
Planungs- und Entscheidungshilfe für E-Portfolios
Mit der Maßnahme wird eine Hilfestellung für die vielfältigen Entscheidungen gegeben, die mit der Implementierung von E Portfoliosystemen in Lehrveranstaltungen an Hochschulen verknüpft sind. Damit soll der in der Frühphase einer Implementierung gegebene höhere Workload durch eine effiziente didaktische und technologische Unterstützung für die Lehrenden transparent, planbar und bewältigbar strukturiert werden. Mit Hilfe einer didaktisch wie technisch angelegten Strukturmatrix werden Lehrende zur systematischen Planung ihrer Lehrveranstaltung angeregt und Handlungsempfehlungen gegeben, womit die Maßnahme effektiv, asynchron und veranstaltungsunabhängig zu einer Erhöhung der Akzeptanz der Implementierung von E Portfolio beiträgt.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Lehrende sind beim Einstieg in die E-Portfolioarbeit oft mit erhöhtem Workload konfrontiert. Dieser generiert sich aus der Einarbeitung in eine neue Software bzw. durch die Neukonzeption von Veranstaltungen. Beides sind Voraussetzungen für einen gelingenden Einsatz von E-Portfolios, bergen aber auch Frustrationspotenzial. Daher wurde die Entwicklung eines effektiven, selbsterklärenden Schaubilds zur Unterstützung der Lehrveranstaltungsplanung für Dozierende anvisiert.
Herangehensweise
Die Planungs- und Entscheidungshilfe ist in Gestalt eines Flowcharts angelegt, das Dozierende Schritt für Schritt durch den Planungsprozess einer Lehrveranstaltung mit E Portfolios führt. Lehrende werden fragebasiert durch die Lehrveranstaltungsplanung geleitet, erhalten Planungs- und Handlungsanregungen, Anschlussfragen und technische Hinweise. Strukturell liegt dem Schaubild das Konzept des Constructive Alignments zugrunde, sodass bei Verwendung der Planungs- und Entscheidungshilfe Lernziele bzw. Kompetenzformulierungen, Prüfungsform und Methoden aufeinander abgestimmt werden. Technisches wie didaktisches Wissen wird durch den Gebrauch systematisch miteinander verzahnt. Lehrende erhalten Vorschläge zur kreativen Gestaltung von E Portfolios. Sie werden von der Ausgangsfrage, ob ein E-Portfolio für ihre Veranstaltung sinnvoll sein könnte über die Frage nach sinnvollen Bewertungskriterien bis zur Archivierung der Prüfungsleistung der Studierenden reflektiert begleitet.
Zusammenhang
Die Planungs- und Entscheidungshilfe wurde systematisch Expertinnen und Experten der Hochschullehre mit und ohne E Portfolioerfahrung vorgelegt. Das Feedback wurde integriert und das Flowchart entsprechend weiterentwickelt. Anschließend wurde das Schaubild national und international in Fachgruppen und der E-Portfolio-Community kommunikativ positiv validiert.
Voraussetzung
Für die Erarbeitung der Planungs- und Entscheidungshilfe zum Einsatz von E-Portfolios in der Lehre grundlegend waren zunächst bereits vorliegende Schaubilder und Handreichungen, die Dozierenden den Einstieg in die E Portfolioarbeit jeweils mit didaktischen und oder technischen Schwerpunkten erleichtern sollten. Diese waren Ausgangspunkt für die Überlegungen (Brehmer & Becker, 2017; Bruder, Scholz & Menhard, 2012; Hörmann & Feiter, 2023; Universität Zürich, 2006), sämtliche Lehrveranstaltungsplanungsschritte, den Aspekt des Constructive Alignments und den Umgang mit der E Portfoliosoftware in einem Schaubild zu integrieren. Für die Erarbeitung des Schaubilds war die interdisziplinäre Zusammensetzung des Teams aus einer Hochschuldidaktikerin, einer Mediendidaktikerin, einer IT-Spezialistin, eines Informatikers sowie Erziehungswissenschaftlerinnen essenziell. Die kokonstruktive, regelmäßige und iterative Arbeit ermöglichte eine Integration der diversen Perspektiven.
Eignung
Dozierende sollten eine geglückte Einführung von E Portfolios mit Hilfe des von uns entwickelten Flowcharts daran erkennen können, dass die Studierenden gerne mit E-Portfolios arbeiten und die studentischen Produkte eine größere Vielfalt, Dynamik und Tiefe zeigen als dies mit herkömmlichen schriftlichen Portfolios der Fall ist. Zudem sollte sich darin dann auch eine erfolgreiche Verknüpfung mit den Produkten aus anderen digitalen Medien zeigen (z. B. die Einbettung von Videos, Podcasts etc.) bzw. insgesamt ein Beitrag zur digitalen Literalität im jeweiligen Fachgebiet zeigen. Damit sollte sich dann auch der Aufwand der Implementierung für die Dozierenden gelohnt haben.
Vorgehen/Schritte
Lehrende sollte zunächst die Möglichkeit erhalten, durch den Einsatz von einführendem Material und/oder einem einführenden Workshop eine Vorstellung von der grundlegenden Idee und dem Konzept eines Portfolios zu entwickeln.
Der technische Teil der Planungs- und Entscheidungshilfe bezieht sich auf den Einsatz der Software Mahara. Das Schaubild kann ebenso in Verbindung mit einer anderen Software sinnvoll genutzt werden. Unter Umständen kann geprüft werden, ob eine Aktualisierung des Schaubildes je nach Gegebenheiten einer Hochschule oder eines Faches notwendig ist; die Lizenzbedingungen lassen entsprechende Anpassungen zu.
Zum Schaubild gehört ein Begleittext, der in die Nutzung einführt, aber auch die grundlegenden Prinzipien erklärt. Dieser sollte Dozierenden immer mitgegeben werden.
Wichtig ist, dass für die Implementierung oder weitere Entwicklung des E Portfolios die sich in der Erarbeitung des Schaubilds bewährt habende Zusammenarbeit eines interdisziplinären Teams (bisher aus Personen der Hochschuldidaktik, der Mediendidaktik, der Informatik und der Erziehungswissenschaften) fortgeführt wird.
Hinweise
Effekte
Erwartete Effekte: Dozierende nutzen das Schaubild gerne. Sie melden uns zurück, dass sie gerne immer wieder darauf zurückgreifen, wenn ein neuer Planungsschritt ansteht.
Unerwartete Effekte: Dozierende äußerten Interesse, das Schaubild selbst als Lehrmaterial einzusetzen. Insbesondere die Vorschläge zur Gestaltung von Portfolios stoßen hierbei auf Interesse. Darüber hinaus wurde internationales Interesse geweckt. Das Schaubild wurde daher auf Englisch übersetzt. Es wurde bereits ein internationales Webinar durchgeführt und eine Bearbeitung der englischsprachigen Version der Planungs- und Entscheidungshilfe wird derzeit an einer englischen Universität vorgenommen.
Learnings
Dozierende unterschätzen oft die Folgen für die Lehrveranstaltungsplanung durch die Umstellung der Prüfungsform auf das E-Portfolio. Die didaktische Komponente wird dabei häufig unterschätzt, während sich Dozierende eher auf die Funktionsweise der Software fokussieren. Die Planungs- und Entscheidungshilfe entlastet Dozierende dahingehend, zur richtigen Zeit die richtigen Fragen zu stellen und sowohl didaktische als auch technische Planungsaspekte in für Lehrende bewältigbaren kleinen Schritten zu präsentieren. Rückmeldungen ergaben, dass die systematische Verknüpfung von technischen und didaktischen Elementen positiv wahrgenommen wurden. Ebenfalls positiv angenommen wurde die schrittweise und übersichtliche Anleitung. Als weiterhin positiv wurde angemerkt, dass das Schaubild auch nach der Planung der Lehrveranstaltung als Orientierungshilfe während des Semesters genutzt und als Inspiration zur Exploration von technischen Möglichkeiten der E Portfoliosoftware verwendet werden kann.
Empfehlung
Nein, allenfalls begleitende Maßnahmen, wie zum Beispiel Workshops zur Vermittlung grundlegenden Wissens zur E-Portfolioarbeit.
Tipps
Ein großer Vorteil der Planungs- und Entscheidungshilfe ist, dass sie selbsterklärend angelegt ist. Es empfiehlt sich jedoch, sich zuvor mit E-Portfolios im Allgemeinen und den technischen Möglichkeiten der E-Portfoliosoftware auseinanderzusetzen. Darüber hinaus ist es möglich, das Schaubild als Visualisierungshilfe im Rahmen von hochschuldidaktischen Schulungen und in Beratungsgesprächen einzusetzen. Die verwendete Creative Commons Lizenz ermöglicht eine Bearbeitung der Planungs- und Entscheidungshilfe gemäß den individuellen Bedürfnissen und Einsatzzwecken.
Sonstiges
Eine Orientierungshilfe zur E-Portfolioarbeit und -gestaltung für Studierende als Schaubild analog zur Planungs- und Entscheidungshilfe könnte hilfreich sein, um das Verständnis und die Akzeptanz von E-Portfolioarbeit zu erhöhen.
Methoden
Empfohlen
Kontakt
Das könnte Sie auch interessieren

E-Portfolios in die Praxis bringen ein Dreiklang aus Theorie, Kommunikation und Anwendung
Lehrende stehen regelmäßig vor der Herausforderung, Prüfungsformen zu finden, die alle vermittelten Kompetenzen abprüfen. Für Hochschulen ist dabei der Qualifikationsrahmen HQR maßgebend. Die Eignung klassischer Formate, wie eine mündliche Prüfung oder Klausur, zur Prüfung der vier Kompetenzdimensionen des HQR wird immer wieder kritisch diskutiert. Inzwischen halten zunehmend digitale Formate Einzug in die Hochschullehre. E-Portfolios beispielsweise haben das Potenzial, verschiedene Kompetenzen umfassender abzubilden als klassische Prüfungsformen. Dennoch sind E-Portfolios an deutschen Hochschulen wenig verbreitet. Die Innovationsidee besteht daher darin, die TOP10 der Hürden für die Nutzung von E-Portfolios durch Studierende, Lehrende und Stakeholder zu identifizieren, diese Hürden durch zielgruppenspezifische Kommunikation und Angebote zu adressieren, in einem Starterkit für kompetenzorientierte Lehre mit E-Portfolios zu verdichten und durch diesen an unseren Hochschulen und darüber hinaus zu einer Verbreitung von E-Portfolios beizutragen. Ziel des Verbundprojektes ist es, mit einem Dreiklang aus Theorie & Dokumentation, Kommunikation und der konkreten Anwendung die Potenziale von E-Portfolios fass- und nutzbarer zu machen.
Projekt anzeigen
wissenschaftliche Tagung „Spotlight on Language Teaching: Digital Feedback in Research and Practice“
Es wurde eine internationale und interdisziplinäre Tagung im hybriden Format zum Thema „digitales Feedback in Forschung und Lehre“ organisiert und vom 29.-30.06.2023 durchgeführt. Die Tagung hat Forschenden, Lehrenden, Studierenden und weiteren Interessierten den aktuellen Wissensstand zur Forschung, Nutzung und Förderung von digitalen Feedbackmethoden in der Hochschullehre aufgezeigt. [Anm. StIL: Diese Maßnahme wurde in einer Vorgängerversion der Abfrage dokumentiert. Bei der Übertragung auf das aktuelle Format kann es vorkommen, dass die Antworten nicht hundertprozentig zur Frage passen.]
Maßnahme anzeigen
Chattest du nur oder lernst du auch? Lernen mit KI fördern.
Generative KI nutzen kann jede:r – aber kann KI wirklich beim Lernen helfen? Zwei Hochschulkurse mit über 2000 Teilnehmenden zeigen: Der Schlüssel liegt nicht in der Technologie, sondern im bewussten Umgang mit ihr. Was passiert, wenn Studierende KI nicht als digitalen Ghostwriter, sondern als Lernpartner entdecken? Dieser Blogbeitrag über eine interinstitutionelle Kooperation zwischen der FernUniversität Hagen und der Hochschule Koblenz liefert spannende Erkenntnisse über effektives Lernen mit KI.
Publikation anzeigen