
Digi. Wildbienenbestimmung in der Biologiedidaktik
Mit einer speziellen Lehr-Nisthilfe, die einen Blick ins Innere der Nester von Wildbienen und solitären Wespen erlaubt und einer frei verfügbaren Bestimmungs-App können Studierende die originale Naturerfahrung mit Wildbienen beginnen oder vertiefen. Die beiden Tools wurden so konzipiert, dass sie von Lehramtstudierenden im praktischen Schulalltag im Kontext forschend-entdeckendes Lernen verwendet werden können. Das Schulungsmaterial für Studierende und Lehrende wurde so entwickelt, dass sie eigenständige Bestimmungen durchführen können und Unterrichtmaterialien für die schulische Praxis an die Hand bekommen.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Die Zahl der ArtenkennerInnen nimmt rasant ab, sowohl bei Lehrenden als auch bei den Lernenden. Das fehlende Wissen um die Arten führ dazu, dass in der Lehre der direkte Kontakt mit Insekten vermehrt gemieden wird. Gleichzeitig befinden wir uns in einer Biodiversitätskrise. 50% der in Deutschland heimischen Wildbienenarten sind gefährdet. Um die ursächlichen Zusammenhänge und mögliche Lösungsszenarien zu vermitteln, braucht es einen Zugang zu diesem Themenbereich.
Herangehensweise
Das Paket aus Lehr-Nisthilfe und Bestimmungs-App wurde entwickelt, um Studierenden und Lehrenden einen spielerischen, motivierenden Einstieg in das Feld der Bestäuberinsekten zu ermöglichen und einen Zugang zum forschend-entdeckenden Lernen im eigenen Lebensumfeld (Universität, Schule) zu ermöglichen.
Die App führt die NutzerInnen Schritt für Schritt durch die Bestimmung eines Wildbienennests. Die Neststrukturen jeder Wildbienenart sind so speziell, dass sich allein am Nest die Art identifizieren lässt. Zudem lässt sich in der Nisthilfe das Verhalten der Tiere und deren Parasiten beobachten, was zu vertieften Forschungsprojekten anregen kann.
Die Auseinandersetzung mit der Lebensweise von Wildbienen regt in vielen Fällen den Wunsch nach sinnvollen Artenschutzmaßnahmen im eigenen Umfeld an, wie beispielsweise das einsähen einer Wildblumenwiese auf dem Universitätsgelände.
Zusammenhang
Die Maßnahme wurde seit der Fertigstellung der Bestimmungs-App 2024 in diversen Lehrveranstaltungen (Imkerseminar, Wildbienenseminar) mit Studierenden erprobt. Außerdem wurden Bestimmungs-App, Nisthilfe und Unterrichtsmaterialien durch Studierende in ihren Zulassungsarbeiten an Schulen erprobt, sowie direkt durch uns mit Schulklassen evaluiert und kontinuierlich verbessert.
Voraussetzung
Technische Voraussetzungen der Bestimmungs-App:
• Sie darf nur Merkmale abfragen, die „Laien“ erkennen können
• Sie muss eine große Fehlertoleranz haben, um bei schwer erkennbaren Merkmalen trotzdem noch zur richtigen Art zu führen
• Sie muss auf Smartphones und Tablets ohne Internetverbindung laufen, um Draußen einsetzbar zu sein
Organisatorische Voraussetzungen:
• Die Lehr-Nisthilfe muss im Februar an einen sinnvollen Standort gestellt werden, um über die Wildbienensaison Beobachtungen der Nester anstellen zu können
• Eine schnelle Nachbestimmung der durch die Studierenden bestimmten Nester ist zeitaufwändig und muss eingeplant werden
Voraussetzungen in der Umsetzung:
• Für die Einarbeitung in das Thema Wildbienen und der Umgang mit der Bestimmungs-App sollte Zeit eingeplant werden
Eignung
Artenkenntnis:
• Die Artenkenntnis der Teilnehmenden steigt durch das Projekt. Etwa 75% der Nester werden nach vorherigen Schulungen korrekt einer Art oder Artengruppe zugeordnet.
• Die Hemmungen vor der Arbeit mit Insekten wird reduziert, da bei der Maßnahme vor allem die Nester betrachtet werden. Das Fangen von Tieren ist nicht notwendig. Trotzdem eignet sich die Lehr-Nisthilfe auch dazu, die Tiere beim Ein- und Ausfliegen in die Nisthilfe und beim Nestbau zu beobachten.
Biodiversitätskrise:
• Die Teilnehmenden lernen durch die Auseinandersetzung mit den Wildbienen, welche naturschutz-fachlichen Maßnahmen im eigenen Umfeld sinnvoll sind und setzen diese auch um.
• Der Erfolg solcher Maßnahmen zeigt messbare Erfolge (je mehr Blütenvielfalt, desto mehr Arten in der Nisthilfe)
Schritte
• Frühzeitig mit den Vorbereitungen (Einarbeitung, Standortwahl für die Nisthilfe) starten, sinnvoll ist Januar oder Februar
• Schulungsangebote nutzen
• Regelmäßige Zeitfenster für die Betrachtung der Nisthilfe zwischen März und September einplanen
• Austausch mit anderen NutzerInnen der Maßnahme (Vernetzung durch sophia.hochrein@uni-bamberg.de)
• Maßnahme gerne über mehrere Jahre nutzen
Hinweise
Effekte
Erwartete Effekte:
• „Wow“ Faktor zu Beginn der Arbeit mit der Maßnahme, da sich die zuvor oft übersehene Welt der Wildbienen eröffnet
• Maßnahme sorgt dafür, dass man genauer hinschaut, sowohl bei den Nestern, als auch bei umherfliegenden Insekten
• Interesse für Pflanzen wird geweckt, die für einige Wildbienenarten essenziell sind
Unerwartete Effekte:
• Genau hinschauen muss erstmal trainiert werden
• Bedienung der App kann je nach digitalen Kompetenzen zur Hürde werden
• Vernetzung der NutzerInnen der Maßnahme hat sich als sehr gewinnbringend erwiesen
Learnings
• Forschend-entdeckendes Lernen muss wieder gelernt werden – mehrere kleine Impulse in Form von frei wählbaren Mini-Forschungsprojekten schafft einen Einstieg
• Das Interesse an der Maßnahme ist nicht gekoppelt an die Anzahl der verschiedenen Arten in der Nisthilfe
Tipps
• Zunächst viele Freiheiten lassen bei der Beobachtung der Nisthilfe, um eigene Beobachtungen zu machen, bevor mal die App nutzt.
• Regelmäßig Zeit einplanen, da sich die Artenzusammensetzung und der Entwicklungszustand der Wildbienen ständig verändert und immer etwas Neues entdeckt werden kann.
• Perfektionismus ablegen und Dinge ausprobieren, egal ob Forschungsideen oder beim Anlegen von Blühwiesen.
Sonstiges
Wenn die Einwerbung weiterer Drittmittel erfolgreich ist, können 2026 weitere Schulungsangebote, eine betreute Projektteilnahme sowie Beratung bei der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen angeboten werden. Informationen dazu finden Sie auf unserer Webseite ( https://www.uni-bamberg.de/nawididaktik/forschungsgebiete-kooperationen/) oder wenden Sie sich an die Verantwortlichen (Dr. Yelva Larsen oder Sophia Hochrein).
Methoden
Empfohlen
Nicht Empfohlen
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