
Workshop zur Förderung des interkulturellen Austauschs und interkultureller Kompetenzen
Die Idee des Workshops mit dem Titel „Intercultural Cooking“ besteht in erster Linie darin, die regulären Studierenden der DHBW Ravensburg mit internationalen Gaststudierenden zusammenzubringen. Die Übung soll den interkulturellen Austausch fördern, für kulturelle Vielfalt sensibilisieren und einen Raum schaffen, in dem neue Kontakte und Begegnungen entstehen können. Ziel ist es, durch die gemeinsame Planung, das gemeinsame Kochen sowie den anschließenden Austausch beim Essen die interkulturelle Kommunikation zu stärken, die Sensibilität für kulturelle (kulinarische) Diversität zu stärken und so einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung interkultureller Kompetenzen der Teilnehmenden zu leisten.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Die Maßnahme adressiert die Herausforderung, nachhaltige Begegnungs- und Austauschformate zwischen regulären DHBW- und internationalen Gaststudierenden zu schaffen. Im Hochschulalltag bestehen oft nur begrenzte Kontakte. Dadurch bleiben Potenziale für interkulturelles Lernen ungenutzt. Der Workshop bieten einen niedrigschwelligen, praxisnahen Rahmen, um interkulturelle Kommunikation, persönlichen Austausch und - über die Kulinarik - Sensibilität für kulturelle Vielfalt zu verbessern.
Herangehensweise
Der Herausforderung wurde durch ein interaktives und niedrigschwelliges Workshopformat begegnet, das den persönlichen Austausch zwischen regulären DHBW- und internationalen Studierenden aktiv fördert. Ziel ist es, Begegnungen nicht nur im formalen Lehrkontext, sondern auch in informellen und gemeinschaftlichen Situationen zu ermöglichen. Zu Beginn des Semesters wird ein „Intercultural Breakfast“ organisiert, das ersten Kontakt herstellt, das Kennenlernen erleichtert und Hemmschwellen im Austausch abbaut. Zugleich werden Hintergrund, Ziele und Prüfungsleistung erläutert, um Transparenz zu schaffen und Missverständnisse zu reduzieren. Darauf aufbauend findet der Workshop „Intercultural Cooking“ statt. Durch gemeinsame Planung, Kochen in gemischten Teams und Austausch beim Essen entstehen kooperative Lern- und Begegnungssituationen, die interkulturelle Kommunikation und Kompetenzen praxisnah erfahrbar machen und soziale Integration internationaler Gaststudierender stärken.
Zusammenhang
Die Maßnahme wurde zunächst in einer Pilotphase in Lehrveranstaltungen des interkulturellen Managements an der DHBW Ravensburg erprobt. Im Mittelpunkt stand ein informeller Begegnungsraum zwischen regulären DHBW-Studierenden und internationalen Gaststudierenden. Auf Basis positiver Rückmeldungen wurde das Konzept ausgeweitet und um eine Prüfungsleistung ergänzt, die den interkulturellen Lernprozess reflektierend begleitet.
Voraussetzung
Für die Workshops „Intercultural Breakfast“ und „Intercultural Cooking“ werden zunächst Lebensmittel – nach Möglichkeit in Bio-Qualität – von den Studierenden selbst beschafft. So organisieren sich die Gruppen eigenständig, lernen sich bereits bei Planung und Einkauf kennen und tauschen sich über (teilweise unbekannte) Lebensmittel und Rezepte aus.
Ergänzend ist eine gut ausgestattete Küche sowie die Betreuung durch eine fachlich qualifizierte Person erforderlich, die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung inklusive Reinigung unter Einhaltung hygienischer und arbeitsschutztechnischer Vorschriften übernimmt. Aufgrund der heterogenen Teilnehmerschaft wird die Fachkraft zusätzlich durch einen Fachdozent*in und Mitarbeiter*in des International Office unterstützt, um die organisatorische Umsetzung und die Schaffung eines offenen, wertschätzenden Lern- und Begegnungsraums zu ermöglichen. Zudem werden Sachmittel wie Reinigungsmittel, Schürzen und Geschirrtücher benötigt.
Eignung
Die Eignung der Maßnahme zeigt sich in sehr positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden und der Integration in die Lehrveranstaltungen des interkulturellen Managements. Teilnehmende berichten von einer offenen, wertschätzenden Atmosphäre, die Austausch erleichtert und Hemmschwellen reduziert. Die praxisnahe, informelle Gestaltung mit gemeinsamer Planung, Kochen und Austausch beim Essen schafft Situationen authentischer Zusammenarbeit, in denen kulturelle Diversität und interkulturelle Kompetenzen unmittelbar erlebt und reflektiert werden. Die Maßnahme wurde über mehrere Pilotphasen hinweg weiterentwickelt; Feedback und Prüfungsreflexionen dienten als Grundlage für Optimierungen. Die Erweiterung vom kleinen Pilotprojekt zur curricular eingebundenen Übung mit größerem, heterogenem Teilnehmerkreis sowie die wachsende freiwillige Teilnahme zeigen den Mehrwert für den interkulturellen Austausch und die Förderung von Food Literacy im Kompetenzbereich Kulturelle Vielfalt ( s. BZfE )
Vorgehen/Schritte
Die Organisation einer Auftaktveranstaltung für ein erstes Kennenlernen der Studierenden, wie in diesem Fall das „Intercultural Breakfast“, hat sich als vorteilhaft erwiesen. Zu überlegen wäre, ob hier bereits die Gruppen formiert werden könnten, die auch bei den Folgeschritten wie Rezeptfindung, gemeinsamen Einkaufen etc. zusammenarbeiten werden.
Die Prüfungsleistung, eine Reflexion über die Zusammenarbeit der interkulturell zusammengesetzten Gruppen, erfolgte auf Grundlage von fünf Hypothesen, die aus einschlägiger Literatur, Erfahrungen aus vergangenen Kochveranstaltungen sowie dem Kompetenzraster Food Literacy des Bundeszentrums für Ernährung erschlossen wurden. Diese Vorgehensweise erscheint als Rahmen für eine fundierte, kritische Reflexion der Studierenden sinnvoll.
Es wurde keine systematische Auswertung empirischer Erhebungen durchgeführt. Die Ausführungen erfolgten vielmehr auf Grundlage (subjektiver) Einschätzungen auf Basis von Gruppengesprächen und Beobachtungen. Da die Reflexionen optional waren, wurden diese nur von einzelnen Gruppen durchgeführt und spiegeln möglicherweise nicht die Erfahrungen aller Studierender wider. Die Durchführung einer zusätzlichen Befragung mit allen Studierenden wäre eine Möglichkeit, um Lerneffekte empirisch zu fundieren und Einschätzungen aller Teilnehmenden zu integrieren.
Die Übung fand in einer professionell ausgestatteten Lehrküche statt. Lernziele, Rezepte und Methoden können an die vorhandene Infrastruktur angepasst werden. Bei limitierter Küchenausstattung wäre z.B. eine (Teil-)Vorbereitung im Privaten denkbar, während beim gemeinsamen Verzehr der Fokus auf Vorstellung der Gerichte, Diskussion und Austausch gelenkt wird.
Hinweise
Effekte
Besonders die Verantwortung der Gruppe, deren Mitglieder einander vorher weitgehend unbekannt sind, selbstständig alle Schritte bis zum Servieren der gemeinsamen Speisen zu planen und durchzuführen, erscheint besonders geeignet, um kulturellen Austausch und Verständnis zu unterstützen. Gleichzeitig kann hier eine Sensibilisierung für Lebensmittel und Speisen aus fremden Ländern und Kulturen stattfinden. Möglicherweise findet beim gemeinsamen Essen auch ein Austausch zu Tischsitten der eigenen und fremder Kulturen statt. Auf diese Weise können Studierende eigene Verhaltensweisen und Vorlieben mit Gegebenheiten anderen Kulturen vergleichen. Durch das Erleben und die Reflexion eigener und fremder Essgewohnheiten entstehen Sensibilisierung und Wertschätzung. Dies gilt insbesondere auch für das Überwinden möglicher Schwierigkeiten (siehe nächster Punkt).
Learnings
Das gemeinsame Kochen und Essen wurde durchgehend als bereichernd für kulturellen Austausch und Verständnis gesehen. Besonders hervorzuheben ist hierbei das kulturelle Lernen und die „Teamentwicklung“, da Studierende in ihren Gruppen dazu angehalten waren, selbstständig Rezepte zu entwickeln, gemeinsam einzukaufen, die Gerichte mit unterschiedlichen Garmethoden und Zubereitungsarten herzustellen und zu servieren. Aufkommende Probleme oder Missverständnisse, etwa durch Sprachbarrieren oder unterschiedliche Herangehensweisen an theoretische Planung und praktische Arbeitsweise wurden dabei offen benannt und Lösungsansätze mit verständnisvoller kultureller Offenheit und Lernbereitschaft reflektiert. Geschätzt wurde ebenso, dass kulturelle Diversität nicht nur kommunikativ-emotional, sondern auch sensorisch-genussvoll erlebbar gemacht wurde.
Empfehlung
Das Vorgehen hat sich allgemein als zielführend erwiesen. Mögliche Anwendungsvariationen wurden bereits beschrieben.
Tipps
Eine Gruppengröße von 4 bis 6 Studierenden pro Gruppe hat sich als praxistauglich erwiesen. Studierende aus jedem vertretenen Kulturraum sollten eigene Gerichte (idealerweise 2 bis 3 pro Gruppe) einbringen und gemeinsam kochen, um gegenseitiges Lernen, interkulturellen Austausch und Verständnis für verschiedene Ess- und Alltagskulturen zu fördern. Empfehlenswert ist, kreative Ansätze wie Fusion-Küche zu ermutigen, da das Experimentieren mit kombinierten Traditionen Austausch, Reflexion und kooperative Gruppensituationen stärkt. Zudem kann jede Gruppe die Herkunft von Gerichten vorab recherchieren und mit persönlichen Erinnerungen verknüpfen. Das Storytelling macht deren kulturelle Bedeutung sichtbar und unterstützt interkulturelles Verständnis.
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