
Curriculare Integration von DH in der Germanistik
Digitale Methoden und Ressourcen spielen sowohl in Forschungs- als auch in Vermittlungskontexten geisteswissenschaftlicher Fächer eine wachsende Rolle. Im Rahmen des Projekts Digital Humanities Ruhr wird die Herausforderung, Digital-Humanities-Kompetenzen systematisch in die germanistische Linguistiklehre zu integrieren, adressiert. Die Maßnahme "Digitale Ressourcen und Methoden in der Linguistik" soll die digitalen Geisteswissenschaften in der Germanistik curricular integrieren. Umgesetzt wird dieses Anliegen durch die Einführung eines für diesen Zweck konzipierten DH-Basiskurses im Blended-Learning-Format. Mit ihm sollen Germanistikstudierende zur reflektierten Nutzung von digitalen Forschungsressourcen sowie von Methoden der Korpuslinguistik und der Texttechnologie zur Untersuchung fachlicher Fragestellungen befähigt werden. Die Lehrveranstaltung wird im Rahmen der Novellierung bestehender BA-Studiengänge curricular verankert.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Die Maßnahme reagiert auf die heterogenen Vorkenntnissen und Technikvorbehalte in der Germanistik. Der neue DH-Baisskurs soll Berührungsängste abbauen und digitale Analyse- sowie Recherchemethoden vermitteln. Die didaktische Herausforderung lag in der sinvollen Umsetzbarkeit für große Kohorten sowie in einer klaren Themenwahl. Es galt, technisches Know-how so zu vermitteln, dass es den fachwissenschaftlichen Ansprüchen der Geisteswissenschaften unmittelbar dient.
Herangehensweise
Um dem Bedarf an Digital-Humanities-Kompetenzen in der Germanistik zu begegnen, wurde ein Basiskurs im Blended-Learning-Format entwickelt. Dazu wurden DH-Kompetenzprofile erstellt und eine Auswahl geeigneter Inhalte getroffen. Inhaltlich und disziplinär wurden die Lernmodule in die Korpuslinguistik und Texttechnologie eingebettet. Die Selbstlerneinheiten des Kurses finden auf dem Lernmanagementsystem Moodle statt und folgen einem projektorientierten forschungsnahen Lernansatz. Der Kurs teilt sich in vier Themenblöcke: (1) Grundlagen der Arbeit mit empirischen Daten; (2) Typen von DH-Ressourcen in Philologie und Linguistik; (3) Korpuslinguistik, (4) Texttechnologie. Die ersten beiden Blöcke fokussieren sich auf Grundlagenwissen. In den letzten beiden werden Anwendungsbeispiele zu linguistischen Forschungsfragen mit korpuslinguistischen und texttechnologischen Methoden, Verfahren und Tools bearbeitet. Die Studierenden werden in diesen durch Leitfragen, Quizze und Tutorials begleitet.
Zusammenhang
Einzelne Materialien werden aktuell im Lehrkontext getestet. Die vollständige Umsetzung der Lehrveranstaltung ist für das Sommersemester 2027 vorgesehen. In diesem Zusammenhang soll der DH-Basiskurs evaluiert werden. Die curriculare Verankerung im Fach Germanistik erfordert Anpassungen der Studiengänge und Prüfungsordnungen. Diese werden im Zuge geplanter Restrukturierungsprozesse der BA-Studiengänge umgesetzt und machen eine Novellierung sowie Reakkreditierung erforderlich.
Voraussetzung
Zur Durchführung der Maßnahme sind sowohl strukturelle als auch personelle und technische Voraussetzungen relevant. Die curriculare Verankerung erforderte enge Abstimmung mit der Studiengangskoordination, den Prüfungsausschüssen sowie der Fakultätsverwaltung, um die neuen Inhalte und Formate formal in das bestehende Curriculum einzubinden. Ebenso wesentlich war der Austausch mit anderen Dozierenden des Instituts, um thematische Schwerpunkte abzustimmen und vorhandene Materialien sinnvoll zu integrieren. Im Sinne der Qualitätssicherung musste ausreichend Zeit für Materialerprobung, kollegialen Austausch und externe Begutachtung eingeplant werden. Das Blended-Learning-Format machte die Einrichtung einer digitalen interaktiven Lernumgebung mit Funktionen der Selbstprüfung und kollaborativen Tools erforderlich (Moodle). Zudem sind Hardwareanforderungen und Lizenzfragen für die DH-Ressourcen zu berücksichtigen, um die Teilnahme der Studierenden sicherzustellen.
Eignung
Da der Kurs erst im Sommersemester 2027 in Gänze getestet wird und noch später curricular verankert wird, liegen noch keine Evaluationsdaten vor. Erste Hinweise auf die Eignung des Ansatzes liefern jedoch erste Feedbackschleifen zu einzelnen Modulen des Kurses, die positiv ausgefallen sind. Zum anderen wurde der Kurs im Rahmen eines Critical Friends Audits durch externe Expert:innen aus dem DH-Bereich kritisch gesichtet, sodass nicht nur blinde Flecken aufgedeckt wurden, sondern auch die grundsätzliche Tragfähigkeit des Konzepts bestätigt wurde. Belastbare Daten werden nach der Erstdurchführung im Sommersemester vorliegen. Die geplante Evaluation wird Hinweise zu Workload, Lernfortschritt und Zielgruppenpassung liefern und damit eine fundierte Einschätzung der Übertragbarkeit ermöglichen.
Vorgehen/Schritte
Eine besonders gewinnbringende Variante der Umsetzung erscheint uns eine, bei der es den Studierenden gelingt, die gewonnenen DH-Kompetenzen möglichst erfolgreich in ihre eigene Forschungspraxis zu integrieren. Bei der curricularen Integration würden wir daher empfehlen die Inhalte in einen Ansatz des forschenden Lernens einzubetten. Die einführende DH-Veranstaltung könnte zu diesem Zweck durch ein linguistisches Seminar begleitet werden, das einen thematischen Schwerpunkt für eine eigene empirische Untersuchung setzt.
Alternativ könnte auch das Format angepasst werden, denn auch, wenn der Kurs durch die Planung grundsätzlich für große Lehrveranstaltungen, wie Vorlesungen, geeignet ist, ist eine gewinnbringende und nachhaltige Etablierung wahrscheinlich auch im Seminarkontext sinnvoll. In kleineren Gruppen können die Studierenden intensiver mit digitalen Methoden und Werkzeugen arbeiten, individueller betreut werden und ihre Kenntnisse direkt praktisch anwenden.
Hinweise
Tipps
Ein möglicher Tipp bezieht sich auf die Anschlussfähigkeit. Um die Anschlussfähigkeit der zu verankernden Veranstaltung zu sichern, haben wir einige Schritte unternommen, die wir auch im Nachgang weiterempfehlen würden.
Zur internen Anschlussfähigkeit der entstehenden DH-Veranstaltung: Die in der neuen Veranstaltung zu vermittelnden Inhalte und Kompetenzen sollten möglichst in das bestehende Angebot integriert werden und auf den Besuch späterer Veranstaltungen vorbereiten. Zur internen Abstimmung wurden Roundtables mit Lehrenden des Studiengangs organisiert.
Zur Anschlussfähigkeit innerhalb des Fachdiskurses: Hierzu wurden Expert:innen aus dem DH-Bereich zur Begutachtung unseres Kurses sowie zum fachlichen Austausch im Rahmen eines Critical-Friends-Audits eingeladen.
Sonstiges
Die curriculare Integration von DH-Veranstaltungen erfordert Teams mit entsprechenden DH-Kompetenzen, die fachdidaktische Konzeption, Materialerstellung und Betreuung arbeitsteilig bewältigen. Um den langfristigen Erfolg über die Projektlaufzeit hinaus zu sichern, muss frühzeitig die personelle Kontinuität geklärt werden. Es braucht eine Strategie, wie Lehrende mit spezifischem DH-Profil dauerhaft für die Durchführung gewonnen und gehalten werden können.
Methoden
Empfohlen
Kontakt
Das könnte Sie auch interessieren

Future Social Entrepreneurship Education
Future Social Entrepreneurship Education – kurz Future SEE – ist ein bundesweites Netzwerk für Hochschullehrende im Bereich Social Entrepreneurship. Die Qualität der SEE wird durch das Format Transferbrücken verbessert, welches im kleinen Kreis Forschende und Social Entrepreneurs zur Verbesserung der SEE mit Lehrenden zusammenbringt. Hochschullehrende profitieren voneinander, indem Sie sich in Lehrendenpartnerschaften gegenseitig unterstützen. Jährlich bringt der Social Entrepreneurship Education Summit bundesweit die Community zusammen. Die Ergebnisse aus allen Formaten werden in einem digitalen SEE Playbook für die Hochschullehre open source zur Verfügung gestellt. Future SEE hat damit das Ziel, die Lehrendenkompetenzen im Bereich Social Entrepreneurship forschungsbasiert und praxisnah zu verbessern, um gesellschaftliche Wirkung zu erreichen. Dank Future SEE sollen zukünftig mehr Studierende dazu befähigt werden, sozialunternehmerisch tätig zu sein. Dadurch werden sie Gestalter:innen einer impactorientierten Wirtschaft und damit einer enkeltauglichen Zukunft.
Projekt anzeigen
Das Digital-Humanities-Zertifikat der UA Ruhr
Im Verbund der Universität Duisburg Essen, der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund wurde ein hochschulübergreifendes Digital-Humanities-Zertifikat implementiert, das Studierenden aller drei Standorte eine formale Zusatzqualifikation ermöglicht. Das dreistufige Modell aus Einführung, Vertiefung und Kolloquium mit Posterpräsentation setzt bewusst auf die Öffnung bereits bestehender Lehrveranstaltungen und schafft so Sichtbarkeit für DH-bezogene Lehre in der Universitätsallianz Ruhr (UAR). Wer ein ähnliches Zertifikat einführen möchte, sollte wissen: Die größten Herausforderungen liegen in der Information von Lehrenden und der Akquise von anrechenbaren Lehrveranstaltungen sowie in der Abstimmung im Verbund. Unterschiedliche Anrechnungsregelungen und Zuständigkeiten erforderten viel Koordinationsaufwand in der Pilotphase. Hilfreich ist es, Prozesse fortlaufend nachzusteuern sowie Lehrende frühzeitig aktiv mit einzubinden.
Maßnahme anzeigen
Flexibilisierung von Konferenzformaten – Perspektiven auf Inverted-Classroom-Tagungen
Der Beitrag vergleicht Konferenzerfahrungen von Teilnehmenden einer Inverted-Classroom-Tagung mit Präsenztagungen. Während die Perspektive der Teilnehmenden bei ‚klassischen‘ Formaten untersucht wurde, fehlt es an Einblicken wie Tagungsteilnehmende ‚moderne‘ Konferenzformate bewerten. Im Fokus steht die Frage, welche Unterschiede zwischen den verschiedenen Formaten wahrgenommen werden. Dafür wurden Teilnehmende (N = 81) einer Inverted-Classroom-Tagung befragt. Die Ergebnisse geben Einblicke in die Perspektive der Teilnehmenden und zeigen am Beispiel von Inverted-Classroom-Tagungen, dass Abweichungen von klassischen Tagungsformaten positiv bewertet werden.
Publikation anzeigen