
Flächenbuffet: Hochbeete zur Visualisierung verfügbarer Ressourcen
Die Erde bietet uns eine begrenzte Ressource. Ein wichtiger Punkt ist die Produktion von Nahrungsmitteln. Hierfür wird Ackerland benötigt. Es sind jedoch lediglich 3 % der Erdoberfläche geeignet, um Nahrungsmittel anzubauen. Vielen Menschen, darunter auch jungen Erwachsenen, fällt es schwer sich vorzustellen, welche globalen und lokalen Herausforderungen der Nachhaltigkeit im Food-System aus der Tatsache des begrenzten Ackerlands resultieren. Über die Frage „Wie viel Ackerfläche benötigt mein Mittagessen?“ leistet das Flächenbuffet in Form von zwei Hochbeeten eine praxisnahe Visualisierung. Studierende können sich auf dem Hochschulgelände gemeinsam mit Lehrenden treffen und die Hochbeete als Anlass für einen interaktiven, spannenden Austausch nutzen. Über Spaghetti mit und ohne fleischhaltige Sauce wird das Thema nahbar und greifbar.
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Beschreibung
Herausforderung
Ernährung und Essverhalten bringen zahlreiche Herausforderungen für Umwelt und Gesundheit mit sich. Im Hochschulalltag kann Ernährung nebensächlich sein, es wird schnell, zwischendurch irgendetwas gegessen, z. B. beim Bäcker. Es soll gut schmecken und günstig sein, über die globale Situation oder die damit verbundenen Herausforderungen wird wenig nachgedacht. Somit sind auch die Sustainable Development Goals (SDG) scheinbar weit weg und wenig greifbar.
Herangehensweise
Es wurden zwei Hochbeete aufgebaut und bepflanzt. In einem Hochbeet wachsen alle Zutaten für eine Portion Spaghetti mit Tomatensoße, im anderen für eine Portion Spaghetti Bolognese. Für Spaghetti mit Tomatensoße werden Hartweizen für die Nudeln, Tomaten, Zwiebeln und etwas Öl (symbolisiert durch eine Sonnenblume) benötigt. Diese Zutaten beanspruchen zusammen 0,53 Quadratmeter.
Für Spaghetti Bolognese kommen zu den gleichen pflanzlichen Zutaten 125 Gramm Schweinehackfleisch hinzu. Daher werden im zweiten Hochbeet zusätzlich Futterpflanzen für das Schwein angebaut, aus denen das Schwein 125 g Fleisch erzeugen kann. Hierfür werden 1,62 Quadratmeter mit Soja, Gerste und Triticale benötigt, sodass dieses Hochbeet insgesamt 2,15 Quadratmeter umfasst. Besuchende erkennen so unmittelbar den unterschiedlichen Flächenbedarf und, dass Fleischproduktion ebenfalls Fläche erfordert. Darauf aufbauend kann die Flächennutzung unserer Ernährung anschaulich, vertieft und kontrovers diskutiert werden.
Zusammenhang
Zunächst wurde das Flächenbuffet im Rahmen eines Integrationsseminars im Studienschwerpunkt BLW – Hotel- und Gastronomiemanagement eingebunden. Im Studiengang Agrarwirtschaft haben die Studierenden sich mit der Umsetzung und vertieft über Seminararbeiten mit dem Thema Flächenbedarf und Ernährung beschäftigt. Des Weiteren wurde das Flächenbuffet bei Veranstaltungen vorgestellt. Die Fläche ist frei zugänglich, sodass die Hochbeete jederzeit in Lehrveranstaltungen eingebunden werden können.
Voraussetzung
Für die Erstellung der Hochbeete wurden folgende Materialien benötigt:
Mit insgesamt vier Europaletten wurde der Untergrund geschaffen. Für das kleinere Hochbeet ist eine Palette, für das größere sind drei Paletten notwendig. Die Hochbeete sind damit transportabel und können auch auf versiegelten Flächen eingesetzt werden. Alternativ ist eine Bepflanzung im natürlichen Boden möglich. Als Umrandung wurden Kanthölzer aus Lärche (10 x 10 Zentimeter) in den Längen 0,53 Meter, 2,15 Meter und 1,00 Meter im Sägewerk bestellt. Je nach gewünschter Höhe werden mehrere Kanthölzer übereinander angebracht und an der Innenseite mit einer Holzleiste und Schrauben verbunden. Die Kanthölzer werden wechsellagig angeordnet, sodass über Eck ein Kreuzmuster entsteht. Die Innenseiten sind mit Vlies und Noppenfolie ausgekleidet, das Beet ist mit Gartenerde gefüllt. Die Materialkosten können – je nach Höhe der Umrandung – bis zu 1.000 Euro betragen
Eignung
Im Rahmen von Besichtigungen entstehen je nach Besuchergruppe teils kontroverse Diskussionen. Dabei wird der Faktor Fleisch bzw. tierische Produkte in der menschlichen Ernährung meist direkt aufgegriffen. Die kritische Reflexion über die Art und Weise der Erzeugung tierischer Produkte, insbesondere im Hinblick auf die Fütterung, zeigt ein vertieftes Interesse am Themenfeld.
Über Seminare und Hausarbeiten kann das Thema wissenschaftlich fundiert von Interessierten weiterverfolgt werden. Die Studierenden zeigten ein hohes Interesse, was sich in den gewählten Schwerpunkten ihrer Seminar- und Hausarbeiten widerspiegelte.
Vorgehen/Schritte
Der Aufbau und die Bepflanzung der Hochbeete sollten von fachkundigen Kolleg*innen an der Hochschule geplant und ggfs. umgesetzt werden. Hier können zudem Studierende - je nach Studienschwerpunkt - direkt eingebunden werden (Berechnung der Aussaatmengen, Aufbau der Beete, Beschaffung von Saatgut). Falls eine Umsetzung von hochschulinternen Personen nicht möglich ist, sollten zusätzliche Kosten für Landschaftsgärtner o.ä. eingeplant werden.
Hinweise
Effekte
Im Vorfeld sollte ein Plan erarbeiten, wie, wann und von wem das Hochbeet instandgehalten wird.
Insbesondere in den Sommermonaten, Verantwortung für die Bewässerung frühzeitig regeln.
Bewusstsein schaffen, dass die Pflanzen saisonalen Veränderungen unterliegen, d.h. das Hochbeet im Mai anders aussieht als im Oktober.
Innerhalb der Hochschule regelmäßig kommunizieren und die interdisziplinäre Nutzbarkeit vor allem in der Nachhaltigkeitsbildung aufzeigen.
Learnings
Der ideale Zeitraum für eine Besichtigung der Hochbeete liegt zwischen Juni und August. Dieser Zeitpunkt sollte bei der Planung von Lehr‑ und Besichtigungsveranstaltungen berücksichtigt werden.
Im zweiten Jahr wurde im Hochbeet mit den Zutaten für die Bolognese ein Staketenzaun angebracht. So wird visualisiert, dass alle Pflanzen innerhalb des Zauns für die Fütterung der Tiere und damit für die Fleischproduktion benötigt werden.
Empfehlung
Alternativ kann das Beet auf gewachsenem Boden angelegt werden. Die Umrandung muss dabei nicht besonders hoch sein, eine Reihe Kanthölzer mit 10 x 10 Zentimetern kann ausreichen.
Für das Gericht Spaghetti Bolognese ist es empfehlenswert, eine weitere Beilage, zum Beispiel Tofu-Hack oder Gemüse im Umfang von 125 Gramm, anzubauen, um die Gerichte hinsichtlich ihrer Masse anzugleichen.
Alternativ könnte die Kalorienzahl beider Gerichte ausgeglichen werden. In beiden Fällen benötigt das kleinere Flächenbuffet von Spaghetti mit Tomatensoße zwar eine etwas größere Anbaufläche, bleibt aber dennoch unter der Variante Spaghetti Bolognese.
Tipps
Es könnte zusätzlich eine Variante aufgebaut werden, die zeigt, welche Fläche benötigt wird, wenn das Hackfleisch aus Rindfleisch stammt. Dafür wird zwar mehr Fläche benötigt, diese wird jedoch überwiegend mit Gras bewirtschaftet (je nach Fütterungskonzept). So kann ein Bezug zu den rund 7 Prozent der Erdoberfläche hergestellt werden, die als Grasland genutzt werden.
Sonstiges
Die Pflanzen sind nicht gleichzeitig erntereif. Ernten Sie die ersten Kulturen (z. B. Gerste) und füllen Sie die Produkte in ein wasserdichtes Gefäß, das auf der abgeernteten Fläche aufgestellt wird. So bleibt die Pflanze sichtbar, bis die letzte Kultur geerntet ist. Verwenden Sie ggfs. Sommerweizen/-gerste, damit nicht direkt im Herbst erneut ausgesät werden muss. Triticale kann durch Gerste ersetz werden. Aussaat im Herbst ermöglicht die Teilvisualisierung der Kulturen bei Besichtigung im Mai.
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