
Materialienreihe „Russisch: Text & Kontext“
Im Rahmen der Maßnahmen haben wir neue digitale Lehr- und Lernmaterialien für das Fach Russisch entwickelt und erprobt, die auf die aktuellen Herausforderungen im universitären Russischunterricht reagieren. Neben der Heterogenität der Studierenden gehört zu den Herausforderungen Mangel an geeigneten authentischen und didaktisch aufbereiteten Quellen, die über aktuelle Ereignisse im russischsprachigen Raum Aufschluss bieten sowie die Notwendigkeit einer didaktischen Fokusverschiebung von Russisch als Staatssprache Russlands hin zu Russisch als Lingua franca.
Kategorien
Beschreibung
Herausforderung
Die Maßnahme adressiert zentrale Herausforderungen im universitären Russischunterricht: die Entkopplung des Sprachunterrichts von gesellschaftlichen Realitäten russischsprachiger Länder, verschärft durch veraltete Lehrwerke seit dem Krieg gegen die Ukraine; die hohe Heterogenität der Lerngruppen und fehlende binnendifferenzierte Materialien; sowie den rasanten technologischen Wandel im Spracherwerb.
Herangehensweise
Es wurde ein integriertes Konzept entwickelt, das Lehrmaterialien in den Mittelpunkt stellt, die sowohl die Entkopplung des Spracherwerbs von gesellschaftlicher Realität als auch die Heterogenität der Lernendengruppen adressieren und zugleich neue technologische Möglichkeiten einbeziehen. Zentrale Grundlage sind aktuelle authentische Quellen (Text, Video, Audio, Bild), die mittels eines didaktisch fundierten Verfahrens ausgewählt und aufbereitet wurden. Auf dieser Basis entstehen Materialien zur Förderung funktional-kommunikativer sowie interkultureller Kompetenzen. Sie sind für Fremdsprachenlernende und Herkunftssprecher:innen gleichermaßen geeignet und berücksichtigen deren spezifische Bedürfnisse. Zur Unterstützung der Binnendifferenzierung, insbesondere bei Textproduktion und Gesprächsvorbereitung, wurden zunächst regelbasierte und später auch generative KI-Chatbots in das Konzept integriert.
Zusammenhang
Die Lernmaterialien wurden in sprachpraktischen Russischkursen (A2–B2 nach GeR) an der Universität Bamberg sowie an der Universität Leipzig und der Humboldt-Universität zu Berlin erprobt. Sie kamen sowohl als zentrale Materialien für ganze Unterrichtseinheiten als auch ergänzend in Selbstlernphasen zum Einsatz. Einzelne Materialien wurden zudem punktuell an deutschen Schulen genutzt.
Voraussetzung
Bei der Entwicklung der Lernmaterialien waren vor allem didaktische Kompetenzen sowie Kenntnisse gesellschaftlicher Diskurse russischsprachiger Länder und authentischer Quellen entscheidend. Angesichts der aktuellen Kriegssituation sind zudem interkulturelle Kompetenzen im Umgang mit unterschiedlichen Herkunftshintergründen der Nutzer:innen besonders wichtig. Voraussetzung war außerdem eine geeignete technische Infrastruktur für die Erstellung und Bearbeitung überwiegend digitaler Materialien sowie Kompetenzen im Umgang mit KI. Für Erprobung und Anwendung sind ein differenziertes Verständnis von Lernendenheterogenität, unterschiedlichen Sprachniveaus und Sprachbiographien sowie die Bereitschaft erforderlich, neue Methoden einzusetzen.
Eignung
Die Lernmaterialien wurden in verschiedenen Sprachlerngruppen erprobt und in mehreren Durchgängen evaluiert. Dabei wurden sowohl einzelne Materialien als auch das übergeordnete Konzept der Arbeit mit authentischen Quellen anstelle klassischer Lehrwerke überprüft. Studierende bewerteten die Materialien überwiegend positiv, insbesondere hinsichtlich Lernzuwachs und Motivation. Ergänzend fanden strukturierte Gespräche mit Lehrenden statt, die die Materialien als thematisch sinnvolle Ergänzung und als fundierte Grundlage für die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen und aktuellen Ereignissen im russischsprachigen Raum einschätzten. Hervorgehoben wurden die benutzerfreundliche Gestaltung und die hohe Motivation der Studierenden. Rückmeldungen flossen in Überarbeitungen ein; Ergebnisse wurden auf Fachtagungen präsentiert und in Publikationen reflektiert.
Vorgehen/Schritte
Die Maßnahme kann auf zwei Weisen genutzt werden: Erstens durch die Verwendung der entwickelten Lehr- und Lernmaterialien im universitären Russischunterricht, zweitens als Vorbild für die Erstellung eigener Materialien für heterogene Sprachlerner:innengruppen. Beide Nutzungsformen erfordern eine aktive Rolle der Lehrenden bei der Analyse der Lerngruppe, der Formulierung von Lernzielen und der kritischen Auswahl geeigneter Materialien.
Die interaktiven Lernmaterialien basieren auf authentischen Quellen (Text, Video, Audio, Bild) und lassen sich flexibel einsetzen. Bei der Auswahl sind Thema, Format, Sprachniveau (GeR) und spezifische Bedürfnisse der Gruppe (Fremdsprachenlernende vs. Herkunftsspracher:innen) entscheidend. Sie können mit anderen Materialien oder klassischen Lehrbüchern kombiniert werden und eignen sich sowohl für Präsenzunterricht als auch für Vor- und Nachbereitung sowie selbstständiges Lernen.
Ein Schwerpunkt liegt auf Blended Learning: Die Kombination aus Präsenzunterricht und autonomen Selbstlernphasen ermöglicht, differenziert auf Lernbedürfnisse einzugehen und Lernziele effizient zu erreichen. Einige Formate, wie SlavBasics, eignen sich besonders für selbstständiges Lernen und verbinden praxisnahe Sprachkenntnisse mit vertieften sprachwissenschaftlichen Inhalten. Andere Formate, wie SlavVisuals, enthalten viele interaktive Aufgaben (Quizzes, Karten, Videos, Chatbots) und lassen sich flexibel für Gruppenarbeit oder selbstständige Lernphasen einsetzen. Sie nutzen dokumentarische statische und Bewegtbilder als Quellen und fördern differenziert die Sprachkompetenzen – besonders relevant für heterogene Gruppen.
Lehrpersonen können das Projekt-Design auch unabhängig von den vorhandenen Materialien anwenden, um eigene Materialien für heterogene Lerngruppen zu entwickeln. Die bestehenden Materialien dienen dabei als didaktisch fundiertes Vorbild, das sowohl methodisch als auch inhaltlich Orientierung bietet.
Hinweise
Effekte
Ein erwarteter Effekt zeigte sich in der höheren Motivation der Studierenden. Dies hängt damit zusammen, dass die Entscheidung für eine Sprache meist nicht zufällig getroffen wird, sondern auf einem grundlegen-den Interesse an den entsprechenden Ländern und Gesellschaften beruht. Die Arbeit mit aktuellen, authentischen Quellen verankert den Unterricht stärker in der Realität, macht ihn weniger abstrakt und eröffnet die Möglichkeit, neben der Sprache auch gesellschaftliche Diskurse kennenzulernen und sich aktiv darin zu üben. Andererseits wurden durch differenzierte Aufgabestellungen unterschiedliche Lernbedürfnisse adressiert, so dass der Unterricht auch in einer heterogenen Gruppe differenzierter und zielgerichteter wurde.
Ein unerwarteter Effekt war, dass die Materialien auch von Lehrkräften deutscher Schulen sehr positiv angenommen wurden und im Unterricht benutzt wurden.
Learnings
Das wichtigste Learning ist, dass sich Lehr- und Lernrealität schneller verändert als zugrunde liegende Konzepte. Technische Entwicklungen, z. B. KI-Chatbots, überholen innerhalb kurzer Zeit frühere Innovationen. Gesellschaftliche Ereignisse wie Russlands Krieg gegen die Ukraine machen manche Inhalte veraltet oder unsensibel und erfordern eine fachliche Neuorientierung. Lehr- und Lernkonzepte müssen daher flexibel gestaltet sein, um rasch auf technische und gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren. Ebenso wichtig sind konsequente Nutzerzentrierung und kontinuierliche Feedbackschleifen, um Materialien an unterschiedliche Lernziele und Bedürfnisse anzupassen.
Empfehlung
Ein alternatives Vorgehen bestünde darin, die Entwicklungszyklen zwischen Ideenfindung, Prototyping und Erprobung zu verkürzen. Ebenso sinnvoll ist es, häufiger mit bewusst „unfertigen“ Formaten zu arbeiten und diese in frühen Phasen zu testen. So können Rückmeldungen frühzeitig einfließen und die Konzepte praxisnah und effizient weiterentwickelt werden.
Tipps
Die Lernmaterialien wurden hauptsächlich im H5P gemacht, und zwar als sogenannte H5P-Interactive Books – ein „Content type“, der unterschiedliche Formate (Texte, Audio, Video, Bilder, Quizze etc.) integrieren lässt. Die Materialien können in dieser Form, als ganzheitliche Mini-Kurse benutzt werden. Sie wurden aber so konzipiert, dass die Interactive Books auseinandergenommen und einzelne Seiten separat genutzt werden können, je nach konkretem Lernziel und Zusammensetzung der Gruppe.
Methoden
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Nicht empfohlen
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