
Digital Humanities Ruhr Korpuslinguistische und texttechnologische Methoden an der Universität Duisburg-Essen
Anknüpfend an die Zusammenarbeit zur Förderung von Datenkompetenzen entwickeln die Ruhr-Universität Bochum (RUB), die Technische Universität Dortmund (TUDo) und die Universität Duisburg-Essen (UDE) als Partner in der Universitätsallianz Ruhr (UAR) Konzepte und Module für die curriculare Verankerung von Digital Humanities in der universitären Lehre. Das Projekt zielt einerseits auf die Integration von (Selbstlern-)Kursen und Materialien in ausgewählten geisteswissenschaftlichen Studiengängen und andererseits auf einen fach- und hochschulübergreifenden Austausch. Die Kurse und Angebote können von allen UAR-Studierenden im Wahlpflichtbereich belegt und perspektivisch mit einem Zertifikat abgeschlossen werden. Die Partner bringen sich mit verschiedenen Schwerpunkten ein. Die UDE widmet sich digitalen Methoden der Germanistik und weiteren Philologien mit besonderem Fokus auf die texttechnologische Aufbereitung und Auswertung von Korpora, Metadaten, linguistische Annotationen, digitale Texteditionen und korpuslinguistische Forschung. Die Maßnahmen der RUB zielen auf die fachübergreifende Vermittlung von digitalen Kompetenzen, Werkzeugen und Methoden für die Geistes-/Gesellschaftswissenschaften ab und berücksichtigen den Einsatz universeller Programmiersprachen wie Python. An der TUDo wird der Schwerpunkt auf den Teilbereich der Algorithmic Accountability, insbesondere in der Journalistik und Statistik, gelegt.
Auf einen Blick
Ausführliche Beschreibung
Wie lassen sich Digital-Humanities-Kompetenzen nachhaltig in der Hochschullehre verankern, fachspezifisch, überfachlich und hochschulübergreifend zugleich? Dieser Frage widmet sich das Projekt Digital Humanities Ruhr@UDE an der Universität Duisburg-Essen. Es setzt an einer strukturellen Lücke an: Geisteswissenschaftliche Studierende sind in bestehenden Angeboten zur Förderung von Datenkompetenz unterrepräsentiert, obwohl sie digitale Kompetenzen zunehmend für Studium und Beruf benötigen.
Das Projekt verfolgt einen dreistufigen Ansatz, dessen Maßnahmen ineinander greifen und sich gegenseitig ergänzen. Der neu entwickelte Basiskurs "Digitale Ressourcen und Methoden in der Linguistik" (Maßnahme 1) verankert DH curricular im Fach Germanistik und wird im Blended-Learning-Format ab dem Sommersemester 2027 als Pflichtmodul in den germanistischen Bachelorstudiengängen erprobt. Er führt rund 400 Studierende pro Semester in korpuslinguistische und texttechnologische Methoden ein. Der Kurs wurde in enger Abstimmung mit Lehrenden des Instituts für Germanistik sowie durch externe Impulse, u.a. Site-Visits am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache und an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, entwickelt. Die Materialien werden sukzessive als Open Educational Resources veröffentlicht und sind damit zur freien Nachnutzung verfügbar. Der Online-Selbstlernkurs "Discover Digital Humanities" (Maßnahme 2) adressiert eine überfachliche Ebene und bietet ab Wintersemester 2026/27 im Ergänzungsbereich einen niedrigschwelligen Einstieg in die DH für Studierende aller Fachrichtungen. Neben Grundlagenwissen zu Begrifflichkeiten, Geschichte und Berufsbildern der DH erwerben Teilnehmende Kompetenzen im Umgang mit geisteswissenschaftlichen, digitalen Daten in Bezug auf rechtliche, ethische und organisatorische Fragestellungen und sie erhalten einen Überblick über die wichtigsten Aspekte von Large Language Models und KI. Zudem erlernen sie den praktischen Umgang mit Programmiersprachen wie Python sowie mit Tools wie CATMA, Voyant und ArcGIS Online. Um Inhalte und Didaktik an die Zielgruppe anzupassen, wurden Studierende früh aktiv eingebunden: Im ko-kreativen Begleitseminar "Let's Discover Digital Humanities" erprobten sie vorhandene Kursmaterialien, gaben Feedback zu Verständlichkeit und Workload und entwickelten selbst Lerneinheiten, die direkt in den Kurs eingeflossen sind. Ergänzt wird das Angebot durch die DH-Specials der Veranstaltungsreihe "Zahlen, Daten, Fritten", die Studierenden praxisnahe Einblicke in Methoden und Berufsfelder der DH geben. Im Verbund mit der RUB und der TUDo wurde ein hochschulübergreifendes Digital-Humanities-Zertifikat implementiert (Maßnahme 3), das Studierenden aller drei Standorte eine formale Zusatzqualifikation im DH-Bereich ermöglicht. Das dreistufige Modell aus Einführung, Vertiefung und Kolloquium mit Posterpräsentation setzt bewusst auf die Öffnung bereits bestehender Lehrveranstaltungen und schafft so Sichtbarkeit für DH-bezogene Lehre in der UAR.
Ein zentrales Learning des Projekts ist die Notwendig einer breiten institutionellen Allianz zur Verankerung von DH-Kompetenzen in der Hochschullehre. Erst das Zusammenspiel von Universitätsbibliothek, Hochschuldidaktik, Fachexpertise und Hochschulleitung machte die curriculare Integration und das überfachliche Angebot in dieser Form möglich. Es hat sich gezeigt, dass die thematische Breite der DH eine enge Vernetzung mit Fachexpert:innen innerhalb und außerhalb der eigenen Hochschule erfordert und dass die konsequente Nutzung und Weiterentwicklung vorhandener OER erheblich zur Ressourceneffizienz beiträgt. Ein weiteres Learning betrifft die Zielgruppe: Geisteswissenschaftliche Studierende begegnen DH-Themen häufig mit Skepsis oder Unsicherheit. Niedrigschwelligkeit von Angeboten ist allein nicht ausreichend, entscheidend ist die fachkulturelle Einbettung. Methoden und Tools sollten anhand von Fragestellungen und Gegenständen eingeführt werden, die für die Studierenden unmittelbar studiumsrelevant und nachvollziehbar sind. Dass dieses Prinzip zeilführend ist, zeigte sich nicht zuletzt im ko-kreativen Begleitseminar, in dem Studierende sich engagiert und reflektiert mit DH-Inhalten auseinandersetzten.
Bis zum Projektende im Juni 2026 werden wesentliche Strukturen implementiert. Der Basiskurs "Digitale Ressourcen und Methoden in der Linguistik" wird ab 2027 dauerhaft im Curriculum der Germanistik verankert und auch der Selbstlernkurs "Discover Digital Humanities" wird ab dem Wintersemester 2026/27 im Ergänzungsbereich der Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten und sukzessive weiterentwickelt. Das DH-Zertifikat der UAR wird nach einer erfolgreichen Pilotphase an allen drei Standorten weiterhin angeboten.
Kontakt

Das Digital-Humanities-Zertifikat der UA Ruhr
Im Verbund der Universität Duisburg Essen, der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund wurde ein hochschulübergreifendes Digital-Humanities-Zertifikat implementiert, das Studierenden aller drei Standorte eine formale Zusatzqualifikation ermöglicht. Das dreistufige Modell aus Einführung, Vertiefung und Kolloquium mit Posterpräsentation setzt bewusst auf die Öffnung bereits bestehender Lehrveranstaltungen und schafft so Sichtbarkeit für DH-bezogene Lehre in der Universitätsallianz Ruhr (UAR). Wer ein ähnliches Zertifikat einführen möchte, sollte wissen: Die größten Herausforderungen liegen in der Information von Lehrenden und der Akquise von anrechenbaren Lehrveranstaltungen sowie in der Abstimmung im Verbund. Unterschiedliche Anrechnungsregelungen und Zuständigkeiten erforderten viel Koordinationsaufwand in der Pilotphase. Hilfreich ist es, Prozesse fortlaufend nachzusteuern sowie Lehrende frühzeitig aktiv mit einzubinden.
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Curriculare Integration von DH in der Germanistik
Digitale Methoden und Ressourcen spielen sowohl in Forschungs- als auch in Vermittlungskontexten geisteswissenschaftlicher Fächer eine wachsende Rolle. Im Rahmen des Projekts Digital Humanities Ruhr wird die Herausforderung, Digital-Humanities-Kompetenzen systematisch in die germanistische Linguistiklehre zu integrieren, adressiert. Die Maßnahme "Digitale Ressourcen und Methoden in der Linguistik" soll die digitalen Geisteswissenschaften in der Germanistik curricular integrieren. Umgesetzt wird dieses Anliegen durch die Einführung eines für diesen Zweck konzipierten DH-Basiskurses im Blended-Learning-Format. Mit ihm sollen Germanistikstudierende zur reflektierten Nutzung von digitalen Forschungsressourcen sowie von Methoden der Korpuslinguistik und der Texttechnologie zur Untersuchung fachlicher Fragestellungen befähigt werden. Die Lehrveranstaltung wird im Rahmen der Novellierung bestehender BA-Studiengänge curricular verankert.
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Der Selbstlernkurs: Discover DH-(Kompetenzen)
Geisteswissenschaftliche Studierende bleiben in Angeboten zur Förderung von Datenkompetenz häufig unterrepräsentiert. Der Online-Selbstlernkurs "Discover Digital Humanities" adressiert diese Lücke: Studierende erwerben niedrigschwellig und fachkulturell eingebettet DH-Grundkompetenzen. Angesiedelt im Ergänzungsbereich der Bachelor- und Masterstudiengänge ist er für interessierte Studierende aller Fächer wählbar. Der Kurs verbindet theoretische Grundlagen mit konkreten Methoden sowie Tools und Hands-on-Elementen. Didaktisch setzt er auf einen handlungsorientierten Ansatz mit interaktiven H5P-Elementen und gestuften Lernstandserhebungen. Eine zentrale Gestaltungsentscheidung war die ko-kreative Einbindung von Studierenden in die Kursentwicklung. In dem Begleitseminar "Let's Discover Digital Humanities" erprobten und bewerteten sie Kursinhalte und entwickelten eigene Lerneinheiten, was frühzeitig Hinweise zu Verständlichkeit, Workload und Zielgruppenpassung lieferte.
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Das Digital-Humanities-Zertifikat der UA Ruhr
Im Verbund der Universität Duisburg Essen, der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund wurde ein hochschulübergreifendes Digital-Humanities-Zertifikat implementiert, das Studierenden aller drei Standorte eine formale Zusatzqualifikation ermöglicht. Das dreistufige Modell aus Einführung, Vertiefung und Kolloquium mit Posterpräsentation setzt bewusst auf die Öffnung bereits bestehender Lehrveranstaltungen und schafft so Sichtbarkeit für DH-bezogene Lehre in der Universitätsallianz Ruhr (UAR). Wer ein ähnliches Zertifikat einführen möchte, sollte wissen: Die größten Herausforderungen liegen in der Information von Lehrenden und der Akquise von anrechenbaren Lehrveranstaltungen sowie in der Abstimmung im Verbund. Unterschiedliche Anrechnungsregelungen und Zuständigkeiten erforderten viel Koordinationsaufwand in der Pilotphase. Hilfreich ist es, Prozesse fortlaufend nachzusteuern sowie Lehrende frühzeitig aktiv mit einzubinden.
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