
Tio – interaktiver Chatbot zur Prüfungsgestaltung
Im Arbeitspaket „Digitale Prüfungssysteme“ bestand die Herausforderung darin, dass die Strukturen, Strategien und Prozesse der neun Verbundhochschulen stark voneinander abwichen. Deutlich zeigte sich dies bei den Prüfungsformen, unterschiedlichen Bezeichnungen und Begrifflichkeiten sowie unterschiedlichen digitalen Prüfungssystemen. Diese Heterogenität erschwerte es, einheitliche und klar strukturierte Anwendungsfälle (Use Cases) für Lehrende zu definieren und übersichtlich aufzubereiten. Nach einem intensiven Austausch über geeignete Umsetzungsmöglichkeiten wurde entschieden, sämtliche Anwendungsfälle in einem regelbasierten Chatbot abzubilden und über die Projektwebseite bereitzustellen. Tio unterstützt Lehrende dabei, das passende Prüfungsformat auszuwählen und erleichtert gleichzeitig den Zugang zu Good Practices. Dadurch erhalten auch Supportmitarbeitende und weitere Interessierte einen transparenten Einblick in die unterschiedlichen Prüfungsoptionen der bayerischen Hochschulen.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Die Maßnahme adressiert die Herausforderung, digitale Prüfungen als selbstverständlichen Teil der Hochschulpraxis zu etablieren – mit hoher Akzeptanz und wachsender Vielfalt an Prüfungsformen und -formaten. Der interaktive Chatbot Tio unterstützt diesen Wandel durch einen strukturierten Entscheidungspfad, der zu geeigneten Use Cases führt. Diese sind teils durch Good Practices veranschaulicht.
Herangehensweise
Der wichtigste Ansatzpunkt war in diesem Zusammenhang die enge Kooperation nicht nur über Hochschulgrenzen, sondern auch über Projektarbeitspakete hinweg. Für die Erstellung des regelbasierten Chatbots Tio war es notwendig sämtliche im Projekt gesammelten Erfahrungen zu verknüpfen. Angefangen von den diversen entstandenen und dokumentierten Good Practices der Lehrenden, über die entwickelten Konzepte im Feld der Kompetenzorientierung, zu den Erfahrungen im Einsatz mit den primären digitalen Prüfungssystemen im Projekt (Moodle, EXaHM und Mahara).
Zusammenhang
Initial wurde der Chatbot von Projektmitarbeitenden getestet. In der zweiten Testphase wurden Lehrende in den Review-Prozess eng mit eingebunden. Der Chatbot wurde anschießend schrittweise optimiert, sodass alle Zielgruppen einen Nutzen im Einsatz von Tio feststellen konnten und wurde auf der Projekt-Webseite eingebunden. Er befindet sich bis zum Projektende in der Pilotphase in der er weiterhin angepasst wird. Zudem besteht die Möglichkeit den Chatbot hochschulspezifisch weiterzuentwickeln.
Voraussetzung
· Erkenntnisse aus den bisherigen Projektjahren bildeten die zentrale Grundlage.
· Zuordnung aller im Projekt verwendeten Prüfungssysteme zu den jeweiligen Prüfungsformen.
· Verständigung auf eine einheitliche Terminologie und deren Verankerung im Chatbot Tio.
· Definition und Formulierung der Anwendungsfälle und Entscheidungspfade für die relevanten Systeme (Moodle, EXaHM, Mahara).
· Intensive Prüfung der technischen Umsetzbarkeit eines regelbasierten Chatbots im Vorfeld.
· Abklärung von Datenschutzfragen im Vorfeld.
Eignung
Der Chatbot befindet sich weiterhin im Pilotbetrieb. Das bisher erhaltene Feedback von Lehrenden der Verbundhochschulen fiel durchweg positiv aus. Tio wird als Unterstützung zur Konzeption und Gestaltung einer digitalen Prüfung wahrgenommen. Das Feedback wurde über den schriftliche Feedbackbogen sowie strukturierte Interviews mit Lehrenden eingeholt und ausgewertet.
Zudem wird Tio auf der Projektabschlusskonferenz prominent ausgestellt und präsentiert werden. Hierüber können wertvolle Erkenntnisse auch von Projektexternen gesammelt werden, um den Chatbot zukünftig weiter zu optimieren.
Vorgehen/Schritte
Vorbereitungsphase ( 3-4 Wochen)
• Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über die Vielfalt an Prüfungsformen und deren digitale Umsetzungsmöglichkeiten an Ihrer Hochschule bzw. Fakultät..
• Definieren Sie die Zielgruppen für den Einsatz des regelbasierten Chatbots (z. B. Lehrende, Mitarbeitende in Supporteinrichtungen)..
• Sammeln Sie sämtliche Informationen zu digitalen Prüfungssystemen, die in der Prüfungsphase eingesetzt werden dürfen.
• Definieren Sie ein Glossar für sämtliche relevanten Begriffe bzgl. digitaler Prüfungen. Dies können Sie als Hinweise im Chatbot verlinken. Nicht alle Begriffe sind allen Personen geläufig.
• Wählen und testen Sie geeignete Software: Prüfen Sie technische Umsetzbarkeit (Dienstleister oder Eigenentwicklung), Benutzerfreundlichkeit, Zugriffsrechte sowie Datenschutz (z. B. Art und Umfang der gespeicherten Daten).
• Definieren und beschreiben Sie Use Cases.
• Entwickeln und visualisieren Sie Entscheidungspfade (z. B. in Miro).
• Führen Sie umfangreiche Tests durch.
• Erarbeiten Sie ein gestalterisches Konzept.
Umsetzungsphase und Veröffentlichung (6-8 Wochen)
• Setzen Sie den Entscheidungsbaum in Typebot um.
• Gestalten Sie die Use Cases.
• Testen Sie den Chatbot und integrieren Sie Feedback.
• Erstellen Sie eine Einverständniserklärung.
• Entwickeln Sie ein Löschkonzept für gespeicherte Daten.
• Überlegen Sie, wie der Chatbot sichtbar und leicht zugänglich platziert werden kann (z. B. auf der Hochschulwebseite oder im Intranet).
• Veröffentlichen Sie den Typebot.
Fortlaufend nach Veröffentlichung
• Benennen Sie verantwortliche Personen für die Pflege und Weiterentwicklung des Chatbots.
• Diese Personen machen das Tool innerhalb der Organisation bekannt, nehmen Rückmeldungen und Änderungswünsche auf und prüfen deren Umsetzbarkeit.
Hinweise
Effekte
Erwartet:
• Eine strukturierte Formulierung und Darstellung nicht nur der konkreten Anwendungsfälle, sondern insbesondere auch die Darstellung des Entscheidungsweges, der zu den Anwendungsfällen führt, ist sehr zeitintensiv und benötigt einen Austausch mit Personen diverser Disziplinen.
• Reduzierung des Supportaufwands bei der Erstberatung der Lehrenden durch die vorherige Informationseinholung der relevanten Informationen (Prüfungssysteme, Umsetzungsmöglichkeiten, Kapazitäten) über den Chatbot.
Unerwartet:
• Datenschutz: frühzeitige Kontaktaufnahme mit Datenschutzbeauftragten der Hochschule suchen, weil während der Nutzung der Software personenbezogene Daten und Klickwege gespeichert werden. In diesem Fall wäre es zu empfehlen „Löschstrategien“ zu entwickeln und eine Datenschutzabfrage zu integrieren.
• Um die Benutzerfreundlichkeit des Chatbots nicht zu verschlechtern, können nicht alle Szenarien eingebunden werden.
Learnings
• Es ist elementar wichtig die konkreten Zielgruppen des Endprodukts (Chatbots) bereits im Entwicklungsprozess intensiv mit einzubinden. Dies bezieht sich in unserem Fall auf Lehrende, aber auch Mitarbeitende in Supporteinrichtungen.
• Weniger ist manchmal mehr. Eine übersichtliche und nicht zu tiefgreifende Struktur der Entscheidungsebenen im Chatbot ist für die Erfahrung der Nutzenden wichtig. Daher ist es ratsam, zu Beginn die häufigsten Prüfungsformen abzubilden und nicht alle Ausnahmefälle zu integrieren.
Empfehlung
Das Vorgehen hat sich in unserem Projekt bewährt. Für andere Projekte wäre zu empfehlen, den Chatbot bereits in einer früheren Projektphase zu etablieren, sodass im weiteren Verlauf noch eine längere Optimierungs- und Anpassungsphase zur Verfügung steht und noch intensiver Feedback von Nutzenden implementiert werden kann.
Tipps
• Definieren eines Glossars für sämtliche relevanten Begriffe bzgl. digitaler Prüfungen.
• Aufzeichnen der Ebenen des regelbasierten Chatbots. Hier wird bildlich schnell bewusst, ob Entscheidungsebenen vergessen wurden. Man merkt dadurch auch, ob die Entscheidungstiefe evtl. etwas zu verschachtelt bzw. kleinteilig aufgebaut ist.
• Frühzeitig überlegen, wie der Chatbot langfristig innerhalb der Organisation verankern werden soll, inklusive einer konkreten Ansprechperson.
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