
Labor für hybride Gruppenarbeit
Das Labor für hybride Gruppenarbeit an der Technischen Hochschule Rosenheim schafft einen innovativen Lehr-Experimentierraum, der das Konzept der „Neuen Präsenz“ umsetzt. Der Raum verbindet physische und virtuelle Lernumgebungen, um kollaborative Lernprozesse zu fördern und gleichwertige Lernerfahrungen für Präsenz- und Online-Studierende zu bieten. Die technische Raumausstattung umfasst PTZ-Kameras, ein Deckenmikrofon und Deckenlautsprecher, daneben drei Projektionsflächen sowie mobile Schallschutzwände. An den sechs Gruppentischen befinden sich digitale Whiteboards, 360°-Kameras mit integriertem Mikrofon und Lautsprecher sowie kleine PCs mit Tastatur und Maus. Diese Technik ermöglicht eine ausgezeichnete Kommunikation und Interaktion zwischen physischen und virtuellen Teilnehmenden in verschiedenen Lernsettings. Dozierende können hybride Lehrformate gestalten, bei denen alle Studierenden aktiv und gleichwertig eingebunden werden.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Es zeigt sich, dass aktivierende und studierendenzentrierte Lehrformate besonders lernförderlich sind. Zugleich wächst der Wunsch der Studierenden zur Online-Teilnahme am Unterricht. Die Maßnahme geht die Herausforderungen an, die sich bei der synchronen kollaborativen Zusammenarbeit von Präsenz- und Online-Teilnehmenden über die digitale Barriere hinweg ergeben. Die Lernumgebung soll gleichberechtigte Teilhabe und gleichwertige Lernergebnisse unabhängig von der Teilnahmeart ermöglichen.
Herangehensweise
Wir begegnen der Herausforderung, hybride Lehrformate umzusetzen, durch eine Kombination aus flexibler Raumgestaltung und mobiler Medientechnologie. Der Raum ist mit beweglichen, ergonomischen Möbeln ausgestattet, die sich an unterschiedliche Lehr- und Lernszenarien anpassen lassen. Die Technik ist in Bodentanks integriert und ermöglicht hohe Flexibilität. Ergänzend wurden projektionsfähige Flächen, steuerbare Kameras und Deckenmikrofone eingebaut, um eine gleichwertige Teilnahme von Online-Studierenden sicherzustellen. Gemeinsam mit Dozierenden wurden didaktische Nutzungsszenarien entwickelt, die die hybride Ausstattung einbinden, interaktive Lernprozesse fördern und passives Lernen reduzieren. Die Begleitevaluation erfolgte anhand des ICAP-Modells zur Kategorisierung kognitiver Aktivierung. Lehrende erhalten vor der ersten Nutzung eine technische Einführung und bei Bedarf medientechnische Beratung.
Zusammenhang
Der Raum wird in verschiedenen LVs genutzt, insb. für technologiegestützte Gruppenarbeiten mit digitalen Whiteboards und hybride Gruppenarbeit. Besonders im Rahmen der LV „Grundlagen der Bauphysik“ des BA-Studiengangs Innenarchitektur setzte Prof. Griesbeck den Raum ein. Studierende bearbeiteten realitätsnahe Aufgaben zu bauphysikalischen Fragestellungen und arbeiteten kollaborativ in hybriden Teams, wobei sie Problemlösetechniken anwendeten. Anschließend präsentierten sie ihre Ergebnisse.
Voraussetzung
Die Durchführung der Maßnahme setzte mehrere relevante Bedingungen voraus:
Verfügbarkeit eines geeigneten Raums
Ressourcen für Medientechnik (materiell und personell): Auswahl und Integration von geeigneter, hochwertiger Medientechnik sowie Programmierung einer leicht bedienbaren Raumsteuerung
Ressourcen für technischen 1st Level-Support, um auftretende technischen Störungen kurzfristig zu beseitigen und den Lehrbetrieb aufrecht halten zu können
Didaktische Ressourcen für:
die Schulung von Lehrenden: Der Aufbau digital-didaktischer Kompetenzen war essenziell, um Lehrende zur Nutzung des Raumes zu befähigen und Überforderung der Lehrenden zu vermeiden.
die Erstellung von Nutzungsszenarien für den hybriden Lehrraum
die Anpassung von Unterrichtskonzepten an die Anforderungen der hybriden Lehre
Ressourcen für die Evaluation und Weiterentwicklung: kontinuierliche Evaluation der Räume und Lehrmethoden
Eignung
Die Eignung des Raums wird durch mehrere Indikatoren nachgewiesen:
Evaluationsergebnisse: Auswertungen sowohl von studentischen Selbsteinschätzungen als auch strukturierten Unterrichtsbeobachtungen (jeweils basierend auf dem ICAP-Modell) zeigen, dass der Raum interaktive und konstruktive Lernprozesse anregt, was die kognitive Aktivierung fördert, passives Lernen minimiert und somit gute Lernergebnisse erwarten lässt
Studierendenfeedback: als Freitext formulierte Eindrücke der Studierenden aus den Evaluationen; im Rahmen eines Videobeitrags zum Tag der digitalen Lehre wurde auch ein Videostatement einer Studierenden aufgezeichnet
Lehrendenfeedback: Positive Rückmeldungen aus dem Unterrichtsbetrieb sowie die erfolgreiche Integration des Raums in verschiedene Lehrveranstaltungen bestätigen seine Eignung für hybride Formate
Die Ergebnisse wurden in wissenschaftlich begutachteten Formaten veröffentlich, wie bspw. im Tagungsband des MINT-Symposiums 2025 des BayZIEL.
Vorgehen/Schritte
Um das Labor für hybride Gruppenarbeit oder ähnliche innovative Lehr/Lernäume erfolgreich in anderen Kontexten zu adaptieren, empfehle ich folgende Vorgehensweise:
Frühzeitige Partizipation: Die Beteiligung relevanter Gruppen (Lehrende, Studierende, Technik) ist entscheidend. Durch Workshops werden Bedürfnisse zu Raumgestaltung, Technik und didaktischen Konzepten ermittelt, um den Raum optimal zu gestalten.
Sensibles Change Management: Widerstand gegen neue Technologien und Lehrmethoden ist normal. Ein dialogorientiertes Vorgehen hilft, Unsicherheiten abzubauen. Lehrende sollten die Technologie in Testläufen ausprobieren können, bevor sie im Lehrbetrieb eingesetzt wird. Best-Practice-Beispiele und Schulungen unterstützen diesen Prozess.
Technische Infrastruktur und Support: Hybride Formate stellen hohe technische Anforderungen. Ein zuverlässiges Supportsystem ist notwendig, um technische Probleme schnell zu beheben und präventiv zu unterstützen.
Langfristige Unterstützung und Schulung: Die Einführung neuer Technologien benötigt kontinuierliche Schulung. Lehrende sollten durch Tutorials und praxisorientierte Schulungen in die Lage versetzt werden, die Technik selbstständig zu nutzen. Offene Sprechstunden und ein strukturiertes Trainingsprogramm sind sinnvoll, um langfristig digitale Kompetenzen aufzubauen.
Integration in Curricula: Die Transformation der Lehre gelingt nur, wenn der Raum ins Curriculum integriert wird. Interdisziplinäre Veranstaltungen können als Pilotprojekte dienen, um die Raumgestaltung und Technik gezielt mit den Lehrzielen zu verbinden. Gezielte Unterstützung und Change Management sind erforderlich, damit der Raum sinnvoll genutzt wird.
Flexibilität der Räume und Nutzerfreundlichkeit: Flexible Möbel und Technik sind sinnvoll, dürfen jedoch nicht zu Verwirrung führen. Ein klar strukturiertes Bedienkonzept ist wichtig, um den Lehrenden Sicherheit zu geben und die Nutzung zu erleichtern. Eine einfache Bedienoberfläche und strukturierte Anleitungen sind dabei entscheidend.
Langfristige Finanzierung und Verstetigung: Die langfristige Nutzung erfordert eine nachhaltige Finanzierung. Neben den anfänglichen Investitionen müssen Wartung, Support und Personalressourcen für den Betrieb sichergestellt werden. Facility Management und IT-Abteilungen sollten gemeinsam die Verantwortung für den Betrieb übernehmen.
Evaluation und kontinuierliche Anpassung: Die regelmäßige Evaluation der Räume ist notwendig, um ihre Wirksamkeit zu prüfen. Hierbei kann das ICAP-Modell helfen, interaktive und konstruktive Lernprozesse zu messen. Die Ergebnisse sollten genutzt werden, um den Raum kontinuierlich an die Bedürfnisse der Lehrenden anzupassen.
Unterstützung durch studentische Hilfskräfte: Studentische Hilfskräfte können technische und organisatorische Aufgaben übernehmen und so Lehren-de entlasten. Dies erleichtert die Durchführung hybrider Veranstaltungen und fördert eine reibungslose Nutzung des Raums.
Hinweise
Effekte
Rückblickend lassen sich sowohl erwartete als auch unerwartete Effekte der Einführung des hybriden Laborraums feststellen:
Erwartete Effekte: Der Raum förderte die interaktive Zusammenarbeit in hybriden Teams und ermöglichte eine bessere Integration digitaler Tools in die Lehre. Studierende konnten ihre Problemlösungsfähigkeiten in realitätsnahen Aufgaben weiterentwickeln. Auch die Flexibilität des Raums ermöglichte eine vielfältige Nutzung, etwa für Gruppenarbeit oder Online-Präsentationen.
Unerwartete Effekte:Die Flexibilität des Raums führte zu Unsicherheiten bei den Lehrenden, die nicht immer wussten, wie sie die Technologie optimal einsetzen sollten. Technische Probleme, wie unzuverlässige Mikrofone oder Software, beeinträchtigten zeitweise die Lehrqualität und sorgten teils für Frustration. Außerdem zeigte sich, dass trotz vorhandener Schulungsangebote nicht alle Lehrenden ihren Unterricht an die Möglichkeiten des Raums adaptierten, was den Wandel langsamer vorantrieb.
Learnings
Zufriedenheit als zentrales Kriterium für die Raumnutzung: Die Zufriedenheit der Lehrenden ist entscheidend für die Akzeptanz des Raums. Individuelle Einweisungen, regelmäßige Sprechstunden und ein Servicetelefon bieten schnelle Hilfe bei technischen und didaktischen Fragen. Feedbackrunden ermöglichen eine kontinuierliche Verbesserung.
Digitalisierung ist kein Selbstzweck: Technologie muss immer im didaktischen Kontext eingesetzt werden. Wichtiger als die Technik selbst ist eine individuelle didaktische Betreuung, die Lehrende unterstützt, digitale Formate sinnvoll zu integrieren. Onboarding und regelmäßige Lehrprojekte helfen, den Mehrwert digitaler Tools zu realisieren.
Raumgestaltung als Schlüssel zur kognitiven Aktivierung: Die Gestaltung des Raums ist ein Ermöglicher für tiefergehende Lernprozesse. Flexible Möbel und modulare Technik schaffen die Voraussetzungen für Gruppenarbeit und Diskussionen, ohne Lernende oder Lehrende zu überfordern.
Empfehlung
Rückblickend würde ich Nachnutzenden empfehlen, von Anfang an stärker auf iterative Testphasen zu setzen und den Raum in kleineren Szenarien zu erproben. Ein schrittweiser Pilotansatz ermöglicht es, frühzeitig Feedback zu sammeln und Anpassungen vorzunehmen. Zudem sollten Onboarding-Prozesse für Lehrende und Studierende sowie eine gezielte Schulung zu hybriden Formaten früh integriert werden, um Unsicherheiten zu minimieren und die Akzeptanz zu fördern.
Tipps
Bei der Adaption des hybriden Laborraums sollten folgende Tipps beachtet werden:
Frühzeitige Einbindung aller Beteiligten: Lehrende, Studierende und technische Teams sollten von Beginn an eingebunden werden, um ihre Bedürfnisse und Bedenken zu berücksichtigen.
Iterative Testphasen: Starten Sie mit Pilotprojekten und sammeln Sie kontinuierlich Feedback, um den Raum und die Nutzung kontinuierlich zu optimieren.
Schulung und Support: Bieten Sie regelmäßige Schulungen und Sprechstunden an, um Lehrende im Umgang mit der Technologie zu unterstützen und Unsicherheiten abzubauen.
Flexibilität der Raumgestaltung: Planen Sie den Raum so, dass er sowohl spontane als auch fokussierte Lernprozesse unterstützt, ohne zu überfordern.
Sonstiges
Die Einführung eines hybriden Laborraums erfordert nicht nur Technik, sondern auch didaktische und kulturelle Anpassung. Der Erfolg hängt davon ab, wie Lehrende und Studierende neue Methoden annehmen. Es braucht kontinuierliche Unterstützung, eine offene Haltung gegenüber Innovationen und regelmäßige Anpassungen. Der Raum sollte als unterstützendes Werkzeug für Lehren und Lernen fungieren, um echten Mehrwert zu schaffen.
Methoden
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