
Communities of Practice für Lehrinnovation
Mit dem Aufbau von Communities of Practice wurde ein strukturiertes Format zur Stärkung innovativer Lehre eingeführt. Durch einen offenen Call konnten Lehrende eigene Themen einbringen und gemein-schaftlich bearbeiten. Begleitet durch fachliche Beratung, organisatorische Unterstützung und finanzielle Mittel entwickeln sich daraus selbstorganisierte kollegiale Lern- und Arbeitsgemeinschaften.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Austausch und Kollaboration sind grundlegend für Lehrinnovation. Damit neue Themen in die Lehre ein-ziehen, braucht es engagierte Lehrende sowie Experimentier- und Austauschräume. Sind bürokratische Hürden hoch und haben die Lehrenden keine Ressourcen, hemmt dies Weiterentwicklung von Lehre. Inno-vative Communities basieren auf der Motivation der Teilnehmenden. Die Herausforderung ist, Lehrenden zu niedrigschwellig zu unterstützen, sodass sich selbst Experimentierräume schaffen können.
Herangehensweise
Wir haben einen offenen, monatlich stattfindenden Online-Stammtisch ins Leben gerufen, bei dem Lehren-de der HTW Berlin unkompliziert und regelmäßig zum Thema KI in der Lehre in Austausch treten können. Die Agenda wird partizipativ gestaltet, sodass Teilnehmende ihre Fragen, Erfahrungen und Praxisbeispiele aktiv einbringen. Ergänzend bieten wir Impulsvorträge zu aktuellen Themen und Forschungsergebnissen an, um anregende Diskussionen zu fördern. Für die Dokumentation und Zusammenarbeit nutzen wir ein interaktives Whiteboard, das allen Teilnehmenden ermöglicht, Inhalte sichtbar zu machen und gemeinsam zu bearbeiten. Der Stammtisch stärkt die Vernetzung, den kollegialen Austausch und das gemeinsame Lernen in diesem sich schnell entwickelnden Technologiefeld.
Zusammenhang
Drei Communities bildeten sich an der HTW Berlin zu den Themen Nachhaltiges Bauen, Weltraumtouris-mus und Immersive Technologien und wurden gefördert. Sie waren zum Zeitpunkt des Calls for Participati-on unterschiedlich weit fortgeschritten und wurden verschiedentlich unterstützt über einen Zeitraum von einem Jahr.
Voraussetzung
Damit sich Communities of Practice bilden können, braucht es Lehrende, die genügend zeitlichen Freiraum haben, um neue Themen weiterzuentwickeln. Wenn fachbereichsübergreifend gearbeitet werden soll, müs-sen Fachbereiche Kompromissbereitschaft mitbringen, denn zuweilen gibt es widersprüchliche Anforde-rungen. Weil die Zeitaufwände groß sein können, sollte berücksichtigt werden, dass Lehrende sich Arbeits-zeit für Ihre Aktivität in einer Community of Practice anrechnen lassen können. Es braucht auch finanzielle Mittel in kleinerem Maße, um die Selbstorganisation zu ermöglichen, denn auch für diese müssen Beschaf-fungen getätigt werden. Wenn eine zentrale Stelle die Communities betreut, können Ergebnisse und Learn-ings hochschulweit verwertet werden.
Eignung
Community-Aktivitäten sollten dokumentiert werden. Die Teilnehmendenzahlen von Community-Meetings können erhoben werden. Bei fachbereichsübergreifenden Themen bietet es sich an, das Netzwerk der Community zu visualisieren, um festzuhalten, welche Organisationseinheiten erreicht werden. Wie sich Communities etablieren, lässt sich durch Interviews mit den Beteiligten qualitativ erfassen. Ob sich neue Themen langfristig in die Lehre integrieren, ob sich Themen in Lehrveranstaltungen wiederfinden, ob sie Eingang in die Weiterentwicklung von Curricula finden, lässt sich jedoch nur im Zeitverlauf beurteilen.
Schritte
Zur erfolgreichen Etablierung von Communities of Practice (CoP) zur Förderung innovativer Lehre empfeh-len wir ein phasenorientiertes Vorgehen nach dem in der Maßnahme angewendeten Modell:
Phase 1 – Initiierung und Orientierung:
Erheben Sie zu Beginn in qualitativen Interviews Bedarfe der Lehrenden zum Thema Community Building und Austausch, um zu erfahren, wie Ihre Zielgruppe über Community-Formate denkt. Danach können Sie einen hochschulweiten Call for Participation veröffentlichen. Dieser sollte offen formuliert sein, um mög-lichst viele Lehrende und weitere Akteur*innen zur Teilnahme zu motivieren. Ziel ist es, Interessierte zur Mitwirkung an selbstorganisierten Communities mit eigenen Themenvorschlägen einzuladen. Die Einrei-chungen führen aus, was das Themenfeld ist, wer in der Community kooperieren wird und wie sich der Zeitplan gestaltet. Gleichzeitig wird transparent kommuniziert, wie die Hochschule diese Communities un-terstützen wird (z. B. Budget für Studentische Hilfskräfte, externe Expert*innen, Räume, Prozessbegleitung).
Phase 2 – Wachstum
Im Anschluss an den Call beginnen die Communities zu wirken. Wenn eine ganz neue Idee umgesetzt wer-den soll, kann der erste Schritt darin bestehen, weitere Community-Mitglieder zu gewinnen. Existiert schon eine Gemeinschaft, kann eine Auftaktveranstaltungen organisiert werden, in der sich Community-Mitglieder besser kennenlernen und die Grundlagen für Zusammenarbeit legen: Themenfokus, Ziele, Rollenverteilung, Kommunikationswege, erste gemeinsame Termine.
Phase 3 – Kooperation und Konsolidierung:
Die Communities treffen sich regelmäßig, um gemeinsam Inhalte weiterzuentwickeln, Erfahrungen auszu-tauschen und ggf. konkrete Produkte oder Empfehlungen zu erstellen. Wichtig ist die Unterstützung durch eine Koordinationsstelle (für z. B. Organisation, Prozessberatung, Finanzierung von Expert*innen, Veran-staltungsorganisation). Dokumentation und Sichtbarmachung der Zwischenergebnisse tragen zur Motivati-on und Relevanz bei.
Phase 4 – Verstetigung und Transfer:
Nach mehreren Monaten wird evaluiert, wie die Community weitergeführt werden kann. Die Koordinations-stelle führt dazu Beratungsgespräche mit den Community-Verantwortlichen: Gibt es Anschlussformate? Lässt sich die Arbeit in die Hochschule integrieren (z. B. als Arbeitsgruppe, Ringveranstaltung, hochschul-didaktisches Angebot)? Können Ergebnisse oder Formate transferiert werden? Die CoPs sollten institutio-nell sichtbar gemacht und in strategische Entwicklungsprozesse eingebunden werden, z. B. durch gezielte Hochschulkommunikation.
Zentral für alle Phasen ist das Prinzip der Freiwilligkeit, Selbstorganisation und kollegialen Zusammenar-beit. Hochschulen sollten darauf achten, keine zu starke Steuerung auszuüben, sondern Räume und Rah-menbedingungen für autonome, vertrauensbasierte Prozesse zu schaffen. Die Koordinationsstelle über-nimmt die Funktion, etwaige Herausforderungen für Community-Formate zu sammeln und an geeignete Stelle weiterzuleit
Hinweise
Effekte
Lehrende schätzen den geschützten Raum für offenen Austausch. Auch nicht-lehrende Ak-teur*innen (z. B. Verwaltung, IT) beteiligten sich rege.
Die verschiedenen Communities nutzten verschiedene Tools für ihre Kommunikation. Eine zentrale Plattform war nicht erwünscht.
Learnings
Ein zentraler Lernaspekt war, wie wichtig Klarheit über Rollen und Erwartungen ist – besonders in der An-fangsphase. Communities brauchen Zeit, Vertrauen und ein gemeinsames Zielverständnis. Ohne kontinu-ierliche Prozessbegleitung und institutionelle Rückendeckung ist eine Verstetigung erschwert. Zudem zeigte sich, dass ein wohlwollender, offener Umgang mit Unsicherheit und ergebnisoffenem Arbeiten förderlich für Innovation ist. Es braucht Bottom-up-Engagement und unterstützende Infrastruktur für den Erfolg.
Empfehlung
Nein – das gewählte Modell hat sich bewährt. Entscheidend ist, es flexibel an die jeweilige Hochschulkultur anzupassen. Wo der direkte Call nicht funktioniert, kann z. B. über gezielte Einzelansprache oder bereits bestehende Arbeitskreise eine Initiierung erfolgen. Wichtig ist ein sensibler Umgang mit den lokalen Struk-turen und vorhandenen Ressourcen.
Tipps
Klare Kommunikation über Ziele und Beteiligungsmöglichkeiten im Call.
Auftaktveranstaltung moderiert und offen gestalten.
Regelmäßige Check-ins organisieren (z. B. alle 4–6 Wochen).
Koordination mit Ressourcen (Zeit, Technik, Räume) ausstatten.
Ergebnisse sichtbar machen – z. B. über Webplattformen oder interne Events.
Methoden
Empfohlen
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