
Produktion von authentischen Gesprächsvideos für die Lehre im Psychologie-/ Psychotherapiestudium
Im Rahmen des Projekts wurden Videos von psychotherapeutischen Gesprächen erstellt. Gesprächspartner waren je ein Schauspielpatient und ein realer Psychotherapeut. Damit möglichst authentische, praxisnahe Gesprächssituationen entstehen, erhielten die Schauspielpatienten kein vorgefertigtes Skript, sondern wurden zu einem Rollencharakter instruiert und agierten spontan in der Situation. Zudem wurde beim Dreh darauf geachtet, Hinweise auf das Drehsetting gering zu halten.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
In der Lehre in Psychologie und Psychotherapie erleben wir einen Mangel an praxisnahen, authentischen Videos von psychotherapeutischen Gesprächssituationen. Insbesondere fehlen uns Videos, die eine gesamte therapeutische Sitzung zeigen, sowie Videos mehrerer aufeinander aufbauender Therapiesitzungen.
Bestehende Therapievideos zielen häufig darauf ab, eine bestimmte therapeutische Technik vorzustellen. Um dies zu gewährleisten, folgt das Gespräch oft einem vorgegebenen Skript und zeigt nur einen k
Voraussetzung
- Geringe zeitliche Flexibilität der Therapeuten und Schauspieler
- Das Teilen der Drehräume mit anderen Personen: Dadurch: z.T. deutlich erschwerte Terminfindung
- Teilweise Ausleihe von Technik. Dadurch: weitere Eingrenzung möglicher Drehtermine und erhöhter organisatorischer Aufwand
- Großes Netzwerk/ Pool an geeigneten Therapeuten und Schauspielpatienten
- Eigene Aufnahmetechnik (alternativ: großer Pool an leicht verfügbaren Leihgeräten)
- Teammitglieder mit Therapieerfahrung, um Therapeuten und Patienten coachen zu können
Eignung
formativ (projektbegleitend)
Ausschnitte aus den Gesprächsvideos wurden in digitale Selbstlerneinheiten eingebettet und in diesem Rahmen durch Studierende evaluiert. Als Evaluationsverfahren kamen Protokolle des lauten Denkens sowie Fragebögen zum Einsatz. Feedback von Projektteam, Lehrenden und Psychotherapeuten wurde unsystematisch erfasst.
Vorgehen/Schritte
Erstellung der Videokonzepte: Lernziele, Anzahl, Videodauer, Setting, Psychotherapeuten (Alter, Geschlecht, Therapieerfahrung, Therapieschule), Schauspielpatienten (Alter, Geschlecht, Schauspielerfahrung, Biografie und Störungsbild der zu spielenden Rolle) (1 Monat (Anmerkung: Die angegebenen Zeiten addieren sich nicht zu einer Gesamtdauer pro Video, da die Arbeitsschritte teils parallel durchgeführt wurden))
Klärung rechtlicher Rahmenbedingungen und Erstellung der Vertragsdokumente für den Videodreh (z.B. Formulierung der darstellerischen Leistung und der gewünschten Verwendungszwecke sowie Verbreitungsrechte; Vereinbarung des Honorars) (2 Moante)
Rekrutierung geeigneter Gesprächspartner: pro Video wurde ein (echter) Psychotherapeut sowie ein Schauspielpatient (synonym: Simulationspatient) gesucht. Hierfür wurden persönliche Kontakte, Ausbildungsinstitute für Psychotherapie sowie Schauspielpatientenpools angefragt. Die Schauspieler verfügten bereits über ausgearbeitete, gut eingeübte Rollencharaktere, die nur teilweise an das Drehsetting (ambulante Psychotherapie) angepasst werden mussten. (2 Monate)
Vorbesprechung des Drehtags mit den Gesprächspartnern: organisatorische Vorbereitung (z.B. Ablauf des Drehtags, geeignete Kleidung); inhaltliche Vorbereitung des Therapeuten (z.B. Erhalt von Kerndaten des Patienten); inhaltliche Vorbereitung des Schauspielpatienten (z.B. Feinschliff der Rolle); Vertragsunterzeichungen (1 Monat)
Suche und Buchung geeigneter Räumlichkeiten (z.B. Räume der institutseigenen Hochschulambulanz) (1 Woche)
Kauf und Ausleihe geeigneter Technik für den Videodreh: drei Kameras mit Stativ sowie Ansteckmikrofonen, um folgende Perspektiven aufzunehmen: Therapeut, Patient, Gesamtschau auf beide Gesprächspartner; zusätzlich Technik für Backup-Aufnahmen von Bild und Ton (vorinstallierte Technik in den Ambulanzräumen) (2 Wochen)
Durchführung mehrerer Probedrehs in den Räumlichkeiten mit der gewählten Technik (versch. Kamerapositionen, Kameraeinstellungen, Lichtverhältnisse, Positionierung der Gesprächspartner, Einstellungen Tontechnik etc.); Diskussion der Probeaufnahmen im Team (1 Monat)
Vorbereitung und Durchführung des Drehtags: erstmaliges Aufeinandertreffen der Gesprächspartner wie in der realen Situation (Abholen und Begrüßen des Patienten im Warteraum vor Beginn des therapeutischen Erstgesprächs); 50-minütiges therapeutisches Gespräch ohne weitere Personen im Raum (nur Therapeut und Patient) (1 Tag)
Transkription und Systematisierung der Videos: Auswahl geeigneter Gesprächsausschnitte im Sinne des Konzepts und der Lernziele (für nähere Informationen zur Einbettung der Videos, siehe Maßnahmendokumentation „Produktion digitaler Selbstlernmodule für die universitäre Lehre im Psychologie-/ Psychotherapiestudium“) (1 Monat)
Videoschnitt und -nachbearbeitung: Auswahl der Perspektiven, Korrektur der Belichtung, Schnittfolge (1 Monat)
ein Monat bis zu einem Semester
Hinweise
Effekte
Basierend auf den Ergebnissen der Evaluation der Selbstlernmodule durch Studierende (s.a. Maßnahmendokumentation „Produktion digitaler Selbstlernmodule für die Lehre im Psychologie-/ Psychotherapiestudium“) sowie der Einschätzung unseres Teams und der Lehrenden, die die Videos zukünftig einsetzen werden, sind die produzierten Videos sehr gut für den Einsatz in der Lehre geeignet.
Die Psychotherapievideos werden in verschiedenen Lehrveranstaltungen eingesetzt. Hierfür wurde ein Großteil der Videos in digitale interaktive Selbstlernmodule eingebettet (s.a. Maßnahmendokumentation „Produktion digitaler Selbstlernmodule für die Lehre im Psychologie-/ Psychotherapiestudium“). So erhalten die Studierenden bereits ab dem Bachelorstudium realistische Einblicke in therapeutische Praxissituationen.
Durch das Projekt ist bei den Lehrenden im Institut ein Bewusstsein für das Potenzial von skriptfreien Schauspielvideos entstanden. Der Dreh weiterer Videos ist in Planung.
Learnings
Produkte:
Im Rahmen des Projekts entstanden zehn Gesprächsvideos, die je nach Schnitt und Schwerpunktsetzung vielfältig eingesetzt werden können (z.B. Psychodiagnostik, Gesprächsführung, bestimmte therapeutische Techniken, probatorischer Prozess).
Learnings:
- Es ist günstig, früh mit der Rekrutierung von Therapeuten und Schauspielpatienten zu beginnen, da die Bereitschaft an einem Dreh teilzunehmen insbesondere bei Therapeuten häufig nicht gegeben ist. Gründe hierfür sind unter anderem Vorbehalte gegenüber der dauerhaften Nutzung der Videomaterialien.
- Außerdem ist es sinnvoll früh mit der Erstellung der erforderlichen rechtlichen Dokumente (z.B. Vertragsdokumente unter Berücksichtigung der langfristigen Nutzung der Videos, ggf. Lizenzvereinbarungen) zu beginnen. So besteht ausreichend Zeit für die Prüfung der Dokumente durch die Fachabteilungen (z.B. Rechts- und Personalabteilung).
- Räume für den Dreh sollten frühzeitig gebucht werden.
- Es ist hilfreich, für jeden Dreh mindestens ein
Empfehlung
- Geeignete Räume innerhalb der Universität
- Vorinstallierte/ vorhandene Technik in den Aufnahmeräumen
- Flexible Arbeitszeiten innerhalb des Teams
- Erfahrung mit Medientechnik und Videoaufnahmen innerhalb des Teams
- Unterstützung durch das Medienzentrum der Universität
- Beispielvideos, an denen die eigenen Aufnahmen orientiert werden können
Tipps
Die Maßnahme „Produktion von authentischen Gesprächsvideos“ wird hier zwar am Beispiel Psychotherapie veranschaulicht, die Maßnahmenschritte können aber in vielfältigen Fächern und Kontexten sinnvoll angewendet werden. Die durchgeführte Maßnahme kann immer dann als Vorbild dienen, wenn authentische Videos einer Interaktion zweier Gesprächspartner gedreht werden sollen. Dabei kann der Gesprächskontext sowohl professioneller Natur (z.B. Kundengespräch, amtliche Befragung) als auch informeller Natur sein (z.B. Gespräch unter Nachbarn). Die vorgestellte Maßnahme bietet aufgrund des Verzichts auf ein Skript und durch die Art des Videodrehs die Chance, dass das entstandene Videomaterial authentisch und praxisnah wirkt und so den Lernenden den Transfer in die Praxissituation erleichtert.
Methoden
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