
Digitales Selbstlernpaket „KorPLUS“
Studierenden fehlt Routine bei der Anwendung von fachlichen Methoden; Dozierende begegnen einer heterogenen Studierendengruppe. Während regulärer Präsenzlehre fehlt Zeit für häufiges Wiederholen; der heterogene Kenntnisstand führt zu Langeweile oder Überforderung. Als Lösung wurde ein digitalisiertes, interaktives Selbstlernpaket erstellt, welches Studierende selbstständig auf ihre eigenen Bedürfnisse angepasst bearbeiten können.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Studierenden fehlt oft die Routine im Umgang mit fachlichen Methoden wie Korpusabfragen; sie benötigen viel Übung und Transfer. Gleichzeitig ist die Lerngruppe sehr heterogen: Einige können sofort komplexe Abfragen durchführen, andere brauchen Grundlagen. In der Präsenzlehre fehlt jedoch meist die Zeit für Wiederholung, sodass unterschiedliche Vorkenntnisse schnell zu Langeweile oder Überforderung führen.
Herangehensweise
Als Lösung dieser Probleme wurde ein digitalisiertes, interaktives Selbstlernpaket erstellt, welches Studierenden sowohl die theoretischen Grundlagen als auch praktische Übungsmöglichkeiten für den Erwerb von corpus literacy vermittelt. Dieses ist als OER verfügbar und kann entweder als komplettes Modul von Studierenden eigenständig bearbeitet werden oder in Teilen als blended-learning Baustein von Dozierenden in die eigene Lehre integriert werden. Studierende können Inhalte und Aufgaben, die zum Erwerb von corpus literacy verhelfen, individuell und auf ihre eigenen Bedürfnisse angepasst bearbeiten. Fortgeschrittene Studierende haben die Möglichkeit, grundlegende Units, deren Inhalte sie bereits beherrschen, zu überspringen; Studierende, die sich erst einmal die Grundlagen erarbeiten müssen, können dies in ihrem eigenen Tempo mit so vielen Wiederholungen wie nötig tun.
Zusammenhang
Die Maßnahme wurde in mehreren Lehrveranstaltungen getestet. In der „Introduction to English Linguistics“ im Basismodul kamen die Grundlagen-Units in einer Selbstlernphase zum Einsatz. Im regelmäßig stattfindenden Aufbaumodul-Seminar wurden sie ebenfalls genutzt. In einem Vertiefungs- oder Masterseminar wurde schließlich das gesamte Selbstlernpaket im Blended-Learning-Format eingesetzt.
Voraussetzung
Die Dozierenden selbst müssen ein Grundverständnis von Korpusabfragen besitzen, um auf eventuelle Rückfragen eingehen zu können. Studierende und Dozierende benötigen Nutzerkonten für die OER-Plattform (www.oer-vlc.de), auf der das Selbstlernpaket verfügbar ist, und für das Korpus-Interface (www.english-corpora.org), das Gegenstand des Selbstlernpakets ist.
Für Teilnehmende ist ein ausgeprägtes metasprachliches Bewusstsein von großem Vorteil, denn das Kom-petenzziel der corpus literacy baut auf diesem auf und trägt zu seiner Erweiterung bei.
Eignung
Das Selbstlernpaket KorPLUS wurde von der ISLE mit dem Teaching Innovation Prize 2025 ausgezeichnet. Es verzeichnet inzwischen über 120 Nutzende, frühere Teilversionen weitere 250. Studierende bewerten das Paket in Gesprächen sehr positiv, besonders wegen der zahlreichen Übungsmöglichkeiten. In der Lehrevaluation des Aufbaumoduls (N = 14; WiSe 24/25 und SoSe 25) lag der wahrgenommene Lernzuwachs auf einer 5-stufigen Likertskala bei durchschnittlich 4,21 („ziemlich viel“ bis „sehr viel“). Fünf Studierende hoben das Selbstlernpaket zudem in einer offenen Frage erneut ausdrücklich als besonders gelungen hervor.
Vorgehen/Schritte
Login für OER-Plattform (www.oer-vlc.de) und Korpus-Interface (www.english-corpora.org) erstellen.
(falls noch wenig Erfahrung mit Korpusabfragen vorhanden) Selbstlernpaket selbst durcharbeiten und Routine im Umgang mit dem Korpus-Interface bekommen
falls Erfahrung mit Korpusabfragen vorhanden) Selbstlernpaket selbst durcharbeiten (insgesamt ca. 30 Arbeitsstunden)
grundlegende Entscheidung: Soll das Selbstlernpaket (a) komplett oder (b) in Teilen verwendet werden?
grundl. Entscheidung: Soll das Selbstlernpaket von Studierenden während einer reinen Selbstlernphase o. im blended-learning Format bearbeitet werden
konkrete Integration in die geplante Lehrveranstaltung
Hinweise
Effekte
Obwohl das Selbstlernpaket sehr ausführlich und zeitintensiv ist, haben die Studierenden Spaß bei der Bearbeitung.
Die Studierenden sind nach der Bearbeitung sicherer und souveräner beim Durchführen von Korpusabfragen.
Das „Hosten“ des Lernpakets in einem Moodle-Kurs, der an eine Universität gebunden ist (ursprünglicher Plan), war mit einigen Einschränkungen verbunden (z.B. Zugang für Gäste). Die Erstellung auf einer OER-Plattform macht vieles leichter.
Tipps
Diese Maßnahme ist zugeschnitten auf ein bestimmtes Korpus-Interface. Die Grundlagen gelten für Korpusverwendung allgemein, aber die konkreten Nutzungshinweise und -empfehlungen können nicht zwingend übertragen werden.
Das Korpus-Interface ist aktuell das weltweit meistgenutzte in Forschung und Anwendung.
Methoden
Empfohlen
Nicht empfohlen
Kontakt
Das könnte Sie auch interessieren

Bildung reaktiv, integrativ, dynamisch gestalten
Die Technische Hochschule Deggendorfist geprägt von einem stark steigenden Anteil international Studierender (WS 24/25 bei 48%), was aufgrund kultureller und sprachlicher Barrieren, sowie unterschiedlichen Wissensständen zu spezifischen Problemen wie sehr diversen Lerngruppen, hohen Studienabbruchquoten und sozialen Konflikten führt. Die bisherigen Maßnahmen führten zu keiner zufriedenstellenden Lösung. Mit dem Projekt BRIDGE (Bildung reaktiv, integrativ, dynamisch gestalten) sollen die Lehrstrukturen, Entscheidungsprozesse und begleitenden Studienstrukturen angepasst werden um langfristig eine Verbesserung des Lernerfolgs und der sozialen und beruflichen Integration internationaler Studierender, sowie der Anpassungsfähigkeit der Hochschule zu erreichen. Im Kern stehen dabei die systematische Verbreitung von innovativen Lern- und Lehrformen, die durch Individualisierung, Kompetenzorientierung und sozialen Austausch Lernerfolge, sowie soziale und berufliche Integration fördern. Gleichzeitig soll durch die Etablierung einer partizipativen und datengestützten Hochschulgestaltung die Bedarfsorientierung der Lehre und der Unterstützungsmaßnahmen, und langfristig der Anpassungsfähigkeit der Hochschule sichergestellt werden. Weitere Aspekte umfassen Sozialinnovationen, wie die Erhöhung der interkulturellen Kompetenz von Personal und Studierenden, sowie die Anpassung von technischen Strukturen und den Aufbau von Netzwerken.
Projekt anzeigen
Das Digital-Humanities-Zertifikat der UA Ruhr
Im Verbund der Universität Duisburg Essen, der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund wurde ein hochschulübergreifendes Digital-Humanities-Zertifikat implementiert, das Studierenden aller drei Standorte eine formale Zusatzqualifikation ermöglicht. Das dreistufige Modell aus Einführung, Vertiefung und Kolloquium mit Posterpräsentation setzt bewusst auf die Öffnung bereits bestehender Lehrveranstaltungen und schafft so Sichtbarkeit für DH-bezogene Lehre in der Universitätsallianz Ruhr (UAR). Wer ein ähnliches Zertifikat einführen möchte, sollte wissen: Die größten Herausforderungen liegen in der Information von Lehrenden und der Akquise von anrechenbaren Lehrveranstaltungen sowie in der Abstimmung im Verbund. Unterschiedliche Anrechnungsregelungen und Zuständigkeiten erforderten viel Koordinationsaufwand in der Pilotphase. Hilfreich ist es, Prozesse fortlaufend nachzusteuern sowie Lehrende frühzeitig aktiv mit einzubinden.
Maßnahme anzeigen
KI-unterstützte Programmierung mittels ergebniszentrierter Fehlerklassifikation. Potenziale zur Schaffung neuer Lernräume
Programmierkenntnisse gewinnen in technischen Studiengängen zunehmend an Bedeutung. Jedoch stehen in Programmierübungen häufig zu wenige Tutor:innen zur Verfügung, die die Studierenden beim Lösen der Programmieraufgaben unterstützen. Deshalb wird ein KI-System entwickelt, das die Studierenden jederzeit und individuell beim Lösen der Programmierübungen unterstützt. Im Gegensatz zu klassischen Ansätzen analysiert das KI-System nicht den programmierten Code, sondern fokussiert sich auf die Zwischen- und Endergebnisse (z. B. erzeugte Daten, Plots). Anhand dieser gibt das KI-System Hinweise und Erklärungen, um das selbstständige Arbeiten und kritische Denken ohne Musterlösung zu fördern. Ein erster Prototyp wurde im Rahmen einer Programmierübung eingesetzt und mit positiver Resonanz evaluiert.
Publikation anzeigen