
PartiPause
Die PartiPause ist ein Partizipationsformat für Studierende, das an der HAW Hamburg als Reaktion auf Herausforderungen mit studentischer Partizipation an Hochschulen entwickelt wurde. Studierende geben Zeitmangel, unzureichende Informationen über Partizipationsmöglichkeiten und das Gefühl wenig Einfluss zu haben, als Hürde im Zusammenhang mit studentischer Partizipation an. Dem begegnet die PartiPause als niedrigschwelliges Partizipationsformat, das den Studierenden ermöglicht ihre Perspektiven spontan und schnell einzubringen und damit Einfluss auf das Hochschulgeschehen zu nehmen. Die PartiPause ist ein Befragungsformat, das in Präsenz an stark frequentierten Orten der Hochschule stattfindet. Ein Stand mit kurzen, alltagsnahen Befragungen ermöglicht es den Studierenden “im Vorbeigehen” teilzunehmen und ohne großen zeitlichen Aufwand ihre Perspektive einzubringen. Die PartiPause verfolgt das Ziel, das Bewusstsein der Studierenden für ihre Partizipationsmöglichkeiten zu schärfen.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Im Diskurs zu studentischer Partizipation an Hochschulen treten regelmäßig Fragestellungen dazu auf, wie Studierende aktiv in die Gestaltung der Hochschule eingebunden werden können und welche Formate es braucht, um die Partizipation zugänglicher zu gestalten. Hindernisse wie Zeitmangel und das Gefühl wenig verändern zu können hemmen die Beteiligung. Diesen Hindernissen wollten wir mit der PartiPause entgegenwirken.
Herangehensweise
Mit der PartiPause haben wir ein Format entwickelt, das Studierenden die Möglichkeit bietet, ihre Perspektiven und Ideen unkompliziert im Studienalltag einzubringen. Das Konzept ist bewusst informell gestaltet und ermöglicht es Studierenden spontan im Studienalltag teilzunehmen. Die Hemmschwelle zur Beteiligung wird so gesenkt und zeitliche Hürden werden reduziert. Außerdem konnten wir den Studierenden zum Zeitpunkt der Befragung schon mitteilen, wie die Ergebnisse in die Weiterentwicklung der Hochschule mit einfließen. Die PartiPause zielt mit ihrem interaktiven und niedrigschwelligen Ansatz darauf ab, die breite Masse von Studierende anzusprechen. Dabei kommen dialogorientierte Methoden zum Einsatz, um Austausch zu fördern und gewonnenen Erkenntnisse für die Weiterentwicklung hochschulischer Strukturen nutzbar zu machen. Ausschlaggebend für die Durchführung und die Wahl der Methodik waren das bestehende Erkenntnisinteresse und die geplante Verwendung der erhobenen Ergebnisse.
Zusammenhang
Die PartiPause wurde viermal als Einzeltermin und einmal als gesamte Partiwoche (an jedem Tag ein anderer Hochschulstandort mit gleichen Fragen) durchgeführt. Bis auf die PartiWoche wurde die PartiPause bspw. in der Langen Nacht des Schreibens oder dem Nachhaltigkeitstag integriert, was i. d. R. teilnahmebereite Studierenden verspricht. Einige Male wurde eine digitale PartiPause (mit Videos und Umfragen) begleitend oder für sich stehend auf dem Instagram-Account der Hochschule durchgeführt.
Voraussetzung
Grundsätzlich erfordert die PartiPause weder eine längere Vorbereitung, noch größere finanzielle Mittel. Allerdings benötigt es bei der Durchführung am Stand mehr als eine Person, da man stetig im Austausch mit Studierenden steht und diese ggf. auch zur Teilnahme aktivieren muss. Die Vor- und Nachbereitung kann i. d. R. von einer Person übernommen werden.
Wichtig ist, dass jede PartiPause eine relevante Fragestellung mit einem gezielten Erkenntnisinteresse verfolgt. Die teilnehmenden Studierenden möchten wissen, wo die Ergebnisse einfließen und verlieren die Motivation sich einzubringen, wenn sie das Gefühl bekommen, dass ihre erhobenen Meinungen dann doch keinen Einfluss haben.
Für die Durchführung der PartiPause sollte ein geeigneter öffentlicher Ort am Campus gefunden werden. Er sollte genügend Platz für einen Stand (ggf. Stehtische etc.) und herumstehende Personen bieten, aber auch zentral sein, sodass möglichst viele Studierende daran vorbeikommen (z.B. Foyer, vor der Mensa…).
Eignung
Zum einen hat die PartiPause laufend an Bekanntheit bei sowohl Studierenden als auch Mitarbeitenden gewonnen. Studierende haben das Format wiedererkannt und sind gezielt gekommen, um teilzunehmen. Des Weiteren zeigten sich die Studierenden sehr dankbar, dass sich die Hochschule für ihre Perspektiven interessiert. Auch von Hochschulleitung und Mitarbeitenden gab es positives Feedback zum Format und es wurden PartiPausen gezielt zu bestimmten Themen angefragt. Erfolg zeigt sich insbesondere auch darin, dass die studentischen Perspektiven, welche über die PartiPause erhoben wurden, in die Hochschulentwicklung oder das Hochschulgeschehen einfließen.
Vorgehen/Schritte
In der Vorbereitung auf eine PartiPause sollte zuerst das Erkenntnisinteresse und die sich daraus ergebende Fragestellung formuliert werden.
Anschließend wird eine passende Befragungsmethode gewählt, welche zum Erkenntnisinteresse und den Gegebenheiten passt.
Die eigene Fragestellung wird hierbei studierendengerecht formuliert.
Für die Organisation der PartiPause wird Ort und Zeit des Formats geklärt und ggf. Genehmigung eingeholt, Material wird entworfen und zusammengepackt.
Eine Bewerbung der stattfindenden PartiPause z.B. über Mail, Social Media, Plakate kann erfolgen.
Zum Zeitpunkt der PartiPause wird ein Stand (z.B. Pinnwand, Stehtische, Roll-Up...) aufgebaut und nach dem Format wieder abgebaut.
Die Durchführung der Befragung kann je nach Bedarf und Andrang beliebig gewählt werden (ca. 2 Stunden).
Im Anschluss an die PartiPause werden die Ergebnisse ausgewertet und das Format evaluiert bzw. reflektiert.
Erhobene Ergebnisse werden aufbereitet und an die einschlägige Stelle zur Verwertung weitergegeben.
Wenn möglich und sinnvoll können die Ergebnisse auch an die Studierenden kommuniziert werden.
Hinweise
Effekte
Zunächst war das Format als eine Hilfe für unser Projekt (KOMWEID) gedacht, um Perspektiven der Studierenden zu bestimmten von uns bearbeiteten Themen zu erfahren und zu verstehen. Unerwartet aber erfreulich war für uns, dass sobald die PartiPause an der Hochschule bekannter wurde auch Mitarbeitende der Hochschule (z.B. Bibliotheksleitung, Präsidium, Professor*innen) auf uns zukamen und eine PartiPause zu einem bestimmten Thema bei uns anfragten.
Learnings
Obwohl die Form der Befragung simpel ist, braucht es am PartiPausen-Stand mindestens eine Person (empfehlenswert mindestens zwei), da es wichtig ist Studierende aktiv zur Teilnahme anzusprechen, das Format zu erklären und auch darüber hinaus mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Die PartiPause ist eine gute Möglichkeit mit Studierenden auch über die ursprüngliche Fragestellung hinaus ins Gespräch zu kommen und die studentische Perspektive zu verstehen.
Das Thema und der Begriff der studentischen Partizipation muss den teilnehmenden Studierenden niedrigschwellig und zugänglich (auch anhand von Beispielen) erklärt werden, da ein Bewusstsein dafür in der Studierendenschaft wenig verbreitet und tiefgehend ist.
Empfehlung
Es wäre empfehlenswert das Format der PartiPause möglichst früh (im Projektverlauf) zu starten und regelmäßig (z.B. zwei Mal im Semester, einmal im Monat…) durchzuführen, damit sich ein Wiedererkennungseffekt einstellt, sich das Format etabliert und möglichst viele Studierende es kennenlernen.
Tipps
Das Erkenntnisinteresse und die Weiterverwendung der Ergebnisse der PartiPause sollten im Vorhinein klar sein. Zum einen fragen teilnehmende Studierende danach wofür die Ergebnisse verwendet werden sollen. Zum anderen ist es für Studierende demotivierend, wenn sie an einer Befragung teilnehmen und ihre Antworten keinen Effekt haben (Scheinbeteiligung).
Die durchführenden Personen der PartiPause sollten offen gegenüber den Meinungen und Perspektiven der Studierenden sein.
Sonstiges
Die Inspiration zur Entwicklung der PartiPause an der HAW Hamburg war das Beteiligungsformat NExpressO des Projektes NEO – Campus der Zukunft an der Hochschule München.
Methoden
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