz und Anschlussfähigkeit der Maßnahme hinweist.       

Vorgehen/Schritte

1. Curriculare Schnittstellen identifizieren
Zunächst sollte geprüft werden, in welchen Studiengängen und Modulen thematische und formale Überschneidungen bestehen, die sich für ein interdisziplinäres Lehrprojekt eignen. Hospitationen in relevanten Lehrveranstaltungen sowie eine frühzeitige Abfrage des studentischen Interesses können hilfreich sein

2. Interdisziplinäres Lehrteam zusammenstellen
Grundvoraussetzung ist die Zusammenarbeit engagierter Lehrender aus den beteiligten Fachbereichen. Idealerweise sind diese für die Module verantwortlich, in denen das Format verankert wird. Gemeinsame Zielvorstellungen, Rollen, Ressourcen und Verhandlungsspielräume sollten frühzeitig abgestimmt werden.

3. Inhaltliche Ausrichtung festlegen
Es empfiehlt sich, einen thematischen Fokus für das geplante Lehrformat zu setzen. Im vorliegenden Projekt lag der Schwerpunkt auf sozialer Nachhaltigkeit im Wohnen, wodurch die Bedürfnisse von Gruppen mit erschwertem Zugang zum Wohnungsmarkt in den Mittelpunkt rückten.

4. Öffentlichkeitsarbeit aufbauen
Es sollten Informationsmaterialien (z.B. Handreichungen, Webseite) erstellt sowie Kontaktmöglichkeiten geschaffen werden. Dies erleichtert die Sichtbarkeit des Projekts innerhalb der Hochschule und gegenüber externen Akteuren.

5. Format schrittweise erproben und weiterentwickeln
Es empfiehlt sich Pilotveranstaltungen durchzuführen, in denen sowohl relevante Inhalte als auch Methoden getestet und mit den Studierenden evaluiert werden. Auf diese Weise kann das Lehrformat kollaborativ entwickelt werden.

6. Praxispartner:innen und konkrete Fallbeispiele einbinden
Die frühe Einbindung externer Akteure unterstützt die Entwicklung realistischer Aufgabenstellungen und erhöht die Praxisnähe. Bestenfalls bringen sie konkrete und für eine Simulation geeignete Fallbeispiele ein, anhand derer die Studierenden unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und einnehmen können. Die Arbeit an Fallbeispielen erleichtert es zudem, Zielkonflikte sichtbar zu machen und gemeinsam zu bearbeiten. Erwartungen und Rollen aller Beteiligten sollten vorab transparent geklärt werden.

7. "Forschende Lehre – Lehrende Forschung"
Während der Durchführung sollte deutlich gemacht werden, dass es sich um ein exploratives Format handelt. Lehrende begleiten den Prozess reflektierend und nehmen bei Bedarf Anpassungen vor – die Rückmeldungen der Studierenden sind dabei zentral. Entsprechende Reflexions- und Feedbackphasen sollten fest eingeplant werden.

8. Ergebnisse aufbereiten und veröffentlichen
Vor und während des Projektseminars entstandene Dokumente (Besprechungsprotokolle, Feedbackergebnisse, Evaluationsergebnisse) sollten systematisch ausgewertet, für die Weiterentwicklung des Formats genutzt und für den fachlichen Austausch aufbereitet werden.

Hinweis: Die einzelnen Schritte erfolgten nicht streng voneinander abgegrenzt, sondern überlagerten sich teilweise oder wurden im Laufe des Projekts zum Teil wiederholt.

Hinweise

Effekte

In der Konzeptions- und Vorbereitungsphase des Lehrformats traten früh Abstimmungsbedarfe hinsichtlich der Rollenverteilungen, der einzubringenden Lerninhalte, der Art der Wissensvermittlung sowie der Prüfungsanforderungen zutage. Während der Durchführung des Projektseminars zeigten sich deutliche (Wechsel-)Wirkungen im Sinne des Constructive Alignments: Die unterschiedlichen Prüfungsleistungen der beiden Studiengänge beeinflussten die Lernaktivitäten und Lernziele der Studierenden erheblich. Inhalte wurden dadurch als ungleich verteilt wahrgenommen, und die Lernziele divergierten deutlich zwischen der Vorbereitung auf eine Klausur und dem Verfassen einer Belegarbeit.

Learnings

Ein zentrales Learning des Projekts ist, dass Studienfächer jeweils eigenen fachlichen und didaktischen Logiken folgen. Diese prägen auf Seiten der Lehrenden die Art der Wissensvermittlung, Aufgabenformulierung und Leistungsanforderungen sowie auf Seiten der Studierenden unterschiedliche Formen des Denkens, des Umgangs mit Herausforderungen und der Lösungsfindung. Die im Projekt beobachteten Effekte im Sinne des Constructive Alignments haben gezeigt, dass diese Unterschiede insbesondere dann wirksam werden, wenn Lernziele, Lernaktivitäten und Prüfungsleistungen zwischen beteiligten Studiengängen nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sind. Ein weiteres Learning besteht darin, dass der transparente Umgang mit fächerspezifischen Unterschieden im Lehrteam entscheidend dafür ist, wie Studierende interdisziplinäre Zusammenarbeit erleben und Schwierigkeiten im gemeinsamen Arbeiten reflektiert einordnen können.

Empfehlung

Auf Grundlage des Feedbacks der Seminarteilnehmer:innen kann Nachnutzenden ein angepasstes Vorgehen empfohlen werden: Die Studierenden wünschten sich einen größeren zeitlichen Umfang als acht Blocktage, um sich als Gruppe besser kennenzulernen, sich intensiver mit den Inhalten auseinanderzusetzen und gemeinsam an einem tragfähigen Wohnkonzept arbeiten zu können. Darüber hinaus wurde angeregt, theoretische Inputs weniger fächerspezifisch zu strukturieren, sondern stärker entlang von Querschnittsthemen wie Barrierearmut, Wohnbedürfnissen oder baulichen Umsetzungsmöglichkeiten zu organisieren. Der größte Änderungswunsch bezog sich auf die Aufgabenstellung beziehungsweise Prüfungsleistung: Diese sollte von Beginn an klar definiert und studiengangsübergreifend einheitlich gestaltet sein, um unterschiedliche Lern- und Arbeitslogiken besser zusammenzuführen.

Tipps

Für die erfolgreiche Adaption der Maßnahme empfiehlt es sich, dass sich die Projektverantwortlichen frühzeitig mit den fachlichen und didaktischen Logiken der beteiligten Disziplinen auseinandersetzen. Für die Abstimmung im Lehrteam hat sich zudem die Nutzung eines digitalen Tools bewährt, das von allen Beteiligten unkompliziert genutzt werden kann. Zur organisatorischen Entlastung ist der Einsatz einer studentischen Hilfskraft sinnvoll, insbesondere für die Vor- und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen sowie begleitenden öffentlichen Formaten. Bei der Arbeit in Gruppen sollte darauf geachtet werden, diese möglichst auf maximal fünf Personen zu begrenzen und die Studierenden aus den beteiligten Studiengängen gleichmäßig zu verteilen, um wahrgenommene Ungleichgewichte zu vermeiden.

Sonstiges

Abschließend möchten wir uns für die Förderung durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre bedanken. Die Unterstützung hat die Entwicklung und Erprobung eines innovativen Lehrformats ermöglicht. Für eine stärkere Nachhaltigkeit vergleichbarer Vorhaben wären Anschlussförderungen hilfreich, um erfolgreiche Formate weiterzuentwickeln und dauerhaft in Studienstrukturen zu verankern.

Methoden

Empfohlen

Methoden
Empfehlenswert sind interdisziplinäre Kleingruppenarbeiten, Simulationen (Aufgabe am konkreten Beispiel) oder Planspiele (Aufgabe am fiktiven Beispiel), reflexive Selbstlerneinheiten, regelmäßige Pitches sowie eine Ergebnispräsentation vor Fachpublikum mit Pitches und mit World Café-Methode.
Formate
Empfehlenswert sind Pilotveranstaltungen, interdisziplinäre Projektseminare, Lehrveranstaltungen unter Einbindung von Praxispartner:innen, Exkursionen sowie Evaluierungen in der Mitte und am Ende des Projektseminars.
Technische Tools
Zu empfehlen sind OPAL zur Studienorganisation, Padlet für die Dokumentation von Arbeitsprozessen und -ergebnissen, Mentimeter für Stimmungsabfragen sowie eine Projektwebseite für Ergebnispräsentationen.

Nicht empfohlen

Methoden
Nicht zu empfehlen sind längere Inputvorträge (über 90 Minuten) sowie eine häufige Neuzusammensetzung von Arbeitsgruppen, da dies den Aufbau von sozialen Beziehungen, einer gemeinsamen Arbeitsweise und Entwicklung von Lösungen erschwert.
Formate
Nicht zu empfehlen sind fachspezifische Blocktage ohne die Bearbeitung von Querschnittsthemen. Selbstlerneinheiten sind nur sinnvoll, wenn Studierende sich außerhalb des Seminars auch in ihren interdisziplinären Gruppen treffen können.
Technische Tools
Weniger ist mehr. Eine große Vielfalt technischer Tools wirkt schnell überfordernd. Überdies ist wichtig, klar zu benennen, welches Tool für welche Aufgaben verwendet wird.

Kontakt

Projekt Kontakt
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