Maßnahme Bühne
Zum Projekt

Studierendenzentrierte aktivierende Lernräume

Beim SCALE-UP Raum- und Lehrkonzept (Student-Centered Active Learning Environment for Upside Down Pedagogies) unterstützt die Raumgestaltung aktivierende und studierendenzentrierte Lehre (Beichner et al. 2007. DOI: 10.1119/RevPERv1.1.4). An der TH Rosenheim wurden zwei SCALE-UP Räume aufgebaut, in denen sich runde Tische für jeweils sechs bis max. acht Studierende befinden. Die Studierenden arbeiten in Teams von meist drei Studierenden. Die Lehrperson wird durch die räumliche Anordnung (es gibt kein vorne und hinten) fast „von selbst“ zum Lernbegleiter. Raumausstattung: Vier Beamerprojektionen in mehrere Raumrichtungen, Dokumentenkamera, Mini-Whiteboards, Click-Share, Abstimmungssysteme, Steckdosen über Bodentanks an den Tischen, physikalische „hands-on“-Experimente für die einzelnen Gruppentische. Passende Lernaktivitäten wurden entwickelt (Whiteboardaufgaben im Team, Peer Instruction, kollaborative Arbeitsblätter, …) und die Wirkung der Maßnahme untersucht.

Kategorien

Bitte nennen Sie bis zu fünf Stichwörter, die den Inhalt Ihrer Maßnahme aussagekräftig beschreiben.
SCALE-UP
Innovative Lehrräume
Active Learning Spaces
Kollaboratives Lernen
Mini-Whiteboards
Zielgruppe(n)
Studierende
Tutor:innen/stud. Mentor:innen
Lehrbeauftragte
Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen/LfBA
Professor:innen
Hochschul-, Fachbereichs-/Fakultätsleitung
Handlungsfeld & Aktivität(en)
Projektkoordination
Wissenstransfer/Dissemination entwickeln
Strukturelle Rahmenbedingungen
Vorgaben für Studienorganisation/Studienstrukturen entwickeln
Technisch-räumliche Infrastruktur
Lehr-/Lernumgebungen entwickeln
Lehr-/Studienangebote
Lehrkonzepte/-formate entwickeln
Lehr-/Lernmaterialien entwickeln
Supportangebote
Weiterbildungsangebote für die Lehre entwickeln
Angebote für Austausch und Kollaboration entwickeln

Beschreibung

Herausforderung

Studierende in Stufenhörsälen neigen zu passivem Verhalten und abnehmender Lernmotivation und zeigen am Ende des Semesters ein nicht zufriedenstellendes Konzeptverständnis. Um die Präsenzphase des Inverted Classrooms in Physik- und Mathe-Lehrveranstaltungen aktiver zu gestalten und das kollaborative Arbeiten zu stärken, wurden SCALE-UP Räume als eine bekannt wirksame Lehrmethode, im Kontext einer bayerischen HAW implementiert. Dazu wurden Vorbilder und Erfahrungen aus den USA übertragen.

Herangehensweise

Das SCALE-UP Raum- und Lehrkonzept wurde ursprünglich von R. Beichner, North Carolina State University, entwickelt. Es unterstützt studierendenzentrierte, aktivierende und kollaborative Lehrveranstaltungen (z. B. Just-in-Time Teaching, Peer Instruction, Bearbeitung von Worksheets, Whiteboardaufgaben, Tutorien, ...) durch die Raumgestaltung (runde Tische, mehrere Projektionsflächen, innovatives Lichtkonzept).

Zudem fördert es konzeptionelles Verständnis, eine positivere Einstellung zu MINT-Fächern, erfolgreicheres Problemlösen, höhere Erfolgsquoten.

Zusammenhang

• Umbau eines weiteren Hörsaals in einen SCALE-UP Raum

• Lehrveranstaltungen mit kontinuierlicher Entwicklung von Lernmaterialien in über zehn MINT-Lehrveranstaltungen in diesem Format (Physik, Mathematik, Thermodynamik, Strömungsmechanik, Bauphysik)

Voraussetzung

• Umbau: Unterstützung der Hochschulleitung, Abteilung Bau und Technik

• Raumgestaltung, Projektionsflächen, Akustik, Lichtkonzept und Barrierefreiheit geben den Rahmen für einen Raum in Studio-Atmosphäre, in dem kollaboratives Arbeiten gefördert wird

• Lehre: Offenheit der Lehrpersonen

• Lehrmaterialien: Erstellung bzw. Nutzung vorhandener Materialien; Je nach Lerninhalt und -tiefe kann auf unterschiedliche Lernaktivitäten in unterschiedlichen Organisationsformen (ganze Klasse, Kleingruppe, Individuum) zurückgegriffen werden

• Lehrveranstaltung: Die Vorteile des Raums für aktivierende und studierendenzentrierte Lehrformate nutzen

Eignung

• Das Feedback der Studierenden ist quasi durchweg positiv in Bezug auf erlebten Lernerfolg, soziale Eingebundenheit und Lernfreude

• Die Durchfallraten sind geringer

• Der Raum ist sehr gut ausgebucht

• Unterrichtsbeobachtungen (ICAP-Modell, Chi & Wylie 2014. DOI: 10.1080/00461520.2014.965823) zeigen im Mittel über die Hälfte der Zeit interaktive und konstruktive Lernhandlungen der Studierenden, was den Aufbau eines tiefen Verständnisses erwarten lässt

• Unsere Ergebnisse finden sich in (Schäfle et al. 2024. https://bayziel.de/wp-content/uploads/DiNa_2024-08.pdf)

Vorgehen/Schritte

Raumumbau:

• Frühzeitige Einbindung aller Akteure (HL, Fakultät, Kolleginnen und Kollegen, Technik und Bau, E-Learning Center, IT, Finanzabteilung)

• Best-Lage des Raumes bzgl. Erreichbarkeit für die Studierenden und Zugriff auf Experimente o.ä.

• Unterstützung durch innenarchitektonische Gestaltung ist wertvoll (auch Master-Studierende möglich)

• Schallschutz essenziell, da Gruppendiskussionen, Barrierefreiheit bei hohen Tischen bedenken

• Hospitationen: Besuch von SCALE-UP Räumen und Lehrveranstaltungen an verschiedenen Orten in Deutschland

Lern- und Lehrmaterialien entwickeln:

• Umgestaltung der Lehre, dass sie die Vorteile des SCALE-UP Raums nutzt: aktivierend und studierendenzentrierte, kollaborative Formate. Beispiele: Arbeit an Mini-Whiteboards zu dritt, Tutorials (McDermott), Peer Instruction, Just-in-Time-Teaching, Simulationen, kleinere Experimente

Unterricht im SCALE-UP Raum:

• Verschiedene Lernaufgaben testen, die zum eigenen Stil und zum Thema passen sowie die angestrebte Lerntiefe berücksichtigen. Dazu lohnt es sich, die Lernaufgaben zuerst mit dem ICAP-Modell zu betrachten (Chi et al. 2018. DOI: 10.1111/cogs.12626; Schäfle & Dölling 2025. https://bayziel.de/wp-content/uploads/BayZiel_Series1_ICAP.pdf)

Onboarding der Kolleginnen und Kollegen

Hinweise

Effekte

• Erwartet: Verbesserung des Konzeptverständnisses in Physik und Mathematik durch aktivierende, studierendenzentrierte Lehre

• Kollaboratives Lernen wird unterstützt

• Höhere Bestehensquoten in Klausuren

• Größere Zufriedenheit bei Studierenden und Lehrenden

• Stärkung der Selbstwirksamkeit und sozialen Eingebundenheit

• Die Heterogenität im Vorwissen der Studierenden wird adressiert

Learnings

Der Umbau der Räume ging von einem Wunsch und Bedarf der Lehrenden selbst aus. Lehrende sollten sich in die Gestaltung von Lehrräumen einbringen und sich nicht durch Bedenken davon abbringen lassen. Die Lage des Raums ist wichtig. Für das Kollegium und die Stundenplanverantwortlichen sollten didaktische Kurzschulungen angeboten werden, damit sie den Sinn des Raumes selbst erleben können.

Der SCALE-UP Raum unterstützt fast jedes aktivierende Lehrformat außer klassische Vorlesungen (da die Studierenden in unterschiedliche Raumrichtungen schauen). Lehrende, die vor allem ein klassisches Vortragsformat wählen, sollten besser in traditionellen Hörsälen unterrichten.

Tipps

• Kolleginnen und Kollegen zur Mitarbeit einladen

• Raumnutzungsplan entwerfen

• Ressourcen für Kommunikation einplanen (Social Media, Eröffnungsevent, …)

• Hospitation an anderen Hochschulen: (Er-)leben des Mottos "Vom Hör-Saal zum Aktiv-Saal"

• Artikel bezüglich des Themas lesen

• Bei der Planung Anforderungen an Licht, Akustik und Barrierefreiheit berücksichtigen

• Bei der Umgestaltung vom seminaristischen Unterricht zu studierendenzentrierten Formaten wie SCALE-UP in kleinen Schritten beginnen, sich Erfahrungen, Coaching holen und gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen die Lehre weiterentwickeln, Lehrmaterialien austauschen, regelmäßige Treffen (ein bis zwei Mal im Semester), Workshops zu aktivierenden Lehrformaten besuchen

Sonstiges

Es empfiehlt sich, die Akteure der Hochschule möglichst früh einzubinden, damit das Projekt von Verwaltung und Technik mitgetragen und mitgedacht werden kann.

Methoden

Empfohlen

Methoden
Kollaborative Gruppenarbeit, Whiteboard-Aufgaben, Tutorials (McDermott), Retrieval Practice, Just-in-Time-Teaching (JiTT), Peer Instruction (PI), Simulationen, kleinere Experimente (z.B. Vernierwägen, Experimentierkästen), Zuordnungskärtchen (um das Konzeptverständnis zu fördern)
Formate
SCALE-UP
Technische Tools
Lernmanagementsystem, Abstimmungssoftware, Software für kleine Experimente (Vernier, Phyphox), Clickshare-System, vier einzeln ansteuerbare Beamer auf verschiedenen Projektionsflächen, Dokumentenkamera, PTZ-Kamera, Mini-Whiteboards (40 cm x 60 cm), große Whiteboard Tafeln (fahrbar, an den Wänden)

Kontakt

Bearbeiter:innen und Beteiligte
Keine Kontaktdaten vorhanden
Material
NameDownload / LinkBeschreibungLizenzFormatGröße
BayZiel Series: Aktives Lernen mit dem ICAP-ModellLink aufrufen/PDF/
Kurzsteckbrief SCALE-UP Raum: Technik und AusstattungLink aufrufen/PDF/
Lightning Talk (5 min) auf dem University Future Festival 2023 auf YouTubeLink aufrufen/Link/
PRO-Aktjv-Film zu innovativer Lehre im SCALE-UP Raum mit JiTT, PI auf YouTubeLink aufrufen/Link/
PRO-Aktjv: Didaktikprojekt an der TH RosenheimLink aufrufen/Link/
SCALE-UP Räume an der TH RosenheimLink aufrufen/Link/
Übersichtsartikel über SCALE-UP Räume allgemein, die Rosenheimer SCALE-UP Räume im Speziellen, UnterLink aufrufen/PDF/

Das könnte Sie auch interessieren

Projekt 101594
Projekt

Gemeinsam Lehrpersonen bilden – Digitalität mit Informatik nachhaltig gestalten

Interaktive, kommunikative Lehrformate leben von vielfältigen Diskussionen, die aber mit kleinen Kohorten nur schwer erzielbar sind. Betrifft dies Studiengänge, in denen Kommunikations- und Diskursfähigkeiten zum Kompetenzerwerb gehören, ist dies besonders problematisch. Eine Lösung ist, Kohorten gleicher Studiengänge universitätsübergreifend zusammenzufassen, dazu digitale Werkzeuge einzusetzen und die notwendigen Lehr- und Forschungsexpertisen zu bündeln. Für die fachdidaktischen Veranstaltungen im Lehramt Informatik wird dies pilotiert. Digitalisierung wird hier schon lange in der Dualität Werkzeug – Inhalt behandelt; für den Distanzunterricht bestehen kreative und interaktive best practice - Vorbilder. Die Kohortenmitglieder werden zudem zu Botschafter:innen der Digitalität für ihre Mitstudierenden. Aufgrund bundeseinheitlicher, klarer KMK-Vorgaben hinsichtlich der zu erwerbenden fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Kompetenzen sind die Studiengänge formal vergleichbar. Inhaltlich werden gemeinsame Veranstaltungen gestaltet, strukturell das Format über die Projektlaufzeit hinaus verankert, auch, um weiteren Universitäten die Beteiligung und damit das Lehramt Informatik in der Breite überhaupt erst zu ermöglichen.

Projekt anzeigen
Maßnahme 100878
Maßnahme

Einstieg Programmieren vereinfachen - Installparties, Tutorials, Kommunikation

Wir verringern die "Angst vorm Programmieren" und die heterogenen Voraussetzungen der Studierenden durch den niedrigschwellige Kommunikation (Slack), Installparties und Tutorials für unterschiedliche Level. Eine Pflichtabgabe (kurzes Video der fertig installierten Simulationsumgebung + IDE) innerhalb der ersten 2 Wochen des Semesters macht den Erfolg der Studierenden überprüfbar. [Anm. StIL: Diese Maßnahme wurde in einer Vorgängerversion der Abfrage dokumentiert. Bei der Übertragung auf das aktuelle Format kann es vorkommen, dass die Antworten nicht hundertprozentig zur Frage passen.]

Maßnahme anzeigen
Publikation 100418

Promoting Pre-Service Teachers’ Evidence-Informed Reasoning Through Peer-Feedback: Effects of a Feedback Provision Scaffold and a Feedback Integration Scaffold

[Kurzbeschreibung folgt (Anm. StIL)]

Publikation anzeigen