Maßnahme Bühne
Zum Projekt

Laterale Führung in der Projektkoordination

Projektkoordinator:innen in Hochschulentwicklungsprojekten tragen Mitverantwortung für den Projekterfolg, haben aber meist keine formale Weisungsbefugnis gegenüber den Teilprojekten und Projektmitarbeitenden. Diese Maßnahme dokumentiert Strategien für eine wirksame Koordination ohne Hierarchie. Der Ansatz basiert auf drei Säulen: aktive Legitimation durch die Projektleitung, Aufbau tragfähiger Arbeitsbeziehungen zu allen Beteiligten und das Schaffen von erkennbarem Mehrwert für das Gesamtprojekt. Ziel ist es, dass die Koordination als hilfreiche Instanz wahrge-nommen wird, nicht als zusätzliche Kontrollschicht.

Kategorien

Bitte nennen Sie bis zu fünf Stichwörter, die den Inhalt Ihrer Maßnahme aussagekräftig beschreiben.
Projektkoordination
Laterale Führung
Zusammenarbeit
Rollenklärung
Zielgruppe(n)
Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen/LfBA
Professor:innen
Mitarbeiter:innen aus Service, Verwaltung & Wissenschaftsmanagement
Hochschul-, Fachbereichs-/Fakultätsleitung
Handlungsfeld & Aktivität(en)
Projektkoordination
Projektmanagement entwickeln

Beschreibung

Herausforderung

Projektkoordinator:innen koordinieren Projekte häufig ohne formale Weisungsbefugnis. Sie müssen Termine einfordern, Ergebnisse zusammenführen und manchmal auch unbequeme Rückmeldungen geben - gegenüber Personen, die im Hierarchiegefüge der Hochschule oft über ihnen stehen. Diese Konstellation erzeugt Spannungen und erfordert andere Strategien als klassische Führung.

Herangehensweise

Der Ansatz setzt auf drei Ebenen an. Erstens: Legitimation durch die Projektleitung. Diese muss die Koordinationsrolle aktiv stärken, bei Konflikten Rückendeckung geben und gemeinsam mit der Koordination nach außen auftreten.

Zweitens: Beziehungsarbeit. Laterale Führung funktioniert über Vertrauen, nicht über Hierarchie. Regelmäßiger Kontakt zu allen Beteiligten, Interesse an deren Arbeit und Verständnis für deren Rahmenbedingungen schaffen eine Basis für Zusammenarbeit.

Drittens: Mehrwert demonstrieren. Die Koordination sollte einen erkennbaren Beitrag leis-ten - etwa durch Überblick über das Gesamtprojekt, administrative Entlastung oder das Identifi-zieren von Synergien zwischen Teilprojekten

Zusammenhang

Die Maßnahme wurde aus der Forschung zur Steuerung und Organisation in Hochschulentwicklungsprojekten abgeleitet. Hier wurden 20 Projektkoordinator:innen zu Organisation, Zusammenarbeit und Entscheidungsfindungsprozessen in drittmittelfinanzierten Hochschulentwicklungsprojekten befragt.

Auch eigene Erfahrungen in der Projektkoordination sind miteingeflossen.

Voraussetzung

Zentrale Voraussetzung ist eine Projektleitung, die bereit ist, die Koordinationsrolle aktiv zu legitimieren und zu unterstützen. Ohne diese Rückendeckung ist laterale Führung kaum möglich. Hilf-reich ist außerdem, wenn wechselseitige Erwartungen zwischen Projektleitung und -koordination zu Projektbeginn explizit besprochen werden: Was erwartet die Projektleitung von der Koordinati-on? Was braucht die Koordination von der Projektleitung? Diese Klärung muss nicht schriftlich erfolgen, aber sie sollte stattfinden.

Eignung

Indikator ist eine funktionierende Zusammenarbeit trotz fehlender Weisungsbefugnis: Termine werden eingehalten, Informationen fließen, Konflikte werden konstruktiv gelöst. Die Koordination wird von Teilprojektleitungen als hilfreich und nicht als störend wahrgenommen. Die Projektleitung muss nicht ständig angerufen werden und vermitteln. Die Maßnahme basiert auf Erfahrungen aus mehreren Projektzyklen und wurde nicht systematisch evaluiert.

Vorgehen/Schritte

Schritt 1: Erwartungen früh klären Zu Projektbeginn mit der Projektleitung besprechen, was von der Koordination erwartet wird – und umgekehrt. Typische Fragen: Welche Entscheidungen trifft die Koordination eigenständig? Bei welchen Themen wird Rücksprache erwartet? Wie wird verfahren, wenn jemand Termine nicht einhält oder Zuarbeiten ausbleiben? Diese Klärung muss nicht formalisiert werden, aber sie sollte stattfinden, bevor die erste kritische Situation eintritt.

Schritt 2: Gemeinsam starten Die Projektleitung sollte die Koordination bei der Vorstellung im Pro-jektteam aktiv einführen und deren Rolle klar benennen. Das klingt selbstverständlich, passiert aber oft nicht oder nur beiläufig. Bei wichtigen Terminen – etwa dem Kick-off oder Treffen mit externen Partnern – gemeinsam auftreten. Das signalisiert: Diese Person spricht nicht nur für sich, sondern für das Projekt.

Schritt 3: Arbeitsbeziehungen aufbauen In den ersten Wochen Kontakt zu allen Teilprojektleitungen suchen. Interesse an deren Arbeit zeigen, deren Rahmenbedingungen verstehen, zuhören. Wer später bspw. unbequeme Rückmeldungen geben muss, braucht eine tragfähige Beziehung als Grundlage. Dabei die Hierarchie nicht vergessen – Teilprojektleitungen sind oft Profes-sor:innen, die Koordination oft nicht.

Schritt 4: Erkennbaren Mehrwert schaffen Laterale Führung funktioniert, wenn die Koordination als hilfreich wahrgenommen wird. Dafür braucht es einen erkennbaren Beitrag: Überblick über das Gesamtprojekt behalten und proaktiv teilen, administrative Entlastung anbieten, Synergien zwischen Teilprojekten identifizieren. Wer nur Termine einfordert und Berichte zusammenträgt, wird als Kontrollinstanz wahrgenommen – das erschwert die Zusammenarbeit.

Schritt 5: Prozesse statt Personen Anforderungen als Projekterfordernisse formulieren, nicht als persönliche Bitten. Statt "Ich bräuchte von Ihnen noch..." besser "Der Verwendungsnachweis erfordert bis zum...". Absprachen dokumentieren und nachhalten. Das schafft Verbindlichkeit, ohne dass die Koordina-tion als Person Druck aufbauen muss. Diese Dokumentation sollte allerdings niedrigschwellig bleiben. Projektmanagementtools können schnell zum Zeitgrab werden: Statt der eigentlichen Arbeit ist man mit der Pflege und Dokumentation im Tool beschäftigt. Ein geteiltes Dokument oder eine einfache Aufgabenliste reicht oft aus.

Schritt 6: Unterstützung einfordern, wenn nötig Wenn die Zusammenarbeit mit einzelnen Teilprojek-ten schwierig wird oder die Legitimation bröckelt: frühzeitig das Gespräch mit der Projektleitung suchen. Nicht abwarten, bis die Situation eskaliert. Rückendeckung einfordern ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil der Rollenklärung aus Schritt 1.

Hinweise

Effekte

Erwarteter Effekt: Funktionierende Koordination trotz fehlender Weisungsbefugnis.

Unerwarteter Effekt: Die bewusste Investition in Beziehungsarbeit wurde von manchen Teilprojektleitungen als ungewohnt, aber positiv wahrgenommen. Die Rolle wurde ernster genommen als bei rein admi-nistrativer Koordination. Allerdings erfordert der Ansatz mehr Zeit als eine rein formale Abwicklung.

Learnings

- Ohne aktive Unterstützung durch die Projektleitung ist laterale Führung kaum möglich. Diese Rückendeckung muss zu Beginn gesichert und im Verlauf gepflegt werden.

- Der Beziehungsaufbau zu Teilprojektleitungen ist wichtig, aber im Hierarchiegefälle der Hochschule nicht ohne Risiko. Die Koordination kann in die Rolle rutschen, dass Professor:innen ihr erklären wie sie ihre Arbeit zu tun hat.

- Transparenz über die eigene Rolle und deren Grenzen hilft mehr als der Versuch, Autorität zu simulieren.

Empfehlung

Wenn die Projektleitung nicht bereit oder in der Lage ist, die Koordination aktiv zu unterstützen, kann dies zu einer hohen Frustration im Job der Projektkoordination führen. Eine Koordinationsrolle ohne Rückendeckung ist auf Dauer nicht tragbar. In solchen Fällen wäre zu überlegen, ob die Rolle stärker auf rein administrative Aufgaben begrenzt werden kann oder ob eine andere Projektstruktur sinnvoller wäre.

Tipps

Das Gespräch mit der Projektleitung früh suchen, nicht erst wenn Probleme entstehen. Verbünde-te im Projekt identifizieren. Sich mit anderen Projektkoordinator:innen austauschen - die Herausforderungen sind oft ähnlich. Bei Konflikten nicht persönlich werden; die Spannung liegt in der Struktur, nicht in den Personen.

Sonstiges

Die Maßnahme ist eng verknüpft mit Fragen der Projektkommunikation. Wer laterale Führung praktiziert, muss auch über passende Kommunikationsstrukturen nachdenken. Beides gehört zusammen.

Methoden

Empfohlen

Methoden
Erwartungsklärung zu Projektbeginn, regelmäßiger Austausch mit Projektleitung
Formate
Bilaterale Gespräche, gemeinsame Auftritte von Leitung und Koordination
Technische Tools
Projektabhängig - keine spezifische Empfehlung

Nicht empfohlen

Methoden
Autorität simulieren ohne Rückendeckung
Formate
Rein schriftliche Kommunikation bei Konflikten
Technische Tools
Projektmanagementtools sollten wohl überlegt eingesetzt werden. Sie können schnell zum Zeitgrab werden. Statt der eigentlichen Arbeit, ist man mit der Pflege und Dokumen-tation im Tool beschäftigt.

Kontakt

Bearbeiter:innen und Beteiligte
Keine Kontaktdaten vorhanden

Das könnte Sie auch interessieren

Projekt 101887
Projekt

Sozial-ökologische Transformationen im Agrarsektor: Transdisziplinäre Didaktik und Methoden

Das AGES-Netzwerk verfolgt schwerpunktmäßig folgende drei Didaktikansätze: Interdisziplinäres Projektstudium, Systemverständnis sozial-ökologischer Prozesse, und Transformationsanspruch (Lehre des Realen + Anbahnung des Möglichen). Diese erfordern, insbesondere in Kombination, neue didaktische & methodische Kompetenzen und Innovationen unter den Beteiligten, die exemplarisch in die Universität Kassel und über den Standort hinaus in die Lehre zu komplexen Transformationsprozessen wirken sollen. Bestehende organisatorische Strukturen der Hochschule müssen den inhaltlichen und didaktischen Ansprüchen des Netzwerks und seines Studiengangspilotprojekts entsprechend umgestaltet und angepasst werden. Das Agrartrans^2-Projekt stellt hierfür die notwendigen Anreize und Ressourcen bereit. Es bildet Lehrende didaktisch fort und schafft für ihre Weiterqualifizierung Freiräume, indem es sie personell bei der Betreuung von interdisziplinären Projektarbeiten unterstützt. Studierenden werden neue methodische Ansätze in der Transformationsforschung zugänglich gemacht. Zusätzlich begleitet Agrartrans^2 diese Erfahrungen durch ein Didaktik-Forschungsprojekt, auch um deren Sichtbarkeit zu erhöhen.

Projekt anzeigen
Maßnahme 100126
Maßnahme

Medienkompetenz und Videoproduktion

Die Maßnahme diente dazu, die medienbezogene Arbeit im Projekt DigiTaL zu unterstützen und die Schnitt-stelle zum Medien- und Informationszentrum (MIZ) zu stärken. Der Arbeitsbereich Medienkompetenz entwi-ckelte hierfür Medienformate und bot Beratungen und Workshops zur digitalen Medienproduktion an. In Kooperation mit dem Arbeitsbereich Kommunikation entstand der Bereich Videoproduktion, um Projektinhalte und Veranstaltungen audiovisuell aufzubereiten und so die Sichtbarkeit des Projekts zu erhöhen. Die Umsetzung umfasste Konzeption, Dreh und Postproduktion verschiedener Videoformate sowie den Aufbau und die Ausstattung des Bib-Studios als neuer Infrastruktur für Audio- und Videoproduktionen. Ergänzend wurden Schulungen und Einzelberatungen bereitgestellt, um Mitarbeitende und Studierende in der Produktion und Nutzung digitaler Medienformate zu unterstützen.

Maßnahme anzeigen
Publikation 100247

E-Assessment-Aufgaben mit PyRope und Onyx erstellen – ein Use-Case

[Kurzbeschreibung folgt (Anm. StIL)]

Publikation anzeigen