
Studie „Haltung gegenüber (digitalen) Prüfungen"
Im Rahmen der Maßnahme werden die Haltungen von Studierenden und Lehrenden gegenüber digitalen Prüfungen erfasst, um authentische Leistungen zu fördern und Täuschung zu reduzieren. Das digitale Prüfen während der Corona-Pandemie hat sowohl bei Lehrenden als auch bei Studierenden zunehmend zu Unsicherheiten und gegenseitigen Vorurteilen und bisweilen Ressentiments geführt. Daher war es besonders wichtig, sich dem Thema mit einer Methode zu nähern, die Austausch, Reflexion und Vertrauen ermöglicht. Daher wurde die Thematik mit einer qualitativen Studie bearbeitet. Aufbauend auf Thesen, die aus bestehender Literatur abgeleitet wurden, wurden insgesamt 42 leitfadengestützte Interviews, 20 mit Lehrpersonen und 22 mit Studierenden durchgeführt, die wiederum relevante Perspektiven beider Zielgruppen erfasst haben. Daraus wurden praxisnahe Handlungsempfehlungen für eine faire, transparente und motivierende Prüfungskultur abgeleitet.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Die Maßnahme geht die Herausforderung an, dass digitale Prüfungen häufig mit Unsicherheit, Misstrauen oder ablehnender Haltung von Studierenden und Lehrenden betrachtet werden. Diese Einstellungen können dazu führen, dass Prüfungen nicht als fair wahrgenommen werden und Studierende ihre Leistungen nicht authentisch erbringen. Zugleich erschwert dies die Etablierung einer motivierenden, kompetenzorientierten Prüfungskultur.
Herangehensweise
Um der Herausforderung zu begegnen, wurden die Perspektiven von Studierenden und Lehrenden systematisch erfasst. Leitfadengestützte Interviews an der TH Augsburg und der Hochschule Neu-Ulm bildeten die Datengrundlage. Die Leitfäden orientierten sich an zuvor entwickelten Thesen zu Haltung, Motivation, Fairness und Selbstverständnis in der Lehre. Die qualitative Analyse nach Kuckartz & Rädiker (2021) machte wiederkehrende Muster und Typen sichtbar.
Zusammenhang
Die Maßnahme wurde im Kontext digitaler Prüfungen an der TH Augsburg und der Hochschule Neu-Ulm durchgeführt. Sie erstreckte sich über Lehrveranstaltungen unterschiedlicher Fachbereiche und Semesterstufen, wobei sowohl Studierende als auch Lehrende einbezogen wurden. Ziel war es, praxisnahe Einblicke in Haltungen, Motivation und Wahrnehmung von Fairness und Chancengleichheit zu gewinnen, um realitätsnahe Handlungsempfehlungen ableiten zu können.
Voraussetzung
• Für die Interviewerhebung war es relevant, dass Studierende und Lehrende ihre Rolle reflektieren und bereit waren, darüber zu reden. Hinzu kommt das Vertrauen und die Offenheit der Lehrenden und Studierenden zu ihrer persönlichen Haltung zum (digitalen) Prüfen und zu (eigenen) Lehre zu erzählen und zuletzt auch die Offenheit, Handlungsempfehlungen umzusetzen.
Eignung
• Daran, dass Lehrende offen über Unsicherheiten und Ängste in Bezug auf digitale Prüfungen und Studierende sprechen und diese Unsicherheiten und Ängste reflektieren
• Daran, dass Studierende offen und reflektiert über Unsicherheiten, Ängste und das subjektive Gefühl von Unfairness sprechen
• Wenn die genannten Unsicherheiten und Ängste durch die Nutzung der Handlungsempfehlungen abgebaut werden können
Vorgehen/Schritte
Es hilft,
• wenn Lehrende, die positive Erfahrungen mit den Maßnahmen gemacht haben, als Critical Friend im Kollegium auftreten und die Maßnahmen bewerben
• wenn den Lehrenden und Studierenden im Vorfeld ein großer Vertrauensvorschuss und sehr viel Verständnis entgegengebracht wird.
• Besonders für die Interviews ist eine angenehme, ruhige und vertrauensvolle Atmosphäre hilfreich
Vorbereitungsphase (8-10 Wochen)
1. Zielsetzung: Haltungen und Kontext der Studie klar definieren (z. B. Angst, Vertrauen, Fairness/Chancengleichheit, Schummeln).
2. Thesen entwickeln: Relevante Fachliteratur auswerten und Thesen ableiten.
3. Befragungsinstrumente: Leitfäden für Interviews erstellen, datenschutzkonform gestalten.
Durchführungsphase (4-6 Wochen)
4. Rekrutierung der Teilnehmenden
5. Datenerhebung: Interviews durchführen,dabei organisatorische Rahmenbedingungen beachten.
Auswertungsphase (6-8 Wochen)
6. Datenaufbereitung: Transkription und Codierung
7. Datenanalyse: Qualitative Inhaltsanalyse und Typenbildung.
8. Handlungsempfehlungen ableiten: Ergebnisse interpretieren und praxisnahe Empfehlungen formulieren.
Hinweise
Effekte
Erwartet:
• Die Maßnahme liefert belastbare Einsichten in die Haltungen von Studierenden und Lehrenden gegenüber digitalen Prüfungen.
• Das Verständnis für die Haltung von Lehrenden und Studierenden ist gewachsen.
Unerwartet:
• Die „Lehrperson“ ist - wider den Erwartungen - die stärkste beeinflussende Variable, KI-Benutzung durch die Studierenden dagegen erfolgt nicht ganz so häufig und intensiv, wie ursprünglich angenommen.
Learnings
Das größte Learning liegt in der Bedeutung von Vertrauen für digitale Prüfungen. Der Faktor „Lehrperson“ ist eine wichtige Stellschraube und mit der Bereitschaft ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden aufzubauen, ist auch davon zu erwarten, dass Studierende eine authentische (also schummelfreie) Leistung in (digitalen) Prüfungen erbringen wollen.
Empfehlung
Insgesamt lässt sich das Vorgehen weiterempfehlen. Eine Alternative oder ein nützlicher Zusatz wäre die Erhebung von Fokusgruppen, um die Interaktion zwischen Studierenden und Lehrenden direkt zu beobachten und gemeinsam – einem Coaching ähnlich – an dem Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zu arbeiten.
Tipps
· Thesen klar definieren
· Datenschutz beachten
· Instrumente testen
· Flexibel sein
· Falls es hochschulspezifische Besonderheiten gibt (bspw. die Nutzung bestimmter Tools, bestimmte Vorgaben innerhalb einer Fakultät, etc.) dann sollten diese als beeinflussende Variable einbezogen werden und die Erhebungsinstrumente (Interviewfragen) ggf. angepasst werden.
Methoden
Empfohlen
Nicht empfohlen
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