Maßnahme Bühne
Zum Projekt

Iterative Portalentwicklung mit kontinuierlichem Nutzendenfeedback

Bei der Entwicklung des Portals DACHS zur digitalen Barrierefreiheit bestand die Herausforderung darin, ein technisch komplexes Tool mit einem kleinen Team, das Entwicklung, Projektmanagement und inhaltliche Konzeption gleichermaßen abdeckte, nutzerfreundlich und bedarfsgerecht für Lehrende zu gestalten. Um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und die Bedürfnisse der Zielgruppe kontinuierlich einzubeziehen, wurde das Portal in vier aufeinanderfolgenden Reifegraden entwickelt: Prototyp, Alpha, Beta und finale Version. Nach jedem Entwicklungsschritt wurde das jeweilige Release mit Vertreter*innen der Zielgruppe getestet. Das dabei gewonnene Feedback floss systematisch in die jeweils nächste Entwicklungsstufe ein. Auf diese Weise konnte das Portal schrittweise an die tatsächlichen Bedürfnisse von Lehrenden angepasst und Entwicklungsrisiken frühzeitig reduziert werden, bevor größere Ressourcen investiert wurden.

Kategorien

Bitte nennen Sie bis zu fünf Stichwörter, die den Inhalt Ihrer Maßnahme aussagekräftig beschreiben.
Iterative Entwicklung
Nutzendenfeedback
Usability-Testing
Agiles Projektmanagement
Digitale Toolentwicklung
Zielgruppe(n)
Handlungsfeld & Aktivität(en)

Beschreibung

Herausforderung

Werden Rückmeldungen von Nutzenden erst spät eingeholt, laufen digitale Portale Gefahr, an den Bedürfnissen der Zielgruppe vorbeientwickelt zu werden. Fehlannahmen werden dann oft erst erkannt, wenn Korrekturen bereits aufwändig sind. Das kann insbesondere für kleine Projektteams zu einer großen Herausforderung werden.

Herangehensweise

Es erwies sich als hilfreich, das Portal in klar abgegrenzten Reifegraden zu entwickeln (im Fall von DACHS: Prototyp, Alpha, Beta und finale Version). Nach jedem Meilenstein wird die jeweilige Version mit der Zielgruppe in strukturierten Testszenarien evaluiert. Die gesammelten Rückmeldungen werden priorisiert und gezielt in die Planung der nächsten Entwicklungsstufe integriert. Auf diese Weise entsteht ein iterativer Zyklus aus Entwickeln, Testen, Auswerten und Anpassen, der es ermöglicht, Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen, Ressourcen gezielt einzusetzen und das Portal schrittweise an die tatsächlichen Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen. Dieses Vorgehen erweist sich als effizienter sowie ressourcenorientierter als das fertige Produkt erst am Ende der Entwicklung zu evaluieren.

Zusammenhang

Diese Vorgehensweise wurde im Rahmen der dreijährigen Entwicklung des DACHS-Portals angewendet. Das Projekt wurde von einem kleinen, interdisziplinären Team umgesetzt, welches Entwicklung, Projektmanagement und inhaltliche Konzeption gemeinsam verantwortete. Getestet wurde mit Lehrenden als Zielgruppe des fertigen Portals.

Voraussetzung

Für dieses Vorgehen braucht es

  1. Kontinuierlichen Zugang zu Personen aus der Zielgruppe, die bereit sind, Zwischenversionen zu testen und Feedback zu geben;

  2. ausreichend zeitlichen Puffer im Projektplan, um auf Feedback reagieren und Anpassungen vornehmen zu können – statt einem starren Entwicklungsplan zu folgen;

  3. im Team die Bereitschaft, Zwischenergebnisse kritisch hinterfragen zu lassen und bereits Entwickeltes ggf. zu verwerfen oder anzupassen;

  4. eine Möglichkeit, Feedback strukturiert zu erfassen und auszuwerten.

Eignung

Dieses Vorgehen eignet sich besonders für Projekte, die

  • ein digitales Produkt mit einer klar definierten, erreichbaren Nutzendengruppe entwickeln,

  • ausreichend Projektlaufzeit für die geplanten Entwicklungs- und Testzyklen haben (bei DACHS z. B. drei Jahre), und

  • wiederholten Zugang zu Testnutzenden haben.

Weniger geeignet ist der Ansatz bei sehr kurzer Projektlaufzeit oder fehlendem Zugang zu Testnutzenden.

  • ein digitales Produkt mit einer klar definierten, erreichbaren Nutzendengruppe entwickeln,

  • ausreichend Projektlaufzeit für die geplanten Entwicklungs- und Testzyklen haben (bei DACHS z. B. drei Jahre), und

  • wiederholten Zugang zu Testnutzenden haben.

Vorgehen/Schritte

Es wird folgendes Vorgehen empfohlen, um ein digitales Tool iterativ mit kontinuierlichem Nutzendenfeedback zu entwickeln:

  1. Zielgruppe und Testpersonen früh identifizieren: Definieren Sie, wer die zentrale Nutzendengruppe ist, und bauen Sie frühzeitig einen Pool an Personen auf, die bereit sind, mehrfach im Projektverlauf Feedback zu geben.

  2. Prototyp entwickeln: Setzen Sie zunächst nur die Kernfunktionen um, mit möglichst geringem Entwicklungsaufwand (z. B. Klickdummy oder Mockup), um früh testbares Material zu haben.

  3. Prototyp testen: Führen Sie strukturierte Tests durch (z. B. Thinking-Aloud-Methode, leitfadengestützte Interviews, Fragebögen). Kombinieren Sie offene Fragen („Was fehlt Ihnen?“) mit konkreten Aufgaben („Führen Sie Aufgabe X aus“).

  4. Feedback systematisch auswerten und priorisieren: Sammeln Sie alle Rückmeldungen zentral, clustern Sie sie nach Themen und unterscheiden Sie zwischen „muss angepasst werden“, „sollte angepasst werden“ und „nice to have“.

  5. Alpha-Version entwickeln: Setzen Sie die priorisierten Anpassungen um und erweitern Sie den Funktionsumfang. Dokumentieren Sie, welche Entscheidungen aus welchem Feedback resultieren – das erleichtert spätere Nachvollziehbarkeit.

  6. Alpha testen: Wiederholen Sie den Testzyklus mit derselben oder einer erweiterten Testgruppe. Prüfen Sie auch, ob vorheriges Feedback zufriedenstellend umgesetzt wurde.

  7. Beta-Version entwickeln und testen: Wiederholen Sie den Zyklus ein weiteres Mal – die Beta sollte inhaltlich und technisch weitgehend vollständig sein und unter möglichst realistischen Bedingungen getestet werden.

  8. Finale Version fertigstellen: Nehmen Sie letzte Anpassungen vor und führen Sie einen abschließenden Test oder ein Review durch, bevor Sie veröffentlichen.

  9. Ergebnisse kommunizieren: Stellen Sie die finale Version öffentlich vor (z. B. in einer Abschlussveranstaltung) und machen Sie transparent, wie Nutzendenfeedback eingeflossen ist.

Hinweis: Die Anzahl der Testzyklen kann je nach Projektumfang angepasst werden. Der dargestellte Vorgang orientiert sich am Projekt DACHS.

Wichtige Empfehlungen für die Umsetzung

  • Planen Sie von Anfang an feste Zeitfenster für Testung und Auswertung im Projektplan ein, statt sie nebenbei mitlaufen zu lassen.

  • Halten Sie die Testgruppe möglichst konstant, damit Sie beobachten können, wie sich die Wahrnehmung über die Reifegrade hinweg verändert.

  • Seien Sie bereit, bereits entwickelte Funktionen wieder zu verwerfen oder grundlegend zu überarbeiten, wenn das Feedback dies nahelegt.

  • Dokumentieren Sie Testergebnisse und Entscheidungen fortlaufend, damit Wissen nicht verloren geht, wenn Teammitglieder wechseln.

Hinweise

Effekte

Erwartungsgemäß führte das kontinuierliche Feedback zu einer spürbar höheren Nutzendenfreundlichkeit und Passgenauigkeit des Portals für die Zielgruppe. Unerwartet war, wie unterschiedlich die Testpersonen die vier Portalbereiche bewerteten: Je nach persönlichem Bedarf empfanden sie jeweils andere Bereiche als besonders nützlich. Wiederum stellte sich heraus, dass der Portalbereich „Simulieren“ besonders positiv bei der Zielgruppe ankam.

Als Kehrseite zeigte sich, dass die wiederholten Testrunden mehr Organisations- und Zeitaufwand erforderten als ursprünglich eingeplant, insbesondere für Terminfindung, Auswertung und Kommunikation der Ergebnisse. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Eingrenzung des Testzeitraums auf kurze Perioden. Feedback kann somit zeitnah eingeholt und schnell umgesetzt werden.

Learnings

Frühes, ehrliches Feedback erwies sich retrospektiv als wertvoller als ein möglichst perfekt wirkender erster Entwurf – auch unfertige Prototypen liefern wichtige Erkenntnisse. Zudem hat sich gezeigt, dass eine feste, jedoch nicht zu kleine Testgruppe hilfreich ist. Während zu wenige Personen kein belastbares Bild liefern, erschweren zu viele Proband*innen, speziell in Projekten mit geringen zeitlichen sowie personellen Ressourcen, die Auswertung. Wichtig war außerdem, Feedback nicht nur zu sammeln, sondern sichtbar in Entscheidungen einfließen zu lassen und dies auch an die Testenden zurückzuspiegeln – das erhöhte die Motivation, erneut mitzuwirken.

Tipp: Die Einbindung von Expert*innen zum jeweiligen projektbezogenen Fachgebiet wird ausdrücklich empfohlen. Somit wird Nutzendenerfahrung mit Expertenwissen kombiniert und ein umfassendes Ergebnis erzielt.

Empfehlung

Rückblickend könnte man erwägen, statt vier festen Reifegraden (Prototyp, Alpha, Beta, Final) mit kürzeren, aber häufigeren Testzyklen zu arbeiten, etwa im Sinne agiler Sprints mit kleineren Nutzendentests alle paar Wochen. Das würde Feedback noch enger an die Entwicklung koppeln und Fehlentwicklungen noch früher sichtbar machen. Für Projekte mit weniger Ressourcen kann dies allerdings zu viel Koordinationsaufwand bedeuten – hier ist das beschriebene Vorgehen mit einer geringen Anzahl an klar abgegrenzten Reifegraden oft der praktikablere Kompromiss.

Tipps

Beginnen Sie mit einem realistischen Zeitplan, der Test- und Auswertungsphasen fest einplant. Definieren Sie vorab klare Kriterien, wann eine Version fertig genug für die nächste Testrunde ist. Hierbei ist gute Planung zwar wichtig, jedoch sollten Sie sich nicht übermäßig lange mit perfektionistischen Ansprüchen aufhalten. Bauen Sie sich frühzeitig einen verlässlichen Pool an Testpersonen aus der Zielgruppe auf und pflegen Sie den Kontakt auch zwischen den Testrunden – tun sie dies möglichst niedrigschwellig. Dokumentieren Sie Feedback und daraus resultierende Entscheidungen zentral und nachvollziehbar, damit auch bei Teamwechseln nichts verloren geht.

Sonstiges

Der iterative Ansatz hat sich für das Projekt DACHS bewährt und lässt sich unabhängig vom Thema auf viele digitale Toolentwicklungen übertragen – entscheidend ist weniger das konkrete Thema als die Bereitschaft, Nutzende von Anfang an aktiv einzubeziehen.

Methoden

Empfohlen

Methoden
Thinking Aloud Method, leitfadengestützte Interviews, strukturierte Auswertung und Priorisierung von Nutzendenfeedback
Formate
Kick-Off-Veranstaltung zur Einführung des Testzyklus', Sprechstunden
Technische Tools
Laptop, Aufnahmegerät, GitLab, Element, TaskCards

Kontakt

Projekt Kontakt

Das könnte Sie auch interessieren

Projekt 101512
Projekt

My Virtual Reality Teaching Partner

Virtual Reality (VR) Anwendungen wie das VR-Klassenzimmer stellen für Lehramtsstudierende lernwirksame Übungsmöglichkeiten dar, werden bislang aber nur selten und in traditionellen Lehr-Lern-Umgebungen (z.B. in bildungswissenschaftlichen Seminaren) angeboten. Das Ziel des Projektes besteht daher darin, VR-Übungen mehr Lehramtsstudierenden und außerhalb fester Seminarstrukturen zugänglich zu machen. Dem Train-the-trainer-Ansatz folgend werden hierzu Lehramtsstudierende zu „VR Teaching Partners“ ausgebildet. Die „VR Teaching Partners“ erwerben dabei Kompetenzen im kriteriengeleiteten Beobachten und Reflektieren von Unterricht, der Gestaltung lernförderlicher Feedbackgespräche und dem selbstständigen Durchführen von VR-Übungen. Nach der Ausbildung bieten sie anderen Lehramtsstudierenden VR-Übungen an und reflektieren gemeinsam mit ihnen die Qualität des Unterrichts. Somit trägt das Projekt zu einer Erhöhung digital gestützter Praxiselemente in der Lehrkräfteausbildung bei und schafft bedeutungsvolle Momente des Peer-to-Peer-Learnings. Bestandteil des Projektes ist zudem eine längsschnittliche Begleituntersuchung. Darin wird die Kompetenzentwicklung der „VR Teaching Partners“ in der Unterrichtsbeobachtung und -rückmeldung, die Qualität der Rückmeldegespräche und Unterrichtsreflexionen im Rahmen der VR-Übungen der „VR Teaching Partners“ mit Lehramtsstudierenden und die Zufriedenheit der Lehramtsstudierenden mit der von den „VR Teaching Partners“ durchgeführten VR-Übung untersucht.

Projekt anzeigen
Maßnahme 100504
Maßnahme

Werkstatt Lehre – kompakt weiterbilden

Die Werkstatt Lehre ist ein kompaktes Workshop-Programm für Lehrende der Universität Bremen. Praxisnah und niedrigschwellig bietet sie Raum für hochschuldidaktische Weiterqualifizierung. Als gemeinsames Angebot verschiedener lehrunterstützender Einrichtungen und Akteur:innen der Universität Bremen bietet sie ein- bis zweimal jährlich an einem oder zwei Tagen einen entspannten Rahmen für Impulse, Inspiration und Austauschmöglichkeiten rund um das Lehren und Lernen. Angeboten werden 45-minütige Kurzworkshops und 90-minütige-Workshops, in denen aktuelle Entwicklungen, innovative Ansätze und Trends aus dem Bereich Lehren und Lernen an Hochschulen vorgestellt, diskutiert und direkt ausprobiert werden. Die Workshops können einzeln besucht werden. Zusätzlich können Impulsvorträge, Podiumsdiskussionen oder Good-Practice-Beispielen von Lehrenden Teil des Programms werden. So entsteht ein Raum, in dem Wissen geteilt, Erfahrungen gewechselt und neue Perspektiven gewonnen werden.

Maßnahme anzeigen
Publikation 100324

Automatisierte Durchführung und Auswertung von ingenieurwissenschaftlichen Online-Praktika in der Messtechnik

[Kurzbeschreibung folgt (Anm. StIL)]

Publikation anzeigen