
Learning Inclusion by Video (LIV)
Das Forschungsprojekt „Learning Inclusion by Video (LIV)“ an der RWTH Aachen University untersucht, wie inklusiver Unterricht durch Unterrichtsvideografien erfahrbar gemacht und verbessert werden kann. Durch Videoaufzeichnungen in verschiedenen Schulen der Sekundarstufe I und II sollen wertvolle Erkenntnisse über guten inklusiven (Deutsch-)unterricht gewonnen werden.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Die Maßnahme adressiert die Herausforderung, dass es bislang an ausreichender Forschung und empirischen Daten zur Gestaltung eines guten inklusiven Unterrichts in der Fachdidaktik mangelt. Durch Unterrichtsvideografien im inklusiven Deutschunterricht sollen exemplarische Erkenntnisse gewonnen werden, um Lehrkräfte gezielt in der Umsetzung inklusiver Lehrmethoden zu unterstützen. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der fachdidaktischen Forschung.
Herangehensweise
Die Herausforderung der fehlenden Forschung und Daten im Bereich der inklusiven Fachdidaktik wurde durch die systematische Videografie von Unterrichtssituationen im inklusiven Deutschunterricht angegangen. Durch die Aufzeichnung von Unterrichtsstunden in verschiedenen Schulformen und Jahrgangsstufen der Sekundarstufe I und II konnten praxisnahe Erkenntnisse über gelingende inklusive Lehrstrategien gewonnen werden. Diese Videodaten ermöglichen es Forschenden, inklusiven Unterricht besser zu verstehen und gezielt weiterzuentwickeln. Es wurde weiterhin ein Lernraum erstellt, der Forschenden nach vorheriger Anfrage zugänglich ist. Dieser stellt die Videografien inklusive ausführlicher didaktisierter Stundenverlaufspläne on demand zur Verfügung. Neben den reinen Videografien haben wir Workshops mit Schwerpunkt auf einzelne Videografien erarbeitet, die Forschende auch in der Lehre nutzen können.
Zusammenhang
Die Maßnahme wurde im Forschungsprojekt „Learning Inclusion by Video (LIV)“ an der RWTH Aachen University durchgeführt. Ziel ist die Erforschung und Verbesserung inklusiven Unterrichts. Bisher wurden elf Unterrichtsvideogafien in verschiedenen Schulformen aufgezeichnet. Die Materialien werden der deutschdidaktischen Community bereitgestellt und auf Tagungen präsentiert. Studierende nutzen die Videos in Lehrveranstaltungen, Lehrkräfte der Region profitieren von entwickelten Workshops.
Voraussetzung
Für die Durchführung der Maßnahme war die Akquirierung von Lehrkräften, die an der Videografie ihres inklusiven Unterrichts interessiert sind, eine zentrale Voraussetzung. Die wichtigste Bedingung war der Datenschutz: Es wurden keine personenbezogenen Daten wie Namen oder Alter erhoben, sondern lediglich die Klassenstufe angegeben. Alle Beteiligten wurden anonymisiert (z. B. „Schülerin A“ oder „Lehrer B“), um Rückschlüsse auf Einzelpersonen zu verhindern. Die Daten werden vertraulich behandelt, passwortge-schützt auf dem Server des Lehrstuhls gespeichert und der Zugang wird nur Wissenschaftler:innen mit nachgewiesenem Forschungsinteresse gewährt. Eine Weiterverbreitung oder Speicherung durch Dritte ist ausgeschlossen. Zudem durfte die Maßnahme den Schulbetrieb nicht stören und nur vollständig einwilligende Lerngruppen wurden videografiert.
Eignung
Die Eignung der Maßnahme zur Bewältigung der Herausforderung lässt sich an der erfolgreichen Umsetzung der Videografien und der hohen Akzeptanz durch Lehrkräfte und Schüler:innen erkennen. Ein erster Indikator ist die Bereitschaft mehrerer Lerngruppen, an der Studie teilzunehmen, was auf die Praxistauglichkeit und Anschlussfähigkeit der Maßnahme hinweist. Zudem wird die Maßnahme wissenschaftlich begleitet und ausgewertet, um Erkenntnisse über gelingenden inklusiven Unterricht zu gewinnen. Langfristig wird die Analyse der Videodaten zeigen, inwiefern sie Lehrkräfte dabei unterstützen, ihre inklusive Unterrichtspraxis weiterzuentwickeln. Die kontrollierte Zugangsregelung für Forschende stellt sicher, dass die Daten nachhaltig genutzt und für weitere wissenschaftliche Untersuchungen herangezogen werden können.
Vorgehen/Schritte
Die auf der LIV (Learning Inclusion by Video)-Plattform gesammelten und kommentierten Videografien dienen zum einen Studierenden und Lehrkräften im Raum Aachen, jedoch auch Forschenden an anderen Universitäten dazu, praxisnahes Material zu inklusivem Deutschunterricht zu versammeln und in dessen Konsequenz wissenschaftlich auszuwerten, in der (universitären) Lehre einzusetzen usw.
Hinweise
Effekte
Erwartete Effekte:
Herausforderung bei der Einholung von Einverständniserklärungen: Viele Eltern und Schüler:innen zögerten, ihr Einverständnis für die Videografie zu geben, was dazu führte, dass in einigen Lerngruppen keine Aufzeichnungen durchgeführt werden konnten.
Unerwartete Effekte
Schwierige Akquise von Lehrkräften: Es zeigte sich, dass nur sehr wenige Lehrkräfte bereit waren, ihren Unterricht videografieren zu lassen, was die Umsetzung der Maßnahme stark erschwerte. Daher wurden neben deutschdidaktischen Videografien die Fächer „Darstellendes Spiel“ und Gesellschaftslehre hinzugefügt sowie der geographische Raum um das Bundesland Niedersachsen erweitert, um mehr Material zu generieren.
Kritische Haltung von Schulleitungen: Einige Schulleitungen standen dem Projekt skeptisch gegenüber, insbesondere wegen möglicher Auswirkungen auf den Schulbetrieb und aufgrund von Datenschutzbedenken.
Technische Probleme: Es kam vereinzelt zu Kameraausfällen und technischen Schwierigkeiten.
Learnings
Die Akquise von Lehrkräften gestaltete sich schwierig, da viele aus Datenschutz- oder Bewertungsängsten zögerten. Eine frühzeitige, transparente Kommunikation ist essenziell. Auch die Einbindung der Schullei-tung ist entscheidend, da kritische Haltungen die Umsetzung erschweren können. Die Einholung von Einverständniserklärungen war zeitaufwendig – klare Informationsmaterialien und direkte Ansprache erleichtern den Prozess. Technische Probleme wie Kameraausfälle zeigten, dass Testläufe und Ersatzgeräte notwendig sind. Insgesamt war Flexibilität gefragt, um unerwartete Herausforderungen zu bewältigen und das Projekt erfolgreich umzusetzen.
Empfehlung
Rückblickend haben wir alle uns bekannten möglichen Maßnahmen ergriffen, um die Umsetzung der Videografien so erfolgreich wie möglich zu gestalten. Trotz intensiver Bemühungen bei der Akquise von Lehrkräften, der Einbindung von Schulleitungen und der Einhaltung hoher Datenschutzstandards blieben Herausforderungen bestehen, für die wir derzeit keine alternative Lösung sehen. Stand jetzt können wir daher keine konkreten Handlungsalternativen empfehlen. Das Projekt wurde unter den gegebenen Bedingungen bestmöglich durchgeführt und weitere Optimierungsmöglichkeiten könnten erst in zukünftigen Forschungsvorhaben identifiziert werden.
Tipps
Frühzeitige Kommunikation: Informieren Sie Lehrkräfte und Schulleitungen so früh wie möglich, um ihre Unterstützung zu gewinnen. Transparenz über den Ablauf und Datenschutzaspekte ist entscheidend.
Datenschutz und Einverständniserklärungen: Bereiten Sie klare und verständliche Informationsmaterialien vor, um die Einverständniserklärungen von Schüler:innen und Eltern zu erleichtern. Bieten Sie individuelle Gespräche an, um Unsicherheiten auszuräumen.
Technische Vorbereitung: Stellen Sie sicher, dass die Technik gut funktioniert. Führen Sie Probeläufe durch und haben Sie Ersatzgeräte bereit.
Zielgerichtete Akquise von Lehrkräften: Setzen Sie auf Lehrkräfte, die bereits Interesse an inklusivem Unterricht haben und offen für neue Methoden sind. Dies kann die Bereitschaft zur Teilnahme erhöhen.
Methoden
Empfohlen
Nicht empfohlen
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