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Student Focus Group für partizipative Lehrentwicklung

Um die studentische Perspektive in die kontinuierlich die Entwicklung und Optimierung von Lehrformaten an der Ostfalia Hochschule einzubinden wurde im Rahmen des Projekts AGGIT eine Student Focus Group (SFG) eingerichtet. Diese interdisziplinäre Gruppe von Studierenden arbeitete in regelmäßigen Online-Treffen an aktuellen Themen rund um digitale und agile Lehre, diskutierten Erfahrungen, erarbeiteten Vorschläge und gaben unvoreingenommenes Feedback zu geplanten oder laufenden Innovationen. Eine SFG wirkt über reine Studierenden-Befragungen hinaus beratend und mitgestaltend auf mehreren Ebenen: Sie bringt studentische Lebensweltexpertise ins Projekt ein, beeinflusst Lehrinnovationen und Prüfungsformate, verbessert den Austausch mit Lehrenden und fördert nachhaltige studentische Partizipation in der Hochschulentwicklung

Kategorien

Bitte nennen Sie bis zu fünf Stichwörter, die den Inhalt Ihrer Maßnahme aussagekräftig beschreiben.
Studentische Partizipation
Fokusgruppe
agiles Austauschformat
Lehrentwicklung
Feedback zu Lehrinnovationen
Zielgruppe(n)
Transferierbarkeit

Beschreibung

Herausforderung

Studierende werden an der Entwicklung neuer Lehrformate meist erst am Ende im Rahmen einer Evaluation beteiligt. Eine kontinuierliche, formative studentische Mitwirkung und Mitbestimmung bei Lehrinnovationen fehlen. Es bestand eine Lücke zwischen dem Bedarf an studentischer Perspektive für die Arbeit der Projektmitarbeitenden/Lehrenden und der tatsächlichen Partizipation bei Lehrentwicklungsprozessen. Die SFG bot die Möglichkeit direktes studentisches Feedback zu Lehrinnovationen einzuholen.

Herangehensweise

Mit der Gründung und Einbindung der Student Focus Group wurde eine strukturierte Plattform geschaffen, die Studierenden ermöglicht, sich laufend und aktiv in die Entwicklung, Beratung und Reflexion neuer Lehrformate einzubringen. Die SFG traf sich regelmäßig (wöchentlich) online, diskutierte praxisnahe Themen und Fragestellungen aus dem Projekt AGGIT und gab Feedback aus unterschiedlichen Studienrichtungen. Durch die Rolle als Expert:innen ihrer eigenen Lebenswelt agierten die Studierenden unabhängig und begegneten den Lehrenden auf Augenhöhe. Die Ergebnisse wurden protokolliert, reflektiert und in den Lehrentwicklungsprozess sowie die Beratung von Lehrpersonen eingebracht. Ergänzt wurde die Maßnahme durch die gezielte Förderung von Offenheit, Feedbackkultur und einer partizipativen Moderation durch Projektmitarbeitende.

Zusammenhang

Die Maßnahme wurde im Projekt AGGIT („Agile Methoden in digitalen Lehrveranstaltungen“) während der Entwicklung und Umsetzung agiler (digitaler) Lehrformate als kontinuierlicher, begleitender Beteiligungsprozess eingeführt. Sie unterstützte die didaktisch-innovative Weiterentwicklung und Evaluation im Rahmen einer hochschulweiten Lehrentwicklungsinitiative.

Voraussetzung

Wichtige Voraussetzungen waren eine gezielte Ansprache und Auswahl motivierter Studierender aus unterschiedlichen Studienrichtungen, die Bereitschaft zur kontinuierlichen Mitarbeit, eine faire Honorierung und transparente Kommunikation. Zusätzlich waren Offenheit im Projektteam, eine strukturierte und wertschätzende Moderation, technische Ausstattung (Videokonferenztools, digitale Whiteboards), und die Unterstützung der Hochschulleitung erforderlich. Essenziell waren zudem eine vertrauensvolle Gruppenatmosphäre, regelmäßige Termine, die Integration des partizipativen Ansatzes in die Projektkultur sowie die Bereitschaft der Lehrenden, Ergebnisse und Empfehlungen aus der SFG aufzugreifen.

Eignung

Die Wirksamkeit zeigt sich an mehreren Indikatoren: Die studentischen Impulse der SFG wurden nachweislich in die Lehrentwicklung und Prüfungsgestaltung übernommen. Lehrende und Projektteam berichten von verbesserter Passung neuer Formate zu realen studentischen Bedarfen. Die Evaluationen zeigen eine erhöhte Akzeptanz und Relevanz der Lehrinnovationen. Die nachhaltige Motivation und Soft-Skill-Entwicklung der teilnehmenden Studierenden, der gestärkte Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden sowie die Übertragung der Maßnahme auf andere Projekte sprechen ebenfalls für den Erfolg. Die Ergebnisse und Empfehlungen der SFG wurden in Publikationen, Workshops und hochschulübergreifenden Veranstaltungen präsentiert.

Vorgehen/Schritte

1. Sensibilisieren Sie das Projektteam für die Chancen und Vorteile studentischer Partizipation bereits in der Planungsphase.

2. Sprechen Sie gezielt engagierte Studierende aus unterschiedlichen Fachbereichen an, erläutern Sie transparent Ziele und Aufgaben der Fokusgruppe und ermöglichen Sie eine niedrigschwellige, honorierte Teilnahme.

3. Etablieren Sie einen regelmäßigen, verlässlichen Rhythmus für Online-Treffen, ergänzt durch eine wertschätzende, neutrale Moderation und klare Strukturen (Check-In/Out, konsensbasierte, iterativ weiterentwickelte Themenfindung).

4. Nutzen Sie Kommunikationsmodelle wie die themenzentrierte Interaktion (TZI) für einen offenen, wechselseitigen Dialog und zur Förderung der Feedbackkultur.

5. Berücksichtigen Sie die Ergebnisse und Impulse der SFG nachweislich im weiteren Projektverlauf, machen Sie deren Wirkung sichtbar (z.B. durch Protokolle, Präsentationen, Treffen mit Lehrenden).

6. Fördern Sie die Kompetenzen der Studierenden durch Rollenvielfalt (z.B. Visualisierung, Moderation, Protokoll).

7. Setzen Sie auf digitale Tools, die barrierearm genutzt werden können, und unterstützen Sie die Studierenden beim Umgang.

8. Halten Sie die Gruppe offen für neue Mitglieder und ermöglichen Sie einen ausgewogenen Wechsel zwischen informellem Austausch und inhaltlicher Arbeit.

9. Reflektieren und passen Sie das Vorgehen gemeinsam regelmäßig an und holen Sie Feedback ein.

10. Sorgen Sie für eine institutionelle Verankerung, damit die SFG als Beratungs- und Feedbackgremium nachhaltig wirken kann.

Hinweise

Effekte

Erwartet wurden praxisnahe Impulse für Lehrinnovationen und partizipative Evaluationen. Unerwartet war das starke Wachstum eines vertrauensvollen, interdisziplinären Netzwerks innerhalb der Gruppe sowie die persönliche Weiterentwicklung der Studierenden (z.B. Kommunikations-, Team- und Reflexionskompetenz). Die SFG förderte einen Kulturwandel hin zu mehr Augenhöhe und der stärkeren Wertschätzung studentischer Mitgestaltung. Die Expertise der SFG wurde durch andere Hochschulakteur:innen als eine niedrigschwellige Maßnahme studentischer Partizipation wahrgenommen und die Mitarbeit zu weiteren Themengebieten angefragt.

Learnings

Eine kontinuierlich begleitende studentische Perspektive bereichert Lehrentwicklungsprojekte substanziell. Erfolg erfordert Offenheit, Mut zum Dialog auf Augenhöhe und klare Kommunikationsstrukturen. Die professionelle Moderation, sinnvolle Honorierung und eine flexible, aber strukturierte Themenfindung sind entscheidend. Die Gruppe profitiert, wenn diverse Lebenswirklichkeiten zusammentreffen und ein Raum für ehrliches, kritisches Feedback ohne Leistungsdruck geschaffen wird. Aktive Partizipation stärkt Motivation, Kompetenzen und Projektergebnisse gleichermaßen.

Empfehlung

Die (studentische) Fokusgruppe ist als Maßnahme sehr wirkungsvoll. Je nach Rahmen und Ressourcen kann jedoch eine Mischform sinnvoll sein, etwa durch Kombination mit themenoffenen Workshops, Barcamps oder digitalen Feedback-Tools, um noch mehr Breite zu erreichen. Auch niedrigschwelligere, weniger formalisierte Feedback- und Beteiligungsformate (z. B. Peer-Coaching, Design-Thinking-Workshops) können als Ergänzung Impulse für partizipative Prozesse geben.

Zu bedenken ist: I.d.R. nahmen Studierende nur zwei bis drei Semester an der SFG teil, da sie sich meist schon in höheren Fachsemestern befanden. Auch scheinen Nebenjobs als HiWi für viele Studierende finanziell nicht attraktiv zu sein und es werden durch solche Beteiligungsformate v.a. engagierte Studierende angesprochen. Die Betreuung der SFG und v.a. die Gewinnung von neuen Studierenden, ist zeitintensiv.

Tipps

Achten Sie auf eine heterogene Zusammensetzung der Gruppe und klare Aufgabenverteilung. Starten Sie mit kleinen, erreichbaren Zielen, um das Vertrauen zu stärken. Schaffen Sie regelmäßige, aber flexible Formate und nutzen Sie Check-In/Check-Out-Fragen für den Gruppenzusammenhalt. Sorgen Sie für sichtbare Weiterverwertung der studentischen Impulse und feiern Sie kleine Erfolge. Technische Barrieren sollten durch Support abgebaut werden. Ermutigen Sie eine offene, fehlertolerante Feedbackkultur.

Sonstiges

Die dauerhafte Einbindung studentischer Perspektiven zahlt sich für alle Beteiligten aus – für Studierende, Lehrende und die Hochschule insgesamt. Die SFG setzt einen Impuls für langfristige Veränderungskultur: Sie verbindet Hochschulentwicklung mit persönlicher Entwicklung und gibt Studierenden echtes Mitgestaltungsrecht über ihre Lernumgebung.

Methoden

Empfohlen

Methoden
Moderierte Gruppendiskussion, themenzentrierte Interaktion (TZI), Visualisierung, Check-In/Out, konsensbasierte Entscheidungsfindung, Protokollierung durch Teilnehmende
Formate
Regelmäßige Online-Treffen (1,5-2 Std.), thematische Workshops, informelle Austauschrunden, Präsentationen der Ergebnisse (z.B. in Projektrunden)
Technische Tools
Videokonferenzlösungen (z.B. BigBlueButton, Zoom), digitale Whiteboards (Conceptboard, Miro), geteilte Online-Dokumente (Nextcloud, Office365), Chat-Tools, E-Mail zur Kommunikation

Nicht empfohlen

Methoden
Frontalpräsentationen ohne Beteiligung, rein schriftliche Befragungen ohne Austausch, Methoden mit hohem Leistungsdruck
Formate
Einmalige, sehr große Plenumssitzungen ohne Moderation, unstrukturierte Runden ohne Agenda, zu seltene Treffen
Technische Tools
Instabile, nicht barrierearme Software, Tools mit komplizierten Zugängen oder ohne Datenschutzkonformität, technisch wenig unterstützende Foren

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