
Digitaler Fachbereich / Digitale Lehr- & Lehrinfrastruktur: Flexible Raumgestaltung
Die Maßnahme „Flexible Raumgestaltung“ greift die Herausforderung auf, dass herkömmliche Seminarräume oft zu starr für unterschiedliche Lehr‑, Lern‑ und Austauschsettings sind und somit informelles sowie interdisziplinäres Arbeiten kaum fördern. Durch partizipative Design‑Thinking‑Workshops mit Studierenden, Lehrenden und Technik‑Expert*innen wurden drei Piloträume (Co‑Working Space, Snoozle Space & Creative Learning Space) mit flexiblen Zonierungen, beweglichem Mobiliar und digitaler Whiteboard‑Technik konzipiert und entworfen sowie umgesetzt.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Mit der Maßnahme „Flexible Raumgestaltung“ wurde die Starrheit klassischer Seminarräume angegangen, um informelles Arbeiten und hybride Lehr‑Lernszenarien zu ermöglichen. Ziel war es, Studierenden außerhalb von Veranstaltungen attraktive, lernförderliche Umgebungen zur Verfügung zu stellen (z.B. für Selbstlernphasen, Projektarbeit & Kollaboration). Für Lehrende fehlte eine Verknüpfung von physischem und digitalem Raum, die für zeit‑ und ortsunabhängiges Lehren essenziell ist.
Herangehensweise
Die Lösung basierte auf einem partizipativen, nutzerzentrierten Gestaltungsprozess: In mehreren Design‑Thinking‑Workshops wurden Studierende, Lehrende, E‑Learning‑Beauftragte sowie Technik‑Expert*innen eingeladen, Anforderungen und Nutzungsszenarien zu skizzieren und Prototypen für drei Raumtypen (Co‑Working, Snoozle, Creative Learning) zu entwickeln. Bei der Neugestaltung des Raumkonzeptes stand die `Student Experience´ im Zentrum. Das Campusleben wurde nicht allein als Lehr- und Lernumgebung, sondern ganzheitlich betrachtet. Der Campus soll ein positiver, sozialer Interaktionsraum sein, der den Studierenden und Mitarbeitenden eine akademische Heimat bietet.
Es wurden Piloträume mit flexiblen Zonierungen, variablem Mobiliar und digitalen Whiteboards konzipiert, um sowohl informelles Lernen als auch hybride Lehr‑Lernszenarien zu ermöglichen. Technisch wurde Wert gelegt auf eine barrierearme, intuitive Bedienbarkeit aller digitaler Tools.
Zusammenhang
Es fanden drei Workshops mit Studierenden, Mitarbeitenden, E-Learning-Expert*innen und Professor*innen statt. In diesen wurden die Auswahl der Räume und ihre Gestaltung skizziert und anschließend umgesetzt. Die Maßnahmen wurden in mehreren Iterationen erprobt und evaluiert.
Voraussetzung
Für die erfolgreiche Umsetzung der Maßnahme waren mehrere zentrale Voraussetzungen entscheidend:
1. Infrastruktur & Finanzierung: Die Umgestaltung erforderte ein realistisches, schrittweises Raum‑ und Technikbudget.
2. Partizipation & Bedarfsanalyse: Essenziell war die frühe Einbindung aller Stakeholder in einem Design‑Thinking‑Prozess: Nur so konnten konkrete, alltagstaugliche Anforderungen identifiziert und Raumkonzepte realitätsnah ausgestaltet werden.
3. Technische Ausstattung & Wartung: Digitale Whiteboards, stabiles WLAN und intuitive Bedienbarkeit mussten zuverlässig bereitstehen und regelmäßig gewartet werden. Ein niedrigschwelliger technischer Support war notwendig, um Akzeptanz bei Lehrenden und Studierenden zu sichern .
Eignung
Raumnutzungsanalysen: Die kontinuierlich gestiegene Buchungsfrequenz – insbesondere des Co‑Working Space – belegte die hohe Akzeptanz und praktische Relevanz der Räume. Insbesondere projektorientierte Veranstaltungen und interdisziplinäre Module nutzten die neuen Raumangebote regelmäßig .
Beobachtungen & Nutzer*innenrückmeldungen: Studierende berichteten, dass die flexible Möblierung, Rückzugszonen (Snoozle Space) und das Angebot digitaler Tools ihre Zusammenarbeit erleichterten. Auch hybride Meetings ließen sich durch die technische Ausstattung problemlos umsetzen.
Vorgehen/Schritte
Umfassende Bedarfsanalyse: Für die zielgerichtete Weiterentwicklung von digitalen und flexiblen Lehr- und Lernangeboten ist eine fundierte Bedarfsanalyse unerlässlich. Diese sollte systematisch und fachbereichsübergreifend durchgeführt werden, um die Ausgangslage realistisch abzubilden und Entwicklungsschritte bedarfsgerecht zu gestalten. Dabei ist es essenziell, alle relevanten Zielgruppen einzubeziehen, insbesondere Studierende, Lehrende, Verwaltungspersonal sowie zentrale Unterstützungsstellen. Nur durch die aktive Einbindung dieser Gruppen können bestehende Herausforderungen, ungenutzte Potenziale und konkrete Unterstützungsbedarfe frühzeitig erkannt werden.
Physische Lehr- und Lernräume: Für eine effektive Nutzung physischer Lern- und Aufenthaltsräume ist eine klare Zonierung zu empfehlen. Arbeits- und Erholungsbereiche sollten deutlich voneinander getrennt sein, um sowohl konzentriertes Arbeiten als auch entspannte Pausen zu ermöglichen.
Digitale Lehr- und Lernräume: Neben analogen Lehr-und Lernräumen sollten digitale Räume im LMS für die Durchführung von Lehrveranstaltungen und digitalen Sprechstunden genutzt werden. Sie bieten einen klaren Mehrwert in der Betreuung von Studierenden und ermöglichen eine flexible, niedrigschwellige Kommunikation, insbesondere für Studierende, die nicht regelmäßig vor Ort sein können. Weniger bewährt haben sich hingegen die eigens eingerichteten digitalen Selbstlernräume für Gruppenarbeiten. Studierende nutzen für diese Zwecke lieber frei verfügbare, intuitiv bedienbare Tools, mit denen sie bereits vertraut sind.
Weiterentwicklung und Ausbau hybrider Lehr- und Lernräume: Um der zunehmenden Heterogenität der Studierenden und den Anforderungen flexibler Studienmodelle gerecht zu werden, sollten hybride Lehr- und Lernräume systematisch weiterentwickelt werden. Wesentliche Elemente sind eine leistungsfähige Netzwerk-Infrastruktur, flächendeckendes WLAN sowie hochwertige Medientechnik wie flexible Kamera- und Mikrofonlösungen, interaktive Displays und modulare Möblierung. Die Räume sollten multifunktional gestaltet sein, um unterschiedliche Formate wie Präsenzveranstaltungen, hybride Sitzungen oder Gruppenarbeiten zu ermöglichen. Zudem ist eine gute Abstimmung zwischen Raumvergabe und Lehrplanung notwendig, um hybride Nutzungsszenarien effizient umzusetzen.
Niederschwellige Technik: Für die erfolgreiche Digitalisierung der Lehre ist eine benutzerfreundliche, sofort funktionierende Technik entscheidend. Die Systeme müssen auf Anhieb funktionieren, damit die Lehrveranstaltung ohne Verzögerung beginnen kann. Auch die Umsetzung digitaler Lehrangebote sollte möglichst einfach sein. Uploads, Kursgestaltung oder Prüfungsformate müssen ohne spezielles technisches Wissen oder hohen Zeitaufwand realisierbar sein. Empfohlen wird, vorhandene Systeme auf Bedienbarkeit zu prüfen, technische Standards zu vereinheitlichen und leicht zugängliche Supportstrukturen zu schaffen.
Hinweise
Effekte
Erwartete Effekte: Die neuen Räume stärkten die soziale Interaktion, Kreativität und Selbstorganisation der Studierenden spürbar. Insbesondere im Creative Learning Space wurden kollaborative Methoden intensiver genutzt, und hybride Lehr‑Lernformate ließen sich technisch reibungslos umsetzen. Lehrende bestätigten eine erhöhte Aktivierung der Lernenden und eine produktivere Arbeitsatmosphäre in den Workshops und Projektphasen.
Unerwartete Effekte: Ein überraschender Nebeneffekt war, dass auch außerhalb der Lehrveranstaltungen vermehrt Studierendengruppen eigeninitiativ in den Räumen arbeiteten, was auf ein hohes Bedürfnis nach informellen Lernorten hinweist. Zudem wurde der Snoozle Space – ursprünglich als Rückzugsraum geplant – deutlich stärker als Gruppenarbeitsplatz genutzt.
Learnings
1. Raum wirkt als „dritter Pädagoge“: Die Gestaltung physischer Räume beeinflusst das Lernverhalten stark. Flexible Möblierung, Zonierung und technische Ausstattung können Eigenverantwortung, Kreativität und soziale Interaktion signifikant fördern.
2. Partizipation schafft Akzeptanz und Passung: Die Einbindung von Studierenden, Lehrenden und Technikexpert*innen im Design‑Thinking‑Prozess war zentral. Nur durch reale Nutzungserfahrungen konnten Anforderungen alltagsnah abgebildet und unnötige Ausstattung vermieden werden.
3. Technik allein genügt nicht: Trotz guter Ausstattung ist Raumgestaltung nur dann wirksam, wenn auch methodische Konzepte zur Nutzung vorliegen.
4. Räume verändern Routinen – positiv und herausfordernd: Lehrende und Studierende nutzten die Räume vielfältiger als geplant, was neue pädagogische Potenziale eröffnete. Gleichzeitig entstanden neue Erwartungen, die strategisch abgefedert werden müssen, um Überforderung oder Unzufriedenheit zu vermeiden.
Tipps
1. Frühzeitig Bedarfe erfassen: Führen Sie vor Planungsbeginn kurze Interviews oder Fokusgruppen mit Studierenden und Lehrenden durch.
2. Räume gemeinsam denken: Beziehen Sie Didaktiker*innen, IT‑Support und Studierende ein. Räume funktionieren am besten, wenn Technik, Möblierung und Didaktik aufeinander abgestimmt sind.
3. Skalierbare Möblierung wählen: Setzen Sie auf leicht verschiebbares, multifunktionales und gleichzeitig bequemes Mobiliar sowie mobile Trennwände.
4. Digitale Ausstattung niedrigschwellig halten: Vermeiden Sie überkomplexe Technik.
5. Buchung und Sichtbarkeit sicherstellen: Integrieren Sie die Räume in bestehende Buchungssysteme.
6. Feedback nicht vergessen: Stellen Sie einfache Feedback‑Mechanismen bereit (z. B. QR‑Codes)
Sonstiges
1. Räume sind mehr als Infrastruktur: Die Gestaltung von Lernräumen signalisiert, wie eine Hochschule Lehre versteht.
2. Kleine Maßnahmen können große Wirkung entfalten: Flexible Möbel, gute Akustik, mobile Whiteboards und Licht können bestehende Räume erheblich aufwerten.
3. Innovationsräume schaffen Innovationsdruck: Piloträume erzeugen Inspiration und Lust auf mehr – aber auch den Wunsch nach Gerechtigkeit im Zugang.
Methoden
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