
Digitale Lernkompetenz: Entwicklung von Schulungsangeboten für studentische Lerncoaches
In den entstandenen Learning-Spaces erhalten Studierende Zugang zu informellem Wissen. Studentische Lerncoaches stehen beratend zur Seite und erstellen für den Selbstlernbereich niedrigschwellige Lernmaterialien („Lernnuggets“) wie PDFs, Videos und Screencasts. Dafür werden sie regelmäßig zu digitaler Lehre geschult. Das bestehende Schulungsangebot für Tutoren und Tutorinnen wird weiterentwickelt, evaluiert und kontinuierlich verbessert.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Die Herausforderung bestand darin, informellen Wissensaustausch, Schreibkompetenz, individuelle Beratung und digitale Selbstlernangebote in hybriden Formaten zu fördern. Dafür mussten geeignete Tutoren und Tutorinnen bzw. Peer-Coaches gewonnen, geschult und ins Tutorenprogramm „TuTOP“ integriert werden. Auch die Inhalte mussten erstellt und Rollen bzw. Aufgaben in Gruppen- und Einzelberatungen und bei der Materialerstellung klar abgegrenzt werden.
Herangehensweise
Der Herausforderung wurde mit einem mehrstufigen, systematischen Vorgehen begegnet. Zunächst wurde das bestehende Basisschulungskonzept angepasst, das alle Tutoren und Tutorinnen und Peer-Coaches gemeinsam absolvieren. Diese Schulung vermittelte Grundlagen der tutoriellen Lehre, Beratungsansätze und didaktische Grundlagen. Darauf aufbauend folgten optional spezialisierte Aufbauschulungen, die Beratungskompetenz für Einzelsettings sowie Fachinhalte zu wissenschaftlichem Schreiben oder zur Erstellung von Lernmaterialien vertieften. Die klare Rollenverteilung wurde durch detaillierte Aufgabenprofile unterstützt. Zudem wurde das Angebot eng ins Programm „TuTOP“ integriert, um Standards und Qualität zu sichern. Begleitend wurden alle Schulungsformate kontinuierlich evaluiert und angepasst.
Zusammenhang
Die Maßnahme wurde im Rahmen der Weiterentwicklung des bestehenden, zertifizierten Tutorenprogramms „TuTOP“ erprobt. Sie war eng an die Qualifizierung der studentischen Tutoren und Tutorinnen sowie Peer-Coaches angebunden, die sowohl in studienvorbereitenden Formaten wie dem Kick-off Camp als auch in fortlaufenden Unterstützungsangeboten, Einzelberatungen und themenspezifischen Learning-Spaces aktiv waren.
Voraussetzung
Wesentliche Voraussetzungen waren der Bedarf der Studierenden an individueller Beratung und fachlicher Unterstützung, insbesondere im Bereich wissenschaftliches Schreiben. Relevant war zudem eine etablierte digitale Infrastruktur (LMS und Videoplattform), um hybride Formate niedrigschwellig anzubieten. Wichtig waren qualifizierte Tutorinnen und Tutoren sowie Peer-Coaches, die durch das Programm „TuTOP“ geschult wurden. Klare Rollenbeschreibungen und ein abgestimmtes Schulungskonzept waren ebenfalls zentrale Erfolgsfaktoren. Darüber hinaus entwickelten und begleiteten die Peer-Coaches verschiedene Beratungsangebote und erstellten digitale Lernvideos zu Themen wie Studienorganisation, Lernen, wissenschaftlichem Schreiben, Excel und LaTeX.
Eignung
Nachnutzende können die Eignung der Maßnahme an mehreren Indikatoren erkennen. Zum einen liegen Rückmeldungen aus Evaluationen der Schulungen vor, die eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden belegen. Auch die Nutzung der Angebote, insbesondere der Schreibberatung, zeigt den Bedarf und den Mehrwert für Studierende. Die kontinuierliche Nachfrage nach digitalen Lernvideos ist ein weiterer Hinweis auf die Wirksamkeit des Konzepts.
Vorgehen/Schritte
Es ist zu empfehlen, regelmäßig den konkreten Bedarf der Studierenden systematisch zu erheben, zum Beispiel durch Umfragen, Fokusgruppen oder die Auswertung bestehender Feedbacks. So können Inhalte und Formate gezielt auf die relevanten Themen ausgerichtet werden. Im Anschluss sollte geprüft werden, ob an der eigenen Hochschule bereits digitale Plattformen vorhanden sind, die sich für hybride Angebote eignen. Der Einsatz vertrauter Systeme wie eines Learning Management Systems oder einer Videoplattform senkt Einstiegshürden und vereinfacht die Nutzung.
Wichtig ist ein klar strukturiertes Schulungskonzept, das aus einer Basisschulung für alle Teilnehmenden und optionalen Aufbauschulungen besteht. Die Basisschulung sollte Grundlagen der tutoriellen Lehre, Methoden und Beratungskompetenz vermitteln. Aufbauschulungen können sich dann auf spezielle Themen wie wissenschaftliches Schreiben, Lernmaterialerstellung oder die Beratungskompetenz konzentrieren. Dahingehend wird eine Zusammenarbeit mit dem „Netzwerk Tutorienarbeit“ empfohlen. Die Hochschule Koblenz ist zertifiziert im Netzwerk Tutorienarbeit und profitiert von einem regelmäßigen Austausch mit anderen Hochschulen.
Empfehlenswert ist es, vorab klare Rollenprofile zu definieren, um Aufgaben, Erwartungen und Zuständigkeiten zwischen Tutor*innen, Peer-Coaches und Lehrenden transparent abzugrenzen. Das erleichtert die Orientierung und schafft Verbindlichkeit.
Begleitend sollten regelmäßige Evaluationen fest eingeplant werden, um Erfahrungen, Wünsche und Verbesserungspotenzial frühzeitig zu erfassen. Pilotphasen haben sich bewährt, um Angebote im kleinen Rahmen zu testen und später schrittweise auszuweiten.
Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, gute Praxisbeispiele und Vorlagen (z.B. Ablaufpläne, Checklisten, Kommunikationsvorlagen) zentral z.B. in zielgruppenspezifischen Learning-Spaces bereitzustellen, um den Einstieg für neue Beteiligte zu erleichtern. Eine kontinuierliche Kommunikation mit allen Beteiligten unterstützt die Akzeptanz und sorgt dafür, dass Veränderungen transparent sind.
Hinweise
Effekte
Erwartet war, dass die Maßnahme den informellen Austausch unter den Studierenden insgesamt stärkt. Die Lerncoaches konnten erwartungsgemäß durch die Schulungen ihre Beratungskompetenz verbessern und praxisnahes Material für Beratungen und den Selbstlernbereich entwickeln.
Unerwartet war, der hohe Bedarf an Schreibberatungen. Daher wurden die Schreibberater zusätzlich in weiteren Angeboten der Schreibberatung eingesetzt. Positiv wirkte sich aus, dass die daraus resultierenden Lernvideos alle Studierende rund um die Uhr erreichen und als nachhaltige Ressource dienen. Die enge Verzahnung mit dem Tutorenprogramm schuf Synergien und erhöhte die Sichtbarkeit der Maßnahme. Zudem führte die klare Rollenverteilung zu mehr Orientierung und Verbindlichkeit in der Umsetzung.
Learnings
Größte Learnings: Es zeigte sich, dass ein nachgewiesener Bedarf an Beratung allein nicht ausreicht – erst durch persönliche Ansprache und kontinuierliche Begleitung durch die Lerncoaches entsteht Vertrauen und Akzeptanz. Zudem war ein klarer thematischer Fokus, wie bei der Schreibberatung, besonders hilfreich. Ein zentrales Learning war, dass Lerncoaches eine entscheidende Rolle für die Wirksamkeit der Maßnahme spielen. Ihre Qualifizierung, Motivation und Präsenz bestimmen maßgeblich, ob Studierende die Angebote annehmen und ob ihre Tätigkeit als Content-Entwickler erfolg- und hilfreich ist.
Empfehlung
Empfehlung für Nachnutzende: Rückblickend wäre es sinnvoll, zunächst ein kleineres Pilotangebot mit einem klar definierten inhaltlichen Schwerpunkt zu starten und die Lerncoaches darin intensiv und multifunktional als Lerncoach, Workshopleitung und Content-Entwickler einzubinden. Ihre Rolle sollte früh kommuniziert und als feste Ansprechperson sichtbar gemacht werden. Eine schrittweise Erweiterung auf weitere Themenfelder und Formate, basierend auf den Erfahrungen der Lerncoaches, ist erfolgversprechender als ein breites paralleles Angebot
Tipps
Frühzeitige Bedarfsermittlung der Studierenden und Themenauswahl mit hoher Relevanz.
Setzen auf vertraute digitale Plattformen, um Einstiegshürden zu vermeiden.
Eine enge Verzahnung von Beratung, Workshop-Moderation & Content-Erstellung erhöht den Mehrwert für Lerncoaches & Studierende.
Definieren Sie Rollen und Zuständigkeiten eindeutig, um Missverständnisse zu vermeiden. Klare Kommunikation und gezielte Bewerbung sind entscheidend.
Ein Learning-Space als Material- und Inspirationsordner sowie zentrale Kommunikationsplattform ist sehr zu empfehlen. Starten Sie mit einem Pilotangebot, bevor Sie weitere Themen integrieren.
Planen Sie ausreichend Zeit für Schulung und Betreuung ein und sichern Sie durch Evaluation die Qualität.
Sonstiges
Darüber hinaus ist zu betonen, wie wichtig es ist, den Lerncoaches ausreichend Zeit, Ressourcen und Wertschätzung für ihre Rolle zu geben und sie eng zu begleiten. Ihre Motivation und Kompetenz sind zentrale Erfolgsfaktoren. Ein gut strukturiertes, thematisch klares Lerncoaching funktioniert oft besser als ein breites, paralleles Angebot. Ein kontinuierlicher Austausch mit anderen Hochschulen und regelmäßige Reflexion unterstützen die nachhaltige Weiterentwicklung der Maßnahme.
Methoden
Empfohlen
Nicht empfohlen
Kontakt
Das könnte Sie auch interessieren

Kompetenzen für die digitale Arbeitswelt von morgen
Virtuelle Lehre wird an der htw saar pandemiebedingt bereits flächendeckend umgesetzt, wesentliche Voraussetzungen dafür sind implementiert. Allerdings sind bei praxisbezogenen Lernumgebungen wie der Modellfabrik und den Laboren virtuelle Lehr-, Lern- und Prüfungsszenarien zurzeit nicht möglich. Das Vorhaben Kompetenzen für die digitale Arbeitswelt von morgen fokussiert sich daher auf die Förderung von Future Skills in anwendungsbezogenen digitalen Settings. Einerseits werden hybride und virtuelle Lehr-, Lern- und Prüfungsszenarien in und mit einer smarten Modellfabrik sowie mit einer Plattform für Real- und Echtzeitdaten entwickelt, erprobt und skaliert, die nach dem didaktischen Modell des constructive alignment auf die Vermittlung von Kompetenzen für die digitale Arbeitswelt von morgen abzielen. Andererseits werden hochschulweite Maßnahmen umgesetzt, wie die Verbesserung der technischen Ausstattung und die Erprobung eines Kompetenznachweises Future Skills für Studierende, die Einführung von Schulungen und Austauschformaten für Lehrende sowie ein studentischer Lehrpreis. Die Veröffentlichung der technischen Entwicklungen und didaktischen Konzepte wird ebenso angestrebt wie die nachhaltige Verankerung der Projektergebnisse.
Projekt anzeigen
Digitale Barrierefreiheit
Barrieren im Zugang zu Lerninhalten können auf verschiedenen Ebenen entstehen, etwa im Browser, dem Lern-Management-System (LMS) und dessen Objekten oder dem Lerninhalt. Bei der Erstellung und Pflege unserer digitalen Selbstlernumgebung ist unser Ziel, sowohl durch die Wahl des (idealerweise für User kosten-losen und datenschutzgerechten) LMS als auch der konkreten Ausgestaltung ein optimales Nutzungserlebnis unabhängig von ggf. vorhandenen persönlichen Einschränkungen zu erreichen. Dazu gehören insb. die Zugäng-lichkeit, Verständlichkeit sowie Navigierbarkeit. Das hier genutzte LMS ILIAS zeichnet sich dabei durch eine stetige Verbesserung der Zugänglichkeit. Unsere Umsetzung umfasst die weitestmögliche Verwendung der so zur Verfügung gestellten Tools sowie einer klaren Seiten- und Navigationsstruktur, einem einheitlichen Design und Farbkonzept mit Berücksichtigung kontrastreicher und barrierearmer Farben und einer einfachen und gendersensiblen Sprache.
Maßnahme anzeigen
Schmitz, Sigrid (2025): Feministische Science & Technology Studies im Dialog mit Natur- und Technikwissenschaften: Inklusionen – Grenzlinien – Strategien.
Dieser Beitrag erörtert die Möglichkeiten und Herausforderungen zur Berücksichtigung von gesellschaftlich kontextualisierten Geschlechterperspektiven in den Naturwissenschaften. Ansatzpunkte zur Inklusion bieten Bereiche der Lebenswissenschaften und der Medizin, die bereits verschränkte Sex/Gender-Konzepte in ihrer Forschung berücksichtigen, Geschlechtervielfalt auch auf biologischer Ebene analysieren und die gesellschaftliche Kontextualisierung der Forschung thematisieren, wie beispielsweise der SFB „Sexdiversity“. Epistemologische Perspektiven der feministischen Science & Technology Studies (STS) zur Situiertheit der Forschenden und zur Reflexion ihrer eigenen gesellschaftlich-kulturellen Positioniertheit in Forschungsprozessen stoßen im Dialog aber immer noch auf Grenzen, wenn auf die Objektivität und Neutralität der MINT-Forschung gepocht wird. Strategien für einen transdisziplinären Austausch zur Positioniertheit der eigenen Forschungsmethodologien und Forschungspraxen sowie zur Kompetenzbildung für Sex/Gender- und feministische STS-Perspektiven in der Lehre und Nachwuchsförderung in MINT werden vorgestellt. In: Gender 3/2025, Schwerpunkt Perspektiven der Geschlechterforschung in Natur- und Technikwissenschaften
Publikation anzeigen