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Open Science: Digitaler, systematischer Lehransatz

Obwohl Open Science fachlich zunehmend als Standard gilt, ist es im Psychologiestudium noch nicht systematisch verankert. Eine projektbegleitende Umfrage an drei sächsischen Universitäten zeigte großes studentisches Interesse bei gleichzeitig erheblichem Informationsbedarf. Das entwickelte Lehrkonzept integriert Open Science auf drei Ebenen: curricular durch studentische Vorträge im Modul „Wissenschaftliches Arbeiten“ und Präregistrierungs-Workshops für Abschlussarbeiten, extracurricular durch einen Journal Club und einen studentischen Instagram-Account. Begleitend durch diverse Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen, Workshops und Konferenzen. Die Kernidee besteht in der Verknüpfung von studentischen und dozierenden geleiteten Formaten mit digitaler Wissenschaftskommunikation zu einem studienbegleitenden Gesamtkonzept. Der partizipative Ansatz macht Studierende zu Open Science Multiplikatoren. Das Konzept ist auf andere Fachbereiche übertragbar und zeigt, wie digitale Tools systemati

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Bitte nennen Sie bis zu fünf Stichwörter, die den Inhalt Ihrer Maßnahme aussagekräftig beschreiben.
Open-Science-Kompetenzen
Modulübergreifend
Students-as-Partners
Online-Offline-Mix
Zielgruppe(n)
Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen/LfBA
Studierende
Handlungsfeld & Aktivität(en)
Projektkoordination
Partizipationsformate/Community Building entwickeln
Lehr-/Studienangebote
Lehrkonzepte/-formate entwickeln
Lehr-/Lernmaterialien entwickeln

Beschreibung

Herausforderung

Open Science Prinzipien gelten zunehmend als Standard, sind jedoch im Psychologiestudium noch nicht immer systematisch verankert. Eine Umfrage an drei sächsischen Universitäten zeigte großes studentisches Interesse, aber sehr unterschiedliche individuelle Vorerfahrungen mit Open Science Praktiken. Zudem bleibt die gesellschaftliche Relevanz von Open Science für das spätere Berufsleben oft unklar, obwohl transparente Wissenschaftspraxis auch außerhalb der Forschung zunehmend gefordert wird.

Herangehensweise

Zur systematischen Lösung wurde ein studienbegleitender Lehransatz nach dem "Students-as-Partners"-Ansatz entwickelt, der Open Science durchgängig vom Bachelor bis zum Master integriert. Studierende werden dabei zu aktiven Mitgestaltern und Wissensvermittler:innen. Der Ansatz verbindet curriculare, extracurriculare und begleitende Maßnahmen. Curricular werden Open Science Kompetenzen bereits im ersten Semes-ter durch studentische Vorträge verankert. Diese Peer-to-Peer Vermittlung erweist sich als besonders verständnisfördernd und kommunikativ wertvoll. Ein praxisnaher Präregistrierungs-Workshop für Abschlussarbeiten vertieft die Kompetenzen. Extracurricular verweisen ein Journal Club und studentisch geführter Instagram-Account auf gesellschaftliche Relevanz. Begleitende Maßnahmen wie Vorträge, Workshops und Konferenzauftritte schaffen Sichtbarkeit. Die Kombination verschiedener Formate berücksichtigt unterschiedliche Vorkenntnisse und schafft nachhaltigen Wissens- und Kompetenzaufbau.

Zusammenhang

Die Maßnahme wurde im Rahmen eines Digitalisierungsprojekts der Hochschuldidaktik an der TU Chemnitz entwickelt und erprobt. Ausgangspunkt war eine projektbegleitende Bedarfsanalyse an drei sächsischen Universitäten (TU Chemnitz, Universität Leipzig, TU Dresden). Die Erprobung erfolgte im Psychologiestudium der TU Chemnitz mit Studierenden verschiedener Semester. Dabei wurden sowohl die curricularen als auch extracurricularen Formate über mehrere Semester implementiert und evaluiert.

Voraussetzung

Für die erfolgreiche Durchführung waren mehrere Bedingungen zentral: Kooperationsbereitschaft der beteiligten sächsischen Universitäten für gemeinsame Bedarfsanalyse und Erfahrungsaustausch, engagierte Lehrende und Studierende für die (Weiter-)Entwicklung der Lehr- und Kommunikationsformate, Unterstützung der Lehrenden für die curriculare Integration, technische Infrastruktur für Open Science, sowie motivierte Studierende für partizipative Ansätze. Wichtig waren zudem ausreichend zeitliche Ressourcen für Konzeptentwicklung, Abstimmung mit Beteiligten und kontinuierliche Betreuung der studentischen Formate.

Eignung

Die Eignung der Maßnahme lässt sich an verschiedenen quantitativen und qualitativen Indikatoren erkennen: Quantitativ zeigen sich Erfolge durch kontinuierliche Teilnahmezahlen sowie erfolgreiche Präregistrierungen bei Abschlussarbeiten. Qualitativ zeigen die inhaltliche Qualität studentischer Beiträge, positives Feedback nach Präregistrierungs-Lehrveranstaltungen und die schnelle, eigenständige Umsetzung der Präregistrierung in Abschlussarbeiten (Abnahme Nachfragen, Unklarheiten oder Fehler) den Lernerfolg. Nachhaltigkeit zeigt sich durch Verstetigung der studentischen Vorträge und freiwilliges Engagement über Semester hinweg und aktive Teilnahme an Veranstaltungen wie dem TUC Diversity Day. Besonders aussagekräftig sind interne und externe Interessensbekundungen: Anfragen anderer Bereiche wie der Bibliothek, Interesse anderer Initiativen an den Wegen zur Förderung studentischen Engagements sowie Weiterführung und Wertschätzung als bedeutsam im eigenen Fachbereich.

Schritte

Students as Partners

Als besonders hilfreich hat sich die frühzeitige Einbindung der Studierendenperspektive nach dem „Students as Partners“-Prinzip erwiesen. Bereits in der Planungsphase sollten Gespräche mit Studierenden geführt werden. Dies half uns, deren tatsächliche Bedürfnisse, Interessen und mögliche Hindernisse zu identifizieren und verhinderte Fehlplanungen.

Integration in curriculare Lehrveranstaltungen

Für die curriculare Verankerung empfehlen wir schrittweises Vorgehen: Zunächst sollten die Besonderheiten der eigenen Hochschule identifiziert und strategisch genutzt werden. Wir empfehlen die direkte Kontaktaufnahme zu Modulverantwortlichen. Trauen Sie sich nachzufragen und nehmen Sie rechtzeitig Kontakt auf. Unsere Erfahrung zeigt: Sie werden oft Offenheit erfahren, wenn Sie selbst machbare Möglichkeiten vorschlagen. Identifizieren Sie geeignete Module wie wissenschaftliches Arbeiten, Forschungskolloquia oder experimentalpsychologische Praktika. Erleichtern Sie die Integration durch strukturierte Vorbereitung der Inhalte und bieten Sie sich als feste Ansprechperson an.

Rekrutierung für extracurriculare Veranstaltungen

Die Rekrutierung für extracurriculare Maßnahmen hat sich als wesentlicher Erfolgsfaktor bewährt. Konkret empfehlen wir: Auffällige, wiederholte Bewerbung über verschiedene Kanäle, wobei sich persönliche Empfehlungen durch Dozierende als besonders wertvoll erwiesen. Das gezielte Ansprechen von Studierenden mit Interesse an wissenschaftlichen Themen brachte sehr gute Ergebnisse. Die transparente Kommunikation des persönlichen Nutzens erhöhte die Teilnahmebereitschaft.

Digitale Komponenten

Generell empfiehlt es sich, vorhandene Infrastrukturen (z.B. Open Science Framework, Lernplattform) zu nutzen und niedrigschwellige Lösungen (z.B. AsPredicted Template als einfache Form der Präregistrierung) zu bevorzugen. Dies reduziert technische Hürden und Widerstände. Besonders bewährt haben sich Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Demonstrationen. Wir empfehlen zudem, sich eigener Stärken bewusst zu werden und diese strategisch einzubinden. In unserem Fall konnten wir das bereits etablierte Ethiktool als Aspekt Guter Wissenschaftlicher Praxis nutzen.

Hinweise

Effekte

Erwartet: Verbesserte OS-Kompetenzen und erhöhte Motivation für wissenschaftliches Arbeiten traten wie geplant ein. Als besonders wertvoll erwies sich die frühzeitige Implementierung der Vorträge im Modul wissenschaftliches Arbeiten, obwohl im Team kontrovers diskutiert wurde, ob Erstsemester ohne Hintergrundwissen diese Konzepte verstehen können. Rückblickend bestätigte sich: Die zeitige Einführung macht OS von Beginn an zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Studiums, weshalb wir eine frühzeitige Verankerung empfehlen.

Unerwartet: Die erhöhte Sichtbarkeit durch den Instagram-Account strahlte positiv auf die Wahrnehmung von OS aus und führte zu wertvollem Austausch mit anderen OS-Initiativen. Die Studierenden entwickelten sich zu authentischen und glaubwürdigen OS-Botschafter:innen, deren Beiträge eine besondere Überzeugungskraft haben. Innovativen OS-Themen und aktivierende didaktische Methoden führten zudem zu besonderem Interesse auch anderer Fachbereiche.

Learnings

1. Die Vielfalt der Integrationsmöglichkeiten ist größer als erwartet und ermöglicht eine flexible Anpassung an die eigenen Studiengangstrukturen

2. Der „Students as Partners“-Ansatz ermöglicht eine authentischere und glaubwürdigere Vermittlung als eine reine Dozierenden-Perspektive.

3. Digitale und analoge Formate verstärken sich gegenseitig, statt sich zu ersetzen.

4. Ein schrittweises Vorgehen ist zielführender als langfristige Planungen, da der Hochschulkontext dynamisch ist.

5. Die Rekrutierung für extracurriculare Formate fordert kontinuierliche, kreative Strategien.

6. Eigene Stärken (wie das Ethiktool) können strategisch genutzt werden.

Empfehlung

Rückblickend bestätigt sich unser Vorgehen der Entwicklung curricularer und extracurricularer Veranstaltungen auf Basis der Bedarfsanalyse.

Tipps

Vorbereitung

• Expert:innen identifizieren (interne und externe Fachleute)

• Bestehende Methoden-Module nutzen (Anknüpfungspunkte im Curriculum finden)

• Externes Know-how nutzen (Bibliothek, Rechenzentrum, andere Hochschulen)

Implementierung

• Sharing von Erfahrungen und Accounts (Ressourcen gemeinsam nutzen)

• Bestehende Veranstaltungsformate nutzen (Kolloquien, Hochschultage)

• Maßnahme in Orientierungswochen für neue Studierende integrieren

• Bei Abschlussarbeiten-Betreuung standardmäßig OS (z.B. Präregistrierung) vorschlagen

Motivation

• Teilnahmebescheinigungen vergeben (Anerkennung für Engagement)

• OS-Beratung anbieten

Methoden

Empfohlen

Methoden
Wissenschaftskommunikation, Studentische Vorträge, Vorträge zu innovativen Themen, innovative Methoden (z.B. LEGO® Serious® Play, Silent Gallery), Demonstrationen, Gemeinsame Erarbeitung von Good-Practice-Beispielen
Formate
Curriculare Formate: Vorträge in Lehrveranstaltungen, Begleitung von Abschlussarbeiten; Extracurriculare Formate: Formate, die größeren Kontext wie gesellschaftliche oder persönliche Relevanz für Studierende aufzeigen, z. B.: Journal Club, Instagram-Account, Workshops, Podiumsdiskussion
Technische Tools
Tools mit hoher Zugänglichkeit und niedrigen Einstiegshürden, z.B. Instagram-Account, Open Science Framework (OSF), Lernplattformen

Nicht Empfohlen

Methoden
Keine Methoden wählen, nur weil sie modern sind. Die Passung von Ziel, Aktivität und Prüfung ist entscheidend. Extracurricular ist mehr Flexibilität möglich, Formate sollten aber aufgrund der Freiwilligkeit niedrigschwellig und unaufwändig bleiben. Keine Methoden mit hohem Vorvorbereitungsaufwand.
Formate
Rein auf OS-Methoden fokussierte Formate haben sich in extracurricularen Veranstaltungen nicht bewährt.

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