
Kollaborative Lehrveranstaltungen umsetzen
Zur Förderung und Vermittlung kollaborativer Kompetenzen wurde im Wintersemester 2023/24 eine Blockveranstaltung für Studierende aus Hannover, Braunschweig und Göttingen veranstaltet. Ziel war es, Kollaboration für Studierende zugänglich und erlebbar zu machen. Am Ende der Lehrveranstaltung erar-beiteten die Studierenden in Kleingruppen Beiträge für ein Dossier des Hochschulforums Digitalisierung.
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Beschreibung
Herausforderung
Zentrale Herausforderung ist, reale, standortübergreifende Teamarbeit statt rein theoretischer Studienkol-laboration zu etablieren. Studierende sollen dabei selbstständig Austausch, Chancen und Stolpersteine reflektieren und Schlüsselqualifikationen außerhalb fachspezifischer Angebote erwerben. Hinzu kommt das Kennenlernen und die Nutzung DSGVO-konformer digitaler Uni-Tools in einer synchronisierten Blockveranstaltung.
Herangehensweise
An allen drei Standorten wird die Lehrveranstaltung mit entsprechenden ECTS angeboten. Projektmitarbeitende übernehmen Lehrrollen und gestalten sie partnerorientiert nach Constructive Alignment. Die Bewerbung der Veranstaltung erfolgt standortabhängig über die LMS, lokale Kanäle und Fristen. Lehrpraxis ist zur Durchführung hilfreich und die Inhalte und Toolzugänge stellt das Projekt. Das innovative Veranstaltungsformat ist durch das Verbundprojekt finanziert.
Zusammenhang
Die projektbezogene Lehrveranstaltung vermittelt Kommunikation, Kooperation und Kollaboration praxisnah: Studierende erarbeiten gemeinsam Chancen, Herausforderungen und Methoden und nutzen dabei datenschutzkonforme Uni-Tools. In Göttingen (ZESS) wird sie mit 3 ECTS und 90 UE angeboten, evaluiert über Einzelgespräche; in Hannover (ZQS) mit 2 ECTS, 60 UE und Fragebogen-Evaluation; in Braunschweig im Pool überfachliche Qualifikationen mit 2–3 ECTS, 90 UE, evaluiert mittels qualitativer Befragung.
Voraussetzung
Die Lehrveranstaltung wird fach- und standortübergreifend angeboten und richtet sich an Studierende aller Studienphasen. Voraussetzung sind Kenntnisse der universitären Strukturen für fakultätsübergreifende Lehre sowie eine gültige Lehrbefugnis und -erfahrung. Im Lehrenden-Team wurde eine gemeinsame Plattform für Planung und Nachbereitung genutzt. Der sichere Umgang mit datenschutzkonformen Kollaborations-Tools war ebenso gewährleistet. Hochschuldidaktische Methoden und studentische Mitarbeitende stärken Konzeption sowie Durchführung. Als Veranstaltungsort steht der flexible, technisch bestens ausgestattete Raum des Digital Creative Space Göttingen (DCS) zur Verfügung. Das fachübergreifende Format berücksichtigt die heterogenen Vorerfahrungen der Teilnehmenden, legt großen Wert auf Transfer und Praxisbezug und wird finanziell so unterstützt, dass Studierende aus Hannover und Braunschweig ihre Übernachtungskosten während der mehrtägigen Blockveranstaltung in Göttingen abdecken können.
Eignung
Die Lehrveranstaltung stieß bei den Studierenden auf durchweg positive Resonanz: Arbeitsklima, Gruppenarbeit und Kennenlernen wurden besonders gelobt. Laut Einzelgesprächen, qualitativen Gruppenbefragungen und quantitativen Fragebögen lässt sich vor allem der Einsatz von Tools gut auf andere Lehrveranstaltungen übertragen. Die vierstündige Online-Sitzung empfanden sie allerdings als zu lang. In der Evaluation erzielten die Lehrveranstaltung Bestnoten in individueller Betreuung (1,3), Online-Umsetzung (1,6) und Struktur (2,7).
Die studentischen Leistungen – von Audiobeiträgen bis zu Analysen – wurden auf co3learn.de und beim Hochschulforum Digitalisierung aufbereitet und zeigen vielfältige Perspektiven kollaborativen Arbeitens. Der öffentliche Zugriff bietet wertvollen Input für Lehrende und Lernende. Insgesamt stärkt die Veranstaltung Schlüsselkompetenzen in Kommunikation, Kooperation und Kollaboration und fördert die praktische Anwendung.
Vorgehen/Schritte
– Zusammenarbeit im Lehrendenteam
· Plattform Academic Cloud für gemeinsame Dokumente, Dateiablage, Zeitplanung
· Gemeinsamer Foliensatz mit projekteigenen Illustrationen
· Kommunikation und Abstimmung via Chat
· Rollenverteilung: Themenleitung, Raum/Technik, Gastkoordination
· Einbindung studentischer Mitarbeit
· Inhaltliche Planung (nach Constructive Alignment)
· Lernziele: Kommunikation, Kooperation, Kollaboration im Studium und Beruf
· Austausch unter Lehrenden: wer vertieft welches Thema, wer probiert neue Methoden aus, wer organisiert Raum/Technik, wer moderiert Gasteinheiten
– Themenmodule
• Theorie und Best Practices aus dem Verbundprojekt Co³Learn
• Kennenlernen DSGVO-konformer, uniweit nutzbarer Tools
• Berichte externer Expert*innen (internationales Teamwork)
• Umsetzung studentischer Kooperationsprojekte an der Hochschule
– Formate und Settings
• Präsenz: Bewegungssequenzen, Paar- und Gruppenarbeit, Icebreaker (Kennenlernbingo, Challenges)
• Digital: BBB mit Breakout-Räumen, interaktive Maps, Live-Umfragen
• Hybrid: parallele Präsenz/Livestream, mobile Pausen, gemeinsame Ergebnissicherung
Studien- und Prüfungsleistung
– Formate: Audiobeiträge, schriftliche Ausarbeitungen, Videos
– Themenwahl: interessengeleitete Fragestellungen zur Kollaboration
– Ziel: Praxistransfer, Publikation auf Projektwebsite & Hochschulforum Digitalisierung
– Struktur: Kleingruppenarbeit, Präsentation im Plenum, Reflexion
– Bewertungsraster: inhaltliche Tiefe, Methodenreflexion, technische Umsetzung, Publikationsfähigkeit
OER-Materialien & Kennenlern-Tools
– Bewährte OER einsetzen: Kennenlernbingo, Kennenlern-Challenges
– Eigene OER entwickeln: Be Students not Strangers, Fragenkoffer, Ideenkoffer, Ressourcenkoffer
– Bereitstellung: Druck und digital auf twillo.de
Ablauf- und Strukturplanung
– Einstieg/Kennenlernen: OER-Bewegungsspiele
– Impulsvortrag im Kino-Format
– Kleingruppenphasen mit selbsterstellten Materialien (OER)
– Plenum zur Ergebnissicherung und Diskussion
– Online-Sitzung via BigBlueButton (max. 2 h)
– Backup-Szenarien für Gruppenarbeit und technische Ausfälle
Raumwahl & Rahmenbedingungen
– Anforderungsprofil: großer, flexibel möblierter Raum für Plenum, Bewegung, Kleingruppen, Einzelarbeit; ÖPNV-Anbindung; WLAN/Eduroam; Leinwand; keine Raummiete
– Entscheidung: Digital Creative Space Göttingen (DCS) – digitale Infrastruktur, flexible Stellwände, Kino-Format
– Catering: Snack-Wagen im Bibliotheksfoyer
– Techniktest: Probeaufbau im Vorfeld
Digitale Orte & Tool-Roadmap
– Academic Cloud (SSO) als zentrale Plattform
– Rollout-Plan: Tool-Einführung, Testphase, Support, Feedbackschleifen
– QR-Code-Strategie optimieren (reduziert, direkte Links)
Evaluation
– vers. Evaluationsmaßnahmen: qualitative Gruppengespräche, quantitativer Fragebogen (vor, während, nach Seminar), Einzelinterviews
– Kontinuierliche Rückkopplung zur Anpassung von Formaten, Tools, Zeitplänen
Hinweise
Effekte
Zu viele neue digitale Tools auf einmal überfordern die Studierenden. Die Auswahl von passenden Tools hat nicht immer dazu geführt, dass diese von den Studierenden in ihrer Arbeit genutzt werden, sondern sie auf schon vorher verwendete Tools zurück gegriffen haben. Zudem waren einige Tools bei gleichzeitiger aktiver Nutzung überlastet und reagierten verzögert oder gar nicht mehr.Die vorbereiteten QR-Codes für die Zugänge zu den Tools frustrierte im Verlauf der Blockveranstaltung. Die Veranstaltenden haben mit mehr Anmeldungen gerechnet, am Ende haben 35 Studierende aus von Standorten teilgenommen. Die Studierenden nutzten die angebotenen Tools weniger als erwartet, probierten sich dagegen in neuen Formaten (Audioaufnahme) und arbeiteten kollaborativ in den standortübergreifenden Gruppen zusammen. Die Ergebnisse zeugen vom Prozess der Zusammenarbeit und hatten zum Teil inhaltliche Schwächen, die vor der Veröffentlichung noch angepasst werden mussten.
Learnings
Kollaboration ist ein kontinuierlicher Lernprozess, der ständige Kommunikation und wechselnde Rollen erfordert. Die standortübergreifende Zusammenarbeit simuliert digitale Arbeitsweisen und spätere Berufspraxis besonders realitätsnah, setzt aber gemeinsame Lernmanagement-Systeme und Prüfungsverfahren voraus. Die Academic Cloud half, technische Hürden zu überwinden, doch organisatorisch musste in drei unterschiedlichen Portalen Kurse anlegt und Leistungen verbuchen werden. Eine gemeinsame Veranstaltung Stud.IP und ein gemeinsames Verbuchungssystem hätten den Aufwand deutlich reduziert. Der hohe organisatorische Mehraufwand stand in keinem Verhältnis zur Blockveranstaltung mit rund 35 Studierenden und erschwerte das kollaborative Lehrkonzept. Die Umsetzung war insbesondere durch die strukturelle Unterstützung des Verbundprojekts möglich.
Empfehlung
Um kollaborative Lehre dauerhaft zu verankern, sollten Hochschulen verbindliche Module zu Kommunikation, Kooperation und Kollaboration in ihre Curricula aufnehmen und als Schlüsselqualifikation etablieren. Prüfungs- und Anerkennungsmodalitäten müssen dafür hochschulübergreifend abgestimmt sein. Eine einheitliche Plattform mit Single Sign-On und gemeinsamem Leistungsverbuchungsmodul würde den organisatorischen Aufwand erheblich reduzieren. Aus den Erfahrungen der Lehrveranstaltung zeigt sich, dass standartisierte Workflows für Kursanlage, Raumreservierung und Evaluation zu empfehlen sind, um Doppelstrukturen zu vermeiden.Technische und didaktische Schulungen für Lehrende und studentische Mitarbeitende stellen sicher, dass Tools wie die Academic Cloud effektiv genutzt werden. Schließlich sollte die kollaborative Lehre institutionell verankert werden, damit Studierende an allen Standorten kontinuierlich voneinander lernen und reale Teamarbeit erproben können.
Tipps
1. Planung
– Mindestens zwei Semester im Voraus anmelden
– Standortübergreifend Kurse anlegen und Studienleistungen zentral verbuchen
2. Teilnehmergewinnung
– Gezielte Werbung an einzelnen Fakultäten und in Fachbereichen
– Flyer in digitalen Lehrplattformen
3. Organisation & Technik
– Einheitliche LMS-Plattform (z. B. Stud.IP) einrichten
– Tools frühzeitig testen, SSO und Zugangsrechte klären
4. Redaktion & Veröffentlichung
– Pufferzeit für die redaktionelle Bearbeitung studentischer Beiträge (Audiobeiträge, Videos, Texte) einplanen
– Qualitativ hochwertige Veröffentlichung über Projektwebsite vorbereiten
5. Didaktik & Evaluation
– Pilotdurchlauf mit stud. Mitarbeitenden
– Feedbackschleifen integrieren und Anpassungen vornehmen
Methoden
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