
Transfergeleitete Adaption eines Learning Designs
Die germanistische Mediävistik kann als herausforderndes, konservatives Umfeld gesehen werden, das dem Transfer digitaler Lehr-Lern-Tools zwischen Universitätsstandorten häufig skeptisch gegenübersteht. Die Zentrierung auf die Bedürfnisse der transfernehmenden Institution, Aufbau eines niedrigschwelligen Supportnetzes und Adaption des Learning Designs, hat den Transfer enorm erleichtert.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Eine Herausforderung des Transfers von Learning Designs zwischen unterschiedlichen mediävistischen Lehr-Lern-Umgebungen liegt in konservativen Fächerstrukturen. Besonders häufig setzen Fachbereiche auf Inhouse-Lösungen und werben Drittmittel für isolierte digitale Lehr-Lern-Tools ein. Diese haben oftmals eine große Schnittmenge mit bereits bestehenden Lösungen anderer Universitäten ohne den Anspruch der Vernetzung. Die Stichworte digital und von außerhalb können zum Transferhindernis werden.
Herangehensweise
Das Learning Design WABE hat nach der Etablierung eines Kommunikationskanals einen Blickverschiebung in der eigenen Weiterentwicklung vollzogen. Das Learning Design sollte nicht nur in Frankfurt hilfreich sein, sondern standortübergreifend. Daher zeigten wir uns zur Adaption des Learning Designs nach Wünschen der transfernehmenden Seite bereit. Der Blickwechsel brachte alte Debatten wieder auf den Schirm (z.B. Begrifflichkeit des Grundwortschatzes) und führte zu neuen Adaptionspotenzialen für neue Anwendungsfälle (z.B. eine bundeslandbedingte Zielgruppenverschiebung von Studienanfänger*innen zu Studierenden vor einer Examensklausur mit hohem Übersetzungsanteil). Hierzu wurden nach der Vorstellung des Tools zwischen beiden Transferpartnern Anwendungsszenarien, Zielgruppenanalysen und Besonderheiten der Lehr-Lern-Umgebung diskutiert. Hieraus konnten Adaptionen in der Nutzung bestehender Funktionen für die neuen Standorte und Wünsche der Transfernehmenden stärker berücksichtigt werden.
Zusammenhang
Die Blickverschiebung bei der Weiterentwicklung von WABE fand im Rahmen der Roll-Out bzw. Transfer-Phase von WABE statt. Währenddessen wurden Kooperationsnetzwerke eröffnet, die einen neuen Umgang erforderten.
Voraussetzung
Für die Durchführung war zunächst ein Vertrauensvorschuss der Transfernehmenden vorausgesetzt. Die Vorstellung eines adaptierbaren Tools ist nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Für die Blickverschiebung im Team der transfergebenden Seite war eine theoretische Grundlage des Neudenkens erforderlich. Das Learning Design war ursprünglich als lokales Selbst-Lern-Tool ausgelegt. Durch die Impulse von Wipper und Schulz (2021) zum Einsatz von „digitalen Helferlein“, eröffnete sich eine neue Perspektive der Adaptierbarkeit des eigenen Learning Designs. WABE konnte nun nicht nur als eigenständiges Selbst-Lern-Tool begriffen werden, sondern als Lehr-Lern-Tool mit einem Fokus auf dem Werkzeugcharakter, der es an unterschiedliche didaktische Konzepte andockbar machte. Hierdurch konnte ein kreativerer didaktischer Umgang erfolgen, der die Optionen zur Adaptierbarkeit erst ermöglichte.
Eignung
Das Learning Design wurde im Transfer an fünf Universitäten aus drei Bundesländern erprobt. Damit ist der Initialtransfer in sehr unterschiedliche Lehr-Lern-Umfelder bereits gelungen. Die Blickverschiebung im Transfergeschehen auf die Bedürfnisse der transfernehmenden Institution hat damit zu einer hohen Annahmequote geführt und neue Anwendungsfelder für das Learning Design im Prozess enthüllt. Zudem brachte die Loskoppelung von der Frankfurter Lehr-Lern-Umgebung bereits erste Adaptionen in Inhalt und Gestaltung mit sich, die auf geäußerte Wünsche (z.B. Inhalte) oder die abschließende Evaluation/Feedbackgespräche zurückgehen (z.B. Überlegungen für einen Dark Mode, Adaption der Darstellungsweise). Der Blickwechsel bedingt damit die erfolgreiche und situative Adaption des Learning Design, was wiederum die Annahme für einen Transfer in strukturkonservativen Bereichen wahrscheinlicher macht.
Vorgehen/Schritte
In einem ersten Schritt sollten Sie die Stärken und Schwächen Ihres eigenen Learning Designs kennenlernen. Ziel muss sein, dass Sie einschätzen können
Lassen Sie sich auf Ihre transfernehmende Institution ein. Bedürfnisse können sich standortspezifisch unterscheiden und doch in ein und demselben Lear
Für einen erfolgreichen Transfer müssen auf die analysierte Lehr-Lern-Umgebung zugeschnittene Lösungen erdacht werden. Es gilt in einem agilen Team st
Es bietet sich an die adaptierten Einsatzpläne und modifizierten Inhalte vor einer größeren Gruppe (z.B. Fachbereich) noch einmal vorzustellen und die
Die transfernehmenden Institutionen müssen durch ein Supportnetz in die Lage versetzt werden schnell Kontakt aufzunehmen, um ggf. weitere Adaptionen,
Evaluieren sie mit den Partnerinstitutionen die gemeinsame Adaptionsphase. Wo konnte etwas nicht umgesetzt werden, was muss nachträglich verändert wer
Hinweise
Effekte
Es war zu erwarten, dass unterschiedliche Lösungen bei der Adaption an unterschiedlichen Standorten herausgekommen sind. Insbesondere auf der Ebene der Einsatzmöglichkeiten ergaben sich kreative Umgangsmöglichkeiten mit dem eigenen Learning Design, die auch den eigenen Blick noch einmal weiten konnten. Das Lehr-Lern-Tool wurde situations- und standortabhängig als Selbst-Lern-Tool, integrierter digitaler Helfer zu bestehenden didaktischen Konzepten, partizipatives Lernelement, als Nachschlagewerk und Übersetzungshilfe oder als Grundlage für eine Posterdiskussion rund um Historische Semantik eingesetzt. Zudem zeigten sich teilweise Synergieeffekte mit bereits lokal bestehenden Lehr-Lern-Tools insbesondere Selbst-Lern-Kursen, die durch das adaptierte Werkzeug WABE flankiert werden konnten.
Learnings
1. Transfer muss von beiden Seiten gedacht werden.
2. Ein Learning Design kann viele verschiedene Facetten einnehmen. Wenn man neue Blickwinkel einbindet, entdeckt man das eigene Learning Design manchmal neu.
Methoden
Empfohlen
Nicht empfohlen
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