
Nutzer:innenzentrierte Perspektive einnehmen
Um hochkomplexe Inhalte besser zugänglich zu machen, haben wir gezielt eine nutzer:innenzentrierte Perspektive eingenommen. Dafür haben wir typische Verständnishürden und potentielle Fehlerquellen von Nutzer:innen ohne Vorerfahrung in diesem Bereich identifiziert und in die Überarbeitung der Materialien einbezogen. Diese Maßnahme wurde im Rahmen der Überarbeitung eines frei-zugänglichen Online-Tutorials zur Erstellung von Open Educational Resources (OER) für die Hochschullehre umgesetzt.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Die zentrale Herausforderung war es, komplexe Inhalte rund um offene und barrierefreie OERs inklusive ihrer technischen und inhaltlichen Umsetzung so aufzubereiten, dass sie für Lehrende ohne Vorkenntnisse verständlich und direkt umsetzbar sind. Ziel war es, technische Einstiegshürden zu reduzieren und die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit offenen Bildungsformaten zu fördern.
Herangehensweise
Wir haben zum einen den Wissensstand von Workshop-Teilnehmenden als auch weiteren interessierten Lehrpersonen abgefragt, zum anderen konnten wir die Projekteinarbeitung von neuen Mitarbeitenden ohne technisches Vorwissen nutzen, um Inhalte passgenau und verständlich aufzubereiten. Dabei standen Anwendungsfreundlichkeit sowie die Identifikation und das Vorbeugen von Nutzungsfehlern im Fokus, sodass nur minimal technische Vorkenntnisse vorausgsesetzt sind. Durch regelmäßiges Feedback aus Workshops wurde das Material iterativ optimiert, um sicherzustellen, dass es direkt anwendbar ist. Diese Perspektive half, Einstiegshürden abzubauen und die Motivation zur Nutzung offener und barrierefreier Lehrmaterialien zu steigern, um damit Motivation und Lernerfolg zu fördern.
Zusammenhang
Durch iterative Testung der Lehrmaterialien, wurde die Zugänglichkeit der Inhalte aus Nutzer:innenperspektive evaluiert und angepasst. Dabei lag der Fokus darauf, problematische Strategien und Fehler bei der Materialbearbeitung. anhand praxisnaher Aufgaben und Feedbackrunden möglichst zu eliminieren. Dies resultierte in einer finalen Version des Workshops, die es Nutzer:innen ermöglicht, in kurzer Zeit komplexe technische Herausforderungen selbstbestimmt zu lösen.
Voraussetzung
Für die Durchführung war es entscheidend, im direkten Austausch mit den Nutzer:innen unserer Inhalte zu stehen, um deren unvoreingenommenen Perspektiven nachzuvollziehen. Dieser Austausch fand vor allem im Rahmen praktischer Workshops statt. Besonders hilfreich war zudem, dass neue Mitarbeitende im Projekt selbst in der Hochschullehre tätig waren. Ihre Perspektive als Lehrende und ihre Erfahrungen mit den vorher unbekannten Materialien konnten direkt in die nutzer:innenzentrierte Überarbeitung einfließen und halfen dabei, realen Bedarf und Verständnishürden zu identifizieren und gezielt zu adressieren.
Eignung
Die Wirksamkeit zeigt sich in positiven Rückmeldungen von Workshopteilnehmenden und neuen Mitarbeitenden. Die nutzer:innenzentrierte Gestaltung hat dazu beigetragen, dass sich auch Personen ohne technisches Vorwissen schnell in unseren Inhalten zurechtfinden konnten. Die Einarbeitung neuer Teammitglieder verlief erfolgreich mithilfe der bereitgestellten Materialien, was ein Zeichen dafür ist, dass sie klar, praxisnah und gut verständlich sind. In Lehrveranstaltungen wurden Studierenden einzelne Kapitel unseres Digital Literacy Kurses zum Durcharbeiten gegeben, was ihnen selbstständig gelungen ist. Auch Hiwis konnten nach dem Durcharbeiten der Materialien selbstständig mit den Inhalten arbeiten.
Vorgehen/Schritte
Zielgruppe klar definieren und ihre Vorkenntnisse einschätzen.
Inhalte aus Sicht naiver Lernenden aufbauen, nicht der Expert:innen.
Sprache einfach, präzise und ohne unnötigen Fachjargon halten.
Begriffe und Abläufe visuell und schriftlich doppelt verankern.
Inhalte so gestalten, dass keine spezifischen Tools vorausgesetzt werden.
Didaktisch so planen, dass erste Erfolgserlebnisse schnell erreicht werden.
Adversarial Thinking einüben: gezielt “naive” Perspektiven einnehmen.
Beispielhafte Szenarien entwickeln, in denen typisches Wissen fehlt.
Konkrete Stolperstellen sammeln, z. B. technische Sonderzeichen wie äöü.
Materialien unter realistischen, nicht idealisierten Bedingungen testen.
Rückmeldungen von Nutzer:innen mit unterschiedlichen Kenntnisständen einholen.
Wo nötig, Alternativen oder „Failsafes“ bei erwartbaren Fehlern bereitstellen.
Peer Review mit externer Perspektive einbinden (z. B. Kolleg:innen, Tutor:innen).
Hinweise
Effekte
Die Maßnahme führte zu einer erhöhten Verständlichkeit und einer besseren Umsetzbarkeit der Inhalte. Durch das Einnehmen der Nutzer:innenperspektive konnten wir potenzielle Fehlerquellen identifizieren und gezielt ansprechen und reduzieren, wodurch Frustration bei der Bearbeitung seltener auftrat. Wir konnten unser Zielgruppenverständnis schärfen, insbesondere im Hinblick auf technische Vorkenntnisse und Hürden. Das ermöglichte eine passgenauere Überarbeitung der Kurse. Zudem konnten wir so typische Schwierigkeiten im Vorfeld antizipieren und im Workshop gezielt adressieren.
Learnings
Ein großes Learning war für uns, dass selbst bei intensivem Aufwand, Inhalte aus der Nutzer:innenperspektive aufzubereiten, die Motivation zur Auseinandersetzung nicht automatisch vorhanden ist. Außerdem haben wir erkannt, dass manche Fehlerquellen nicht vollständig vermeidbar sind, weshalb es wichtig ist, die Sensibilität für Fehlermeldungen zu fördern und die Nutzer:innen im Umgang damit zu stärken. Aus dieser Erfahrung heraus haben wir den technischen Workshop umstrukturiert und ein schriftliches Tutorial entwickelt, das ein selbstbestimmtes Arbeiten im eigenen Tempo ermöglicht.
Tipps
Es sollte beachtet werden, dass möglichst viele unterschiedliche Nutzer:innengruppen einbezogen und die Materialien mit verschiedenen Perspektiven getestet werden. Vor einem Workshop empfiehlt es sich, die Inhalte erneut durchzugehen, sich bewusst in eine unerfahrene Perspektive zu versetzen und gezielt Fehler zu provozieren, um potenzielle Hürden frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen.
Sonstiges
Wir haben festgestellt, dass die Bereitschaft zur Verbesserung der Lehre grundsätzlich vorhanden ist. Allerdings sind Zeit- und Arbeitsaufwand große Hürden. Projekte zur Lehrentwicklung sollten diese Faktoren aktiv berücksichtigen und Unterstützung bieten, um mit Lehrenden auf Augenhöhe arbeiten zu können.
Methoden
Empfohlen
Nicht empfohlen
Kontakt
Das könnte Sie auch interessieren

Beziehungsarbeit im digitalen Raum reflexive Professionalität durch ein Konzept für digitale Lehre (KdL) fördern
Die Studiengänge an der ehs qualifizieren Studierende für die Arbeit in sozialen, personenbezogenen Dienstleistungen. Die Corona-Semester mit dem vollständigen Wechsel in die digitale Lehre haben die Herausforderung und Chance aufgezeigt, auch in digitalen Lehr-Lern-Settings reflexive Professionalität, als Basis unserer Studiengänge, qualitativ hochwertig zu vermitteln. Die Innovationsidee besteht in der Erarbeitung eines Konzeptes für die digitale Lehre, welches die Spezifika von Hochschulen mit sozialen, personenbezogenen Studiengängen in den Mittelpunkt stellt und einen Schwerpunkt auf Beziehungsarbeit im digitalen Raum setzt. Entstehen soll ein transformierbares Konzept, welches auch für andere Hochschulen mit ähnlichen Studiengängen umsetzbar ist. Es wird in sechs aufeinander aufbauenden Arbeitspaketen erarbeitet, teil-erprobt und evaluiert. Die Arbeitspakete beinhalten die Gründung des studentischen Think Tank ehs Student Change Makers, die Evaluierung der coronabedingten digitalen Lehre und die Überarbeitung der generellen Lehrevaluation, ein nationales und internationales Scoping, die Zielentwicklung für das Konzept für die digitale Lehre sowie die didaktische Konkretisierung digitaler Lehr-Lernformate mit Teilerprobung
Projekt anzeigen
Erweiterung Versuchstand und Algenkulturen
Durch die Erweiterung des Versuchsstandes um einen zweiten Photobioreaktor konnte zum einen ein redundantes System aufgebaut werden und zum anderen eine didaktisch verbesserte Einteilung der studentischen Versuchsgruppen (auch mit neuen Algenstämmen) erzielt werden.
Maßnahme anzeigen
Effectiveness and Appeal of a Virtual Laboratories
This study investigates the integration of a smartphone-based virtual laboratory into a fourth-semester undergraduate fluid mechanics class on pump–piping systems. The virtual laboratory is designed according to constructive alignment and the SOLO taxonomy to foster deep learning. Students interact with realistic 3D system models, adjust component parameters, and receive real-time feedback based on physical simulations. To identify the effectiveness, a pre- and post-test with 26 paired responses showed a small overall improvement in general knowledge, with medium-to-large gains in specific methodological knowledge and selfassessed competence in handling real fluid systems. Student feedback was collected to assess the appeal of the teaching method. Students rate it highly positive (mean rating = 4.42/5), highlighting increased motivation, engagement, and active participation compared to conventional teaching. Future work will expand the app with additional levels targeting diverse learning objectives in fluid mechanics.
Publikation anzeigen