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Hochschulweite Gestaltung des Leitbilds Lehre

An der HTWG Konstanz wurde in einem partizipativen Prozess ein hochschulweites Leitbild für Lehre entwickelt, in den Studierende, Lehrende, Verwaltung und Hochschulleitung eingebunden waren. Das Ziel bestand darin, ein gemeinsames Verständnis von guter Lehre zu formulieren und dieses in einem Leitbild festzuhalten. Zu diesem Zweck wurden eine Reihe von Workshops, Diskussionsrunden und Feedbackschleifen organisiert, um unterschiedliche Perspektiven einzubringen. Durch die zeitliche Verteilung der Workshops auf verschiedene Wochentage und Semesterzeiten konnten die unterschiedlichen terminlichen Rahmenbedingungen der Teilnehmenden berücksichtigt werden. Die Einladung zu den Workshops erfolgte nicht entlang von Organisationseinheiten, Fakultäten oder Statusgruppen der Hochschule, sondern es wurde bewusst auf eine Durchmischung geachtet, sodass in jedem Workshop verschiedene Fakultäten und alle Statusgruppen (Lehrende, Mitarbeitende, Studierende) vertreten waren.

Kategorien

Bitte nennen Sie bis zu fünf Stichwörter, die den Inhalt Ihrer Maßnahme aussagekräftig beschreiben.
1. Leitbildentwicklung
2. Partizipativer Prozess
3. Dialogorientierung
4. Transparenz
5. Qualitätsentwicklung
Zielgruppe(n)
Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen/LfBA
Tutor:innen/stud. Mentor:innen
Professor:innen
Lehrbeauftragte
Hochschul-, Fachbereichs-/Fakultätsleitung
Studierende
Handlungsfeld & Aktivität(en)
Strukturelle Rahmenbedingungen
Qualitätsmanagement entwickeln
Profil/Strategien/Leitlinien entwickeln
Projektkoordination
Partizipationsformate/Community Building entwickeln
Kommunikationsprozesse & Öffentlichkeitsarbeit entwickeln
Supportangebote
Angebote für Austausch und Kollaboration entwickeln

Beschreibung

Herausforderung

Es ist besonders anspruchsvoll, Studierende in den Prozess der Leitbildentwicklung einzubeziehen. Ihre Mitwirkung ist unerlässlich, um eine umfassende Beteiligung sicherzustellen und unterschiedliche Perspektiven zu integrieren. Dabei sind zwei zentrale Herausforderungen vorhanden: Die Aktivierung der Studenten für ein langfristig wirkendes hochschulisches Thema und die Gestaltung von Workshops, die sowohl Offenheit als auch Schutz bieten, um gleichberechtigte Diskussionen zu ermöglichen.

Herangehensweise

Um diese Hürde erfolgreich zu meistern und die Studierenden aktiv einzubeziehen, bedarf es gezielter Maßnahmen, wie einer direkten Ansprache im Vorfeld sowie einem proaktiven Vorgehen im Umgang mit vorhandener Skepsis. Dabei ist es besonders wichtig, die Vielfalt der Studierendenschaft zu berücksichtigen, um sicherzustellen, dass verschiedene Perspektiven und Bedürfnisse angemessen repräsentiert werden. Die Schaffung eines ausgewogenen Rahmens, die konsequente Integration der Studierenden sowie die Sicherstellung ihrer Mitsprache erfordern ein hohes Maß an Sensibilität seitens der Moderatoren und untermauern die Vorteile einer externen Besetzung.

Zusammenhang

Der Prozess wurde hochschulweit gestaltet. An den Workshops nahmen sowohl Mitglieder der Hochschulleitung als auch Lehrende, Studierende und Hochschulmitarbeitende teil. Die Workshops waren so konzipiert, dass sich die Teilnehmenden mit ihrem gesamten persönlichen Erfahrungshintergrund einbringen konnten.

Voraussetzung

• Unterstützung durch die Hochschulleitung: Die Hochschulleitung sollte den Prozess sichtbar fördern, ohne ihn zu dominieren, und den partizipativen Ansatz ausdrücklich befürworten.

• Bereitschaft zur Partizipation: Lehrende, Studierende und Verwaltung mussten bereit sein, sich aktiv einzubringen und ihre Perspektiven zu teilen.

• Transparente Kommunikation: Alle Schritte, Ziele und Ergebnisse mussten offen kommuniziert werden, damit Vertrauen entsteht und Beteiligung sinnvoll wird.

• Ressourcen und Zeit: Für Workshops, Diskussionsrunden und Feedbackprozesse sind organisatorische und zeitliche Ressourcen (Moderation, Räume, Materialien) erforderlich, die von Anfang an gut eingeplant werden sollten.

• Methodische Kompetenz: Es brauchte erfahrene Moderator*innen und didaktische Expertise, um die Vielfalt der Stimmen zu bündeln und konstruktiv zu Ergebnissen zu führen.

Eignung

Nachnutzende erkennen die Eignung der Maßnahme daran, dass das Leitbild breite Akzeptanz findet und von Studierenden, Lehrenden sowie der Verwaltung gleichermaßen genutzt wird. Es ist nicht nur ein formales Dokument, sondern institutionell in zentrale Prozesse wie Qualitätsmanagement und Lehrentwicklung integriert. Seine Wirkung zeigt sich sichtbar: Lehrende und Studierende beziehen sich aktiv darauf in Veranstaltungen, Projekten und Evaluationen. Zudem ist der gesamte Entstehungsprozess transparent dokumentiert – durch Protokolle, Berichte und Publikationen –, sodass nachvollziehbar wird, wie Beteiligung organisiert und umgesetzt wurde.

Schritte

• Klare Zieldefinition: Vor Beginn sollte festgelegt werden, welche Funktion das Leitbild erfüllen soll (Orientierung, Qualitätsentwicklung, Identifikation).

• Stakeholder-Analyse: Frühzeitig klären, wer beteiligt werden muss (Studierende, Lehrende, Verwaltung, Leitung) und wie ihre Perspektiven eingebracht werden können.

• Partizipative Formate wählen: Workshops, Fokusgruppen, Online-Umfragen eignen sich, um breite Beteiligung zu ermöglichen.

• Transparente Prozessgestaltung: Alle Schritte sollten offen kommuniziert und dokumentiert werden, damit Vertrauen entsteht und Nachvollziehbarkeit gewährleistet ist.

• Moderation und methodische Begleitung: Externe Moderator*innen können helfen, Diskussionen zu strukturieren und Ergebnisse konstruktiv zusammenzuführen.

• Pilotphase und Feedbackschleifen: Entwürfe sollten zunächst getestet und überarbeitet werden, bevor das Leitbild offiziell verabschiedet wird. Die Zwischenergebnisse sollten regelmäßig zurückgespiegelt und gemeinsam diskutiert werden. Das Vorgehen sollte angepasst werden, wenn neue Dynamiken entstehen.

• Langfristige Pflege: Regelmäßige Überprüfung und Weiterentwicklung sichern die Aktualität und verhindern, dass das Leitbild ein „statisches Dokument“ bleibt. Das Leitbild sollte nicht als „fertig“ betrachtet werden, sondern als lebendiges Dokument.

• Institutionelle Verankerung: Das fertige Leitbild muss in bestehende Strukturen (z. B. Qualitätsmanagement, Lehrentwicklung, Gremienarbeit, Personalentwicklung) eingebunden werden, um Wirkung zu entfalten.

• Sichtbarkeit: Leitbild in der Kommunikation (Website, Veranstaltungen, Lehre) präsent halten.

Hinweise

Effekte

Erwartete Effekte

• Akzeptanzsteigerung: Durch die breite Beteiligung wurde das Leitbild von allen Hochschulgruppen stärker angenommen.

• Orientierung: Lehrende und Studierende erhielten eine klare gemeinsame Grundlage für „gute Lehre“.

• Identifikation: Das Leitbild stärkte die Bindung an die Hochschule und förderte ein Wir-Gefühl.

• Qualitätsentwicklung: Das Leitbild wurde als Referenzpunkt für Lehrprojekte und Evaluationen genutzt.

Unerwartete Effekte

• Netzwerkbildung: Durch die Zusammenarbeit entstanden neue Verbindungen zwischen Fachbereichen und Personen, die vorher wenig Kontakt hatten.

• Konflikte als Lernchance: Unerwartet produktiv waren Konflikte, die halfen, blinde Flecken aufzudecken und das Leitbild zu schärfen.

• Veränderung der Selbstwahrnehmung: Viele Beteiligte erlebten die Hochschule als gestaltbare Gemeinschaft.

• Folgewirkungen: Das Leitbild wurde nicht nur für die Lehre genutzt, sondern auch als Impuls für andere Bereiche (Weiterbildung, Personalentwicklung).

Learnings

• Partizipation schafft Akzeptanz, Identifikation und Verbindlichkeit: Wenn alle Gruppen (Studierende, Lehrende, Verwaltung, Leitung) beteiligt sind, wird das Ergebnis breit getragen und nicht als „Top-down-Vorgabe“ wahrgenommen.

• Transparenz ist entscheidend: Offene Kommunikation über Ziele, Prozessschritte und Ergebnisse stärkt Vertrauen und verhindert Widerstände.

• Prozess ist genauso wichtig wie Produkt: Das Leitbild ist nicht nur ein Dokument, sondern Ergebnis eines gemeinsamen Aushandlungsprozesses. Der Weg dorthin fördert Dialog, Reflexion und Kulturwandel innerhalb der Hochschule.

• Kulturwandel als Ziel: Leitbildarbeit kann eine gemeinsame Lehr- und Lernkultur stiften. Das stärkt die Hochschule im Strukturwandel und macht sie zukunftsfähig.

• Vielfalt der Perspektiven nutzen: Unterschiedliche Fachbereiche und Statusgruppen bringen heterogene Sichtweisen ein, die das Leitbild bereichern.

Empfehlung

Rückblickend lässt sich sagen, dass die partizipative Entwicklung des Leitbildes sehr wirksam war. Den Nachnutzenden der Maßnahme könnte man beispielsweise empfehlen, statt sofort ein komplettes Leitbild für die gesamte Hochschule zu erarbeiten, zunächst Teilbereiche (z. B. „Prüfungskultur“ oder „Feedback“) zu fokussieren und diese partizipativ auszugestalten. Vorteile: weniger Komplexität, schnellere Ergebnisse, die später zu einem Gesamtleitbild zusammengeführt werden können. Eine weitere Möglichkeit wäre, zunächst kleine Pilotmaßnahmen (z. B. partizipative Lehrprojekte) durchzuführen. Vorteil: Konkrete Erfahrungen fließen in das spätere Leitbild ein und die Akzeptanz steigt durch sichtbare Praxisbeispiele.

Tipps

Die Adaption gelingt am besten, wenn der Prozess von Anfang an transparent, methodisch vielfältig und ressourcenschonend gestaltet wird und wenn klar ist, wie das Ergebnis institutionell verankert und langfristig gepflegt wird. Im Folgenden finden Sie praxisnahe Tipps, die anderen dabei helfen können, die Maßnahme erfolgreich im eigenen Kontext zu adaptieren:

• Ziele klar definieren

• Partizipation organisieren – frühzeitige Einbindung aller Gruppen

• Vorgehen in kleinen Schritten

• Zeitpuffer einplanen

• Moderation sichern (vorzugsweise durch eine externe Person)

• Transparenz des Prozesses schaffen

• Ergebnisse sichtbar machen

• Institutionelle Verankerung vorbereiten

• Langfristige Pflege sichern

• Digitale Tools nutzen

• Evaluation und Weiterentwicklung gewährleisten

Methoden

Empfohlen

Methoden
• Perspektivwechsel auf verschiedenen Ebenen: In gemischten Teilgruppen ver-schiedene Leitfragen bearbeiten. • „Paradoxen Intervention“: Auseinandersetzung mit der Frage nach guter Lehre - einen konträren Blickwinkel einzunehmen und somit über altbekannte Grenzen und Formulierungen hinauszudenken.
Formate
Partizipative Workshops, Diskussionsrunden, Fokusgruppen unter möglichst breiter Beteiligung der Hochschulmitglieder. Zentral für das Gelingen der Workshops ist deren Moderation durch eine idealerweise neutrale (externe) Person mit entsprechendem fachlichem und methodischem Know-how.
Technische Tools
Es werden digitale Kollaborationstools empfohlen, insbesondere digitale Pinnwände sowie Werkzeuge zur räumlich und zeitlich verteilten Erstellung und Bearbeitung von Texten. Ebenfalls wichtig sind Videokonferenzsysteme für Workshops und Diskussionsrunden mit breiter Beteiligung.

Nicht Empfohlen

Formate
„Top-down“ Formate: Ein geschlossener, nicht partizipativer Prozess ohne Beteiligung der Studierenden und der Verwaltungsmitarbeitenden.
Material
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