
Social (Digital) Learning Environment
Studierenden soll es ermöglicht werden, selbstorganisiert und kollaborativ in verschiedenen Kontexten (z.B. Projekte) digital zusammenzuarbeiten. Durch die fast durchgängige Online-Arbeit während der Corona-Zeit, entstand ein zunehmender Bedarf, diese durch Elemente sozialer Vernetzung zu ergänzen. Daher soll eine geeignete digitale Plattform auch Eigenschaften eines ‚Social network‘ enthalten.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Studierende lernen und arbeiten in vielen Kontexten zusammen. Sie organisieren sich dafür oft selbst, bilden Lern- und Arbeitsgruppen. Während der Corona-Pandemie gewann die digitale Zusammenarbeit an Bedeutung, da persönliche Treffen kaum noch möglich waren. Es entstand ein zunehmender Bedarf, diese digitale Arbeit durch soziale Elemente zu ergänzen. Dazu soll eine digitale Lernumgebung geschaffen werden, die selbstorganisiertes Arbeiten ermöglicht und Elemente eines ‚Social networks' enthält.
Herangehensweise
Als erster Schritt wurden bereits existierende digitale Lernumgebungen mit integrierten ‚Social network‘ Funktionen evaluiert. Als aussichtsreicher Kandidat wurde zunächst die Software thSpaces (virtuelle Kommunikations- und Kollaborationsplattform) der Hochschule Köln getestet, die sich aber für unsere HS wegen zu hohem Betreuungsaufwand als nicht passend herausstellte. Als weiterer Kandidat erwies sich die Open-Source Lösung Humhub (www.humhub.de), die fast alle gewünschten Funktionen enthält. Diese wurde dann im Rechenzentrum der Hochschule (lokal) installiert und für den Testbetrieb vorbereitet. Für das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten wurde zusätzlich die Software OnlyOffice integriert. Die Lösung kann außerdem einfach durch die Integration externer Inhalte erweitert werden und exemplarisch wurde der Mensaplan der Hochschule als Beispiel dafür eingebettet. Die Verlinkung zu den anderen Softwareplattformen der Hochschule wie Moodle oder Miro ist ebenfalls problemlos möglich.
Zusammenhang
Die Software Plattform Humhub wurde als ‚soziale Lernumgebung‘ zweimal im Rahmen der Präsenzveranstaltungen des Studiengangs ‚Nachhaltige Regionalentwicklung‘ eingesetzt. Die Studierenden konnten selbst entscheiden, wie sie die Plattform nutzen, um ihre Arbeit zu organisieren. Sie erstellten selbstständig Projekträume‘, in denen sie dann ihre Projektziele umsetzten. Dabei nutzten die einzelnen Gruppen viele der vorhandenen Funktionen, allerdings kaum die enthaltenen ‚social network‘ Funktionen.
Voraussetzung
Die Einführung einer (digitalen) sozialen Lernumgebung sollte möglichst auf Basis bereits existierender Software erfolgen, eine Neuentwicklung sollte vermieden werden. Weiterhin musste der Betrieb der Plattform vertretbare Kosten haben, insbesondere sollten hohe Lizenzkosten vermieden werden. Die verwendete Lösung sollte idealerweise auch als Open-Source verfügbar sein, um eine nachhaltige Nutzung zu gewährleisten.
Weiterhin mussten bestimmte Funktionen von der Software unterstützt werden. Dazu gehörten Funktionen für das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten, Funktionen für die Kommunikation, Funktionen für den sozialen Austausch, sowie die Möglichkeit der Integration der Software in die Plattformen der Hochschule (z.B. Moodle). Eine intelligente Suche für das Finden von Projekten oder Personen mit ähnlichen Zielstellungen war ebenfalls sehr wichtig.
Eine einfach zu bedienende und moderne Bedienoberfläche sollte den Zugang und die Akzeptanz der Studierenden zu der Plattform fördern.
Eignung
Bei der Evaluation der eingesetzten Softwareplattform Humhub hat sich herausgestellt, dass der hauptsächlich aus der Corona-Zeit stammende Bedarf der Integration sozialer Funktionen in eine digitale Lernumgebung nicht mehr in dem Maße gegeben ist. Dabei spielen zwei Faktoren eine wichtige Rolle. Erstens treffen sich Studierende zum gemeinsamen Lernen und Arbeiten wieder persönlich, die digitale Zusammenarbeit tritt in den Hintergrund. Zweitens sind Studierende stark in ihre persönlichen sozialen Kommunikations-Netzwerke (Signal, Telegram, etc.) eingebunden. Die Nutzung eines weiteren ‚Social network‘ nur für diesen Zweck erscheint nicht sinnvoll – vielmehr möchten die Studierenden ihre existierenden Netzwerke nutzen.
Schritte
1. Während der Planung neuer Softwareplattformen hilft eine systematische Bedarfsanalyse aus Nutzersicht (Studierende), den realen Bedarf für die Einführung neuer Software besser einzuschätzen.
2. Ein frühzeitiger Abgleich mit der IT-Strategie der Hochschule und mit den internen Verantwortlichen hilft, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen.
3. Es sollte vorab intern geklärt werden, ob die langfristige Finanzierung, der Betrieb und der Support einer weiteren Plattform sichergestellt werden kann.
4. Wichtig ist ein frühzeitiger Austausch mit anderen Hochschulen, eventuell gibt es Potential für die gemeinsame Nutzung von bereits existierenden Plattformen (siehe z.B. NRW Cloud) oder die gemeinsame Bearbeitung der Fragestellung.
5. Frühe Akzeptanz-Tests mit den Nutzern (Studierende) helfen, aufwendige Entwicklungen am Bedarf vorbei zu vermeiden.
Hinweise
Effekte
Ein interessanter Effekt ergab sich aus dem Testbetrieb der sozialen Lernumgebung basierend auf der Softwareplattform Humhub. Es stellt sich eine gewisse Übersättigung der Nutzung sozialer Medien heraus. Die zusätzliche Nutzung weiterer Kommunikationskanäle neben den etablierten privaten Kanälen für nur einen Zweck (z.B. Nutzung im Lehrbetrieb) wird eher als Belastung und überflüssig wahrgenommen. Die Studierenden wünschen sich EINEN Kommunikationskanal mit der Hochschule bzw. den Lehrenden. Außerdem wird auch die Einführung immer neuer Softwareplattformen kritisch gesehen. Auch hier besteht der starke Wunsch nach EINER Plattform für alles, was aber bei der Vielfältigkeit der heute benötigten Funktionen kaum realisierbar ist.
Learnings
Die Entwicklung und Einführung einer neuen Software-Plattform stellt für eine (kleine) Hochschule aufgrund der begrenzten Ressourcen und internen Abläufe oftmals eine größere Herausforderung dar. Daher ist es besonders wichtig, die praktische Umsetzbarkeit der Idee so früh wie möglich zu evaluieren und die nötigen internen Ansprechpartner (Stakeholder) einzubeziehen. Auf diese Weise lassen sich Doppelentwicklungen wie die zeitgleiche Einführung verschiedener Plattformen mit ähnlichen Funktionen (z.B. Moodle, Netxtcloud, UniNow-App, etc.) frühzeitig erkennen und vermeiden.
Die Entwicklung selbst sollte vor allem bedarfsorientiert (Bedürfnisse der Studierenden kennen) erfolgen. Dabei ist die schnell fortschreitende technische Entwicklung (z.B. Künstliche Intelligenz) und die damit einhergehenden nötigen Anpassungen der Entwicklung zu berücksichtigen. Dies erfordert eine gewisse Flexibilität, die durch vor Projektbeginn festgelegte Ziele oftmals nur bedingt gegeben ist.
Empfehlung
Rückblickend wird empfohlen, sehr frühzeitig einige wichtige Rahmenbedingungen für den Erfolg einer Plattform-Entwicklung und -Einführung zu evaluieren. So hilft ein Abgleich der geplanten Entwicklung mit der existierenden IT-Landschaft der Hochschule sowie der internen IT-Strategie potenziellen internen Abstimmungsbedarf zu identifizieren.
Weiterhin wird empfohlen auch nach Antragstellung ggf. Arbeitspakete anzupassen, da sich sowohl die Entwicklungen in der IT (Sicherheit, KI) in stetiger Veränderung befinden als auch die Bedürfnisse der Nutzer sich ändern können.
So stammten beispielsweise die Bedürfnisse der Studierenden für mehr digital gestützte soziale Interaktion hauptsächlich aus der Zeit der Corona-Pandemie. Nach dem Ende der Pandemie veränderten sich diese und stellten somit eine der wesentlichen Rahmenbedingungen des Arbeitspaketes in Frage. Durch eine frühzeitige Erkennung und Reaktion hätte man also viel Zeit für die später nötigen Anpassungen der Ziele sparen können.
Tipps
Es lohnt sich, frühzeitig in die Evaluierung bereits existierender Lösungen zum bestehenden Problem zu investieren. Letztlich haben fast alle Hochschulen die gleichen Probleme zu lösen, der Unterschied besteht hauptsächlich im fachlichen Wissen und in den zur Verfügung stehenden Ressourcen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass andere Hochschulen dieses Problem auch schon evaluiert haben. Daher ist ein Austausch mit anderen Hochschulen dazu sehr sinnvoll. In unserem Fall stellte sich heraus, dass nur 3 Hochschulen in Deutschland Humhub aktiv einsetzen und bei allen ein langfristiger Erfolg der Plattform zumindest unsicher ist.
Sonstiges
Besonders kleine Hochschulen stehen in Zeiten immer schnellerer technologischer Fortschritte vor der Herausforderung, die Vielzahl der geforderten technischen Lösungen bereitzustellen. Eigenentwicklungen sind daher mit großer Vorsicht zu genießen und existierende Lösungen der Hochschule oder aus einem landesweiten Verbund sind in jeden Fall zu bevorzugen.
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