
Sensibilisierung für Barrierefreiheit in der Lehre
Die heutige Studierendenschaft ist vielfältig – zum Glück! Deutsche Hochschulen sind dazu verpflichtet, dieser Vielfalt gerecht zu werden und allen Interessierten die Teilhabe an einem Studium zu ermöglichen. Dafür fehlt es aber häufig noch an Bewusstsein für verschiedenste (digitale) Barrieren, auf die Studierende stoßen und die ein chancengerechtes Studium be- oder sogar verhindern können. Um für die Bedarfe von Studierenden mit Beeinträchtigungen zu sensibilisieren, wurde "BlindDate" entwickelt. "BlindDate" ist eine digitale Plattform, die Lehrenden eine Begegnung mit virtuellen Studierenden mit verschiedenen studienerschwerenden Beeinträchtigungen ermöglicht. Die "Personas" zeigen typische Barrieren in ihrem Studienalltag, sowie Strategien zur Bewältigung derselben, auf und steigern so das Bewusstsein der Nutzenden. Zusätzlich sollen konkrete Handlungsempfehlungen Lehrpersonen helfen, Barrieren in der eigenen Lehre abzubauen oder - besser - gar nicht entstehen zu lassen.
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Beschreibung
Herausforderung
Für ein barrierefreies und damit chancengerechtes Studium für alle ist ein Bewusstsein für die Bedarfe von Studierenden, sowie für die Barrieren, die in der eigenen Lehre entstehen können, unerlässlich. Doch das Thema Barrierefreiheit kann zuerst wie ein "Fass ohne Boden" wirken und mit begrenzten (zeitlichen) Ressourcen fehlt möglicherweise der passende Einstieg in die Thematik. Die Begegnungsplattform ermöglicht ein generelles Bewusstsein und niedrigschwelliges Auseinandersetzen mit dem Thema.
Herangehensweise
Für ein barrierefreies und damit chancengerechtes Studium für alle ist ein Bewusstsein für die Bedarfe von Studierenden, sowie für die Barrieren, die in der eigenen Lehre entstehen können, unerlässlich. Doch das Thema Barrierefreiheit kann zuerst wie ein "Fass ohne Boden" wirken und mit begrenzten (zeitlichen) Ressourcen fehlt möglicherweise der passende Einstieg in die Thematik. Die Begegnungsplattform ermöglicht ein generelles Bewusstsein und niedrigschwelliges Auseinandersetzen mit dem Thema.
Zusammenhang
Die Plattform ist seit Sommer 2023 online und wurde in dieser Zeit iterativ um weitere Personas ergänzt. In dem gesamten Zeitraum wurde sie auf verschiedensten Konferenzen, Tagungen und Seminaren vorgestellt und mit Lehrpersonen und Studierenden erprobt. Eine Feedbackfunktion stand von Beginn an auf der Plattform zur Verfügung, eingehendes Feedback wurde regelmäßig evaluiert und umgesetzt. Die einzelnen Personas wurden von Studierenden mit Beeinträchtigungen auf Authentizität geprüft.
Voraussetzung
Die Personas auf der Plattform wurden nicht erfunden, sondern sind Zusammenführungen realer Erfahrungen von Studierenden. Sie wurden auf Grundlage einer großen quantitativen und qualitativen Erhebung zu Beginn des Projekts (Frühjahr 2022) entwickelt. Studierende mit verschiedenen Beeinträchtigungen wurden sowohl im Design-Thinking-Ansatz, als auch in mehreren Feedback-Loops in den Entwicklungsprozess aktiv einbezogen. Die Evaluation der Plattform bedurfte einer Rückmeldung und Teilnahme der Zielgruppe, also insbesondere Lehrende, die noch keine ausreichenden Kenntnisse zum Thema „digitale Barrierefreiheit“ besitzen. Das Erreichen dieser Zielgruppe stellte eine Herausforderung dar.
Eignung
Die Entwicklung von Personas geht zurecht oft mit der Befürchtung einer Stigmatisierung der repräsentierten Personengruppen einher. Dieser Befürchtung haben wir von Beginn an aktiv entgegengewirkt: Die Personas wurden wissenschaftlich fundiert entwickelt, der Entwicklungsprozess wurde transparent gemacht, auf einer Unterseite der Plattform festgehalten und bei Vorstellungen der Plattform aktiv kommuniziert. Dies sorgte für positive Resonanz und Akzeptanz der Personas bei der Zielgruppe. Der Herausforderung der zeitlich begrenzten Ressourcen der Zielgruppe haben wir mithilfe der verschiedenen Möglichkeiten, die Plattform zu benutzen, entgegengewirkt. Die Unterseite "So funktioniert's" erläutert den Nutzenden diese Möglichkeiten. Die Plattform ist ohne Benutzeraccount kostenfrei einseh- und verwendbar, was die Einstiegshürde zur Benutzung reduziert. Sie ist selbst barrierefrei nutzbar und fungiert somit als gutes Beispiel für ästhetisch umgesetzte Barrierefreiheiheit.
Vorgehen/Schritte
Die Entwicklung von authentischen Personas bedarf eines wissenschaftlich fundierten und zeitintensiven Prozesses. Die zentrale Grundlage ist eine umfassende Datenerhebung und -auswertung über die repräsentierten Personengruppen. Die aktive Partizipation von Betroffenen im Entwicklungsprozess der Personas ist für die Authentizität von großer Bedeutung. Die Personas sollten iterativ durch die repräsentierten Personengruppen evaluiert werden.
Gleichzeitig ist es wichtig, auch die Bedarfe der späteren Nutzenden zu berücksichtigen, etwa in Bezug auf Zeitaufwand, Vorwissen oder Nutzungskontext, um das Produkt an die Nutzungsrealität der Zielgruppe anzupassen. Eine Plattform zu entwickeln, die viele relevante Informationen zur Barrierefreiheit bereitstellt und gleichzeitig niedrigschwellig zu konsumieren ist, war eine Herausforderung. Deshalb ist es notwendig, die Nutzendenperspektive (in diesem Fall: Lehrpersonen) bereits im Entwicklungsprozess regelmäßig einzubeziehen.
Es empfiehlt sich, den Entwicklungsprozess transparent zu gestalten sowie gewonnene Erkenntnisse und auftretende Herausforderungen offen zu kommunizieren, um die Akzeptanz für das Produkt zu erhöhen.
Hinweise
Learnings
1. Ein authentischer Perspektivwechsel kann einen nachwirkenden Eindruck hinterlassen.
2. Aufgrund fehlender (zeitlicher) Ressourcen ist es wesentlich schwieriger, Lehrpersonen zu erreichen, als erwartet.
Empfehlung
Um eine nachhaltige Integration der Plattform in das Hochschulwesen zu erreichen, sollte die Verantwortung nicht "bottom up" bei einzelnen interessierten Studierenden oder Lehrenden liegen, die die Plattform weiterempfehlen. Vielmehr sollte bereits früh im Entwicklungsprozess versucht werden, eine Nutzung der Plattform bspw. über die Hochschuldidaktik fest in die (Weiter-) Bildungsstruktur für Lehrpersonen zu integrieren.
Tipps
Die Persona-Methode kann eine hilfreiche Strategie sein, um ein Hineinversetzen in eine andere Perspektive zu erleichtern. Sind die Personas allerdings nicht wissenschaftlich fundiert und nicht durch zusätzliche Informationen ergänzt - eine Persona kann unmöglich eine komplette Personengruppe allumfänglich abbilden -, können sie Stereotype befeuern und damit Stigmatisierung begünstigen. Wenn Sie Personas erstellen möchten, sollten Sie daher immer mit der betroffenen Personengruppe zusammenarbeiten und die Authentizität der Personas überprüfen lassen. Aus demselben Grund sollten die bestehenden Personas nicht adaptiert und aus dem Kontext gerissen werden.
Das Ergänzen von interaktiven Elementen begünstigt den Perspektivenwechsel und vermeidet langatmige "Textwüsten".
Sonstiges
Die Personas und deren Perspektiven können in der eigenen Lehre eingesetzt werden, um beispielsweise angehenden Lehrkräften eine Reflektion über die Konzeption von Lehre zu ermöglichen. Zudem kann die Plattform auch als Ressource für Workshops zu Barrierefreiheit / Diversität / Chancengerechtigkeit genutzt werden.
Methoden
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